Wie sieht die Zukunft von Kevin Großkreutz aus? © Stephan Schuetze
Fußball

Das große Großkreutz-Interview: Es gab schon Gespräche mit Kuba

Die Zukunft des ehemaligen Weltmeisters Kevin Großkreutz ist ungewiss. Im großen Interview spricht er über seine mögliche Zukunft und seine Zeit bei Türkspor Dortmund.

Kevin Großkreutz und der KFC Uerdingen haben sich getrennt. Unter Mithilfe der Justiz. Großkreutz gewann aber in allen Instanzen und erhält von dem Klub noch einmal 400.000 Euro. Aber wie geht es weiter für ihn. Er hat viele Ideen. Welche? Im großen Interview spricht er darüber.

Hallo Herr Großkreutz, wie halten Sie sich aktuell eigentlich fit?

Ich trainiere jeden Tag mindestens einmal. Mal sind es Lauf oder Krafteinheiten. Es gibt auch Tage, da trainiere ich mit dem Ball. So ohne Mannschaft zu trainieren ist schon etwas anderes. Aber man muss sich in so einer schwierigen Situation motivieren können. Das bekomme ich auch hin. Ich muss ja etwas für meinen Körper tun und darf nicht die Kondition und Stabilität verlieren.

Wie ist es für Sie, dass gerade in allen Profiligen gespielt wird und Sie sind nicht dabei?

Erstmal ist es schön, dass wir überhaupt etwas gucken können. Und natürlich juckt es in meinen Beinen, wen ich nur zuschauen kann. Aber es ist auch mal schön, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Möglichkeit hatte ich ja die letzten Jahre kaum.

Haben Sie nach Ihrer Zeit bei Uerdingen eigentlich genug vom Profisport?

Über Uerdingen möchte ich nicht sprechen.

Wann möchten Sie wieder auf dem Platz stehen?

Ich möchte erst mal die Feiertage und Silvester genießen. Im Januar werde ich entscheiden, wie es für mich weitergeht. In welche Richtung ich gehe. Ob ich als Profi weitermache oder meine Karriere beende und aus Spaß noch im Amateurfußball spiele. Vielleicht werde ich auch Trainer oder gehe in die Richtung Experte.

Beim Fernsehen?

Warum nicht. Vielleicht bei Sky oder DAZN. Man weiß nie, auch wenn es da noch keine Gespräche gab.

Es wurde zuletzt häufiger darüber berichtet, dass Sie mit Wisła Krakau in Kontakt stehen, wo ihr alter Teamkollege Jakub Blaszczykowski der Besitzer ist.

Es gab schon Gespräche mit Kuba (Jakub Blaszczykowski, Anm. d. Red.). Aber nichts Konkretes. Ich lass mich da überraschen.

Verbrieft ist, dass Sie sich häufiger mit Ajan Dzaferoski getroffen haben, dem Vorsitzenden des Westfalenligisten TuS Bövinghausen.

Ja, wir haben auch über meine Zukunft gesprochen und er hat mir gesagt, dass er mich haben möchte. Er ist ein super Mensch, ist überragend und immer gut drauf. Wir verstehen uns prima. Da ist eine Freundschaft entstanden. Ich saß aber schon mit mehreren Amateurvereinen zusammen.

Sie sind Deutscher Meister, Weltmeister, DFB-Pokalsieger und standen im Finale der Champions League. Trotzdem haben Sie nie den Kontakt zur Basis verloren.

Ich weiß einfach, wo ich herkomme. Ich habe selbst auf Asche gespielt. Meine Familie ist im Amateurfußball zu Hause, wie mein Cousin Marcel, der ja bei Brünninghausen spielt. Bövinghausens Eyüp Cosgun ist seit 30 Jahre mein Freund, Wickedes Anil Konya kenne ich auch schon lange. Deshalb ist es für mich eine Option, nach meiner Profikarriere mit meinen Freunden zusammenzuspielen.

Wie sieht es mit einem Trainerjob aus?

Ich wollte jetzt eigentlich meinen nächsten Schein machen. Der Lehrgang ist wegen Corona ausgefallen. Den hole ich aber nach. Den A-Schein möchte ich schon haben.

Ihr alter Trainerkollege aus Türkspor-Zeiten, Reza Hassani, kann sich gut vorstellen, dass Sie als Trainer im Profibereich landen.

Ob ich da mal lande, weiß ich nicht. Man darf nicht vergessen, dass es viele gute Fußballer gibt, die keine guten Trainer geworden sind.

Sie haben ja mit Reza Hassani den Trainerjob bei Türkspor Dortmund niedergelegt. Haben Sie Frieden mit dem Verein geschlossen?

Ich bin da nicht nachtragend und gehässig. Ich habe dort viele Freunde gewonnen. Bei den Spielern und im Vorstand. Mit denen treffe ich mich immer noch. Auch wenn der Abgang nicht schön war.

Sie sind gegangen, weil der Klub Dimitrios Kalpakidis als Sportlichen Leiter geholt hat. Stehen Sie noch zu der Entscheidung?

Ich fand das Handeln von Dimi (Dimitrios Kalpakidis, Anm. d. Red.) unfair. Reza hat ihm deutlich gemacht, dass er nicht mit ihm zusammenarbeiten möchte. Trotzdem hat er zugesagt. Das verstehe ich nicht.

Hätten Sie mit Türkspor etwas Großes aufbauen können?

Man hätte uns nur in Ruhe arbeiten lassen sollen. Nach meiner aktiven Profi-Karriere hätte ich ja noch mehr Zeit für den Klub gehabt. Da hätten Reza und ich etwas Großes aufbauen können.

Sie sind ein Junge der Südtribüne, ein Fußballromantiker. Wieso mögen Sie Projekte wie Türkspor und Bövinghausen?

Eins muss ich vorwegsagen. Welcher Verein schafft es denn ohne Geld von der Bezirksliga in die Oberliga? Aplerbeck und auch Brünninghausen haben Geld in die Hand genommen, um so weit zu kommen. Ohne Sponsoren steigst du nicht auf. Es ist legitim, was Bövinghausen und Türkspor machen. Und bei beiden Klubs ist es ja nicht nur der eine Sponsor. Es sind nicht nur Ajan (Dzaferoski, Vorsitzender Bövinghausen, Anm. d. Red.) und der Doc (Dr. Akin Kara, Vorsitzender Türkspor, Anm. D. Red.) die alles bezahlen. Da sind noch viel mehr Sponsoren, die eher im Hintergrund agieren.

Wie sehen Sie aktuell die Lage bei ihrem Herzensverein BVB?

Das ist schwierig zu bewerten. In der Mannschaft sind viele gute junge Leute. Aber gerade läuft es nicht richtig. Erling Haaland fehlt gerade einfach als Typ. Ich bin mir sicher, dass das Team aus dem Tief findet und in der Tabelle klettert.

Nach dem BVB-Sieg im Derby gegen Schalke haben Sie Erling Haaland ein Jahr lang freies Essen in ihrem Restaurant „Mit Schmackes“ versprochen. War er schon da.

Das hat Corona verhindert. Ich hoffe, er kommt noch.

Mit Ihrem Restaurant haben Sie gerade eine große Aktion gestartet. Erklären Sie uns die.

Wir verkaufen gerade Gutscheine, die im neuen Jahr eingelöst werden können. Und wer jetzt ein Gutschein kauft, nimmt an einer Tombola teil. Hier gibt es unter anderem signierte Trikots von Ivan Perisic, Ilkay Gündogan oder Pierre-Emerick Aubameyang zu gewinnen. Die Aktion läuft gut, da bin ich den Menschen in Dortmund richtig dankbar.

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Thomas Schulzke

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