Gern gesehene Gäste im Perpendikel: Mo Acil (l.) und Anil Konya. © Privat
Fußball

Die beliebtesten Kneipen der Amateurfußballer: Bierdeckelverträge im Perpendikel

Hier können die Amateurfußballer ihren Alltag vergessen und sich ganz ihrem Lieblingsgesprächsthema hingeben: in den Kneipen und Restaurants der Stadt. Im Perpendikel können sogar Verträge gemacht werden.

Amateurfußball ist nicht nur Ball, Tore und Leibchen. Amateurfußball ist nicht nur das Spiel an sich. Amateurfußball ist ein Erlebnis. Dazu gehört, sich mit seinen Mannschaftskameraden, den Betreuern, Trainern und Gegnern auf ein Bierchen zusammenzusetzen. Über die letzten Spiele, die Vorbereitung und den neuesten Wechsel zu fabulieren. Am liebsten mit einem kühlen Glas Bier in der Hand.

Gerne und lange sitzen Amateurfußballer – das schreibe ich aus eigener Erfahrung – in der Kabine beisammen, ehe sie an die Theke ins Klubheim wechseln. Doch wenn das mal nicht auf hat, gibt es Lieblingsorte, zu denen sie ausweichen können. Die wollen wir Ihnen vorstellen. Die urigen Pubs und Restaurants der Amateurfußballer.

Eine der beliebtesten Kneipen im Dortmunder Amateurfußball wird von einem der bekanntesten Amateurfußballern aus Dortmund betrieben. Das Perpendikel ist die Kneipe von Dimitrios Kalpakidis, dem Sportlichen Leiter von Türkspor Dortmund. Dort treffen Dominik Deppe vom FC Brünninghausen, Kevin Brümmer vom ASC 09 Dortmund, Robin Dieckmann von Mengede 08/20 und Co. regelmäßig aufeinander, verrät einer, der es wissen muss: Anil Konya.

In der langen Phase des zweiten Lockdowns hat Dimitrios Kalpakidis das Perpendikel renoviert.
In der langen Phase des zweiten Lockdowns hat Dimitrios Kalpakidis das Perpendikel renoviert. © Privat © Privat

Der Kapitän von Westfalia Wickede ist gerne und regelmäßig im Perpendikel zu Gast. Früher sei er oft im Cafe Central gewesen, das etwas moderner ist. Mittlerweile darf es aber gerne der urige Pub von Kalpakidis für den Amateurfußballer sein. „Wir kennen Dimi (Kalpakidis, Anm. d. Red.) halt alle vom Fußball“, erklärt er.

Warum sich die Fußballer dort treffen? Klar, zum Schocken und für das eine oder andere Bierchen, verrät der Wirt Kalpakidis. Doch die Treffpunkte der Amateurfußballer – allen voran das Perpendikel – dienen auch dazu, über jede Entwicklung bei jedem Verein auf dem Laufenden zu bleiben. „Das Miteinander ist faszinierend“, sagt Kalpakidis, „wenn die Jungs bei uns unterwegs sind, klatschen sie sich ab und trinken zusammen.“

Das Perpendikel wird von Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter von Türkspor Dortmund, betrieben.
Das Perpendikel wird von Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter von Türkspor Dortmund, betrieben. © Privat © Privat

„Wir sprechen dort über alle Fußballthemen“, verrät Konya. Dann fragt Eyüp Cosgun vom TuS Bövinghausen nach dem ersten Westfalenliga-Spieltag schon mal den Brünninghausener Dominik Deppe, wie denn der Aufsteiger RW Deuten, gegen den Brünninghausen gerade gewonnen hat, gespielt hat. Oder der Mengeder Dieckmann fragt Konya, ob die Wickeder denn auch so einen harten Vorbereitungsplan vom Trainer bekommen haben.

Und Dimitrios Kalpakidis nutzt die Gunst der Stunde nach den ersten drei, vier Gläsern Bier, um den nächsten Spieler für Türkspor Dortmund unter Vertrag zu nehmen. Oder nicht, Dimitrios Kalpakidis? „Die Bierdeckelverträge könnte ich mal häufiger machen“, sagt er lachend. „Natürlich fragt man auch mal flachsend den einen oder anderen, wie es ausschaut“, erklärt er, auch wenn das nicht seriös sei. „Aber die ersten Schritte in so eine Richtung werden sicherlich mal gemacht.“

Wird im Perpendikel ausgeschenkt: DAB-Bier und das Bergmanns Bier.
Wird im Perpendikel ausgeschenkt: DAB-Bier und das Bergmanns Bier. © Privat © Privat

Nicht selten blocken die Spieler aber direkt ab. „Dimi ist in seiner Kneipe halt, wie wir ihn kennen. Der wartet, bis das eine oder andere Gläschen geflossen ist und fragt dann, wie es ausschaut“, erklärt Konya mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Wir sagen dann einfach, ‚Dimi, lass uns in Ruhe!‘“

Was die Kneipen der Fußballer ausmacht, sind diese lockeren Atmosphären. Dort gibt es keinen Druck, dort können sie ihren Alltag vergessen und sich ganz ihrem Lieblingsgesprächsthema – dem Amateurfußball – hingeben. Und sie haben noch eine weitere, wichtige Funktion, denn sie sorgen auch für die Integration von Spielern, die noch nicht im Dortmunder Amateurfußball unterwegs waren.

Leon Broda wechselte 2017 von der U19 des Wuppertaler SV zum ASC 09 Dortmund, spielt mittlerweile für den FC Brünninghausen. Im Perpendikel oder Cafe Central lernte er Spieler, Trainer und Verantwortliche aller Vereine in Dortmund kennen. „Was den Dortmunder Amateurfußballer auszeichnet, ist das Familiäre. Alle kennen sich untereinander. Gerade in der Vorbereitung sind Orte wie das Perpendikel super für neue Leute. Dort werden sie gut integriert“, erklärt Broda.

Der trifft sich derzeit häufiger mit Anil Konya dort. „Das ist ganz witzig“, beginnt der Wickeder seine Story. „Immer wenn ich aus dem Perpendikel oder dem Cafe Central eine Insta-Story mache, schickt mir Leon einen Bier-Emoji. Ich frage dann, wann er da ist. Und kein Spaß: Nach zehn Minuten taucht er auf.“

Das Perpendikel wird von Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter von Türkspor Dortmund, betrieben.
Das Perpendikel wird von Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter von Türkspor Dortmund, betrieben. © Privat © Privat

„In der fußballfreien Zeit geht das ja auch noch“, sagt Broda lachend. „Man ist momentan ja froh, raus zu kommen.“ Dass sich die Dortmunder Amateurfußballer aber auch nach der fußballfreien Zeit weiterhin im Perpendikel treffen, sich die Gläser Bier von Dimitrios Kalpakidis zapfen lassen, dabei ihren Schockmeister küren und über die neuesten Entwicklungen im Dortmunder Amateurfußball fabulieren, ist sicher.

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