Kevin Großkreutz (r.) tunnelt seinen Gegenspieler. © Stephan Schütze
Fußball-Westfalenliga

Doppel-Interview vor Familienduell: Kevin Großkreutz verrät, was er gerne von Marcel hätte

Spitzenspiel, Derby, Familienduell: In dem Spiel zwischen dem FC Brünninghausen und TuS Bövinghausen stecken endlose Geschichte. Wir haben mit Kevin und Marcel Großkreutz vorab gesprochen.

Eine der bekanntesten Dortmunder Fußballfamilien feiert am Sonntag Wiedersehen. Als die Cousins beim VfL Kemminghausen zusammen waren, gab es da dieses Lied: „Ein Kreu(t)z, ein großes Kreu(t)z, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.“

Einer der beiden gab vor dem großen Westfalenliga-Schlager zwischen den bislang nur siegreichen Topteams FC Brünninghausen (2.) und TuS Bövinghausen (1.) diesen Hit sogar zum Besten (Sonntag, 15 Uhr, Am Hombruchsfeld 71, Dortmund / live auf RN.de/dosport).

Die Frage, um welche Familie es denn wohl geht, stellen wir erst gar nicht. Sie hätte Gewinnspielcharakter bei Fußball-Übertragungen im TV, wenn es nur darum ginge, mit leichten Antworten die Leute die kostenpflichtigen Hotlines anrufen zu lassen. Bleiben wir also lieber im Bereich Hitparade.

Denn das Original des Gassenhauers, den Marcel (36) und Kevin (33) Großkreutz gerne gemeinsam anstimmten, passt auch gut zu den Kontrahenten am Sonntag: „Ein Freund, ein guter Freund…“ Ein familiäres Stimmungsinterview vor dem großen Derby.

Wer singt das Lied vom großen Kreu(t)z am Sonntag besonders laut?

Marcel: Sie meinen das? (er singt es gar nicht mal so unklar vor)

Ja!

Marcel: Vielleicht spielen wir ja unentschieden. Dann haben wir beide was zu feiern.
Kevin: Spaß gehört immer dazu.

Vorher heißt es aber Großkreutz gegen Großkreutz. Gab es das schon mal? Und wie sieht das aus, wenn Sie aufeinandertreffen?

Kevin: Ja, einmal hat Sterni (Spitzname von Marcel, d. Red) mit dem Wuppertaler SV ein Testspiel gegen uns Borussen gespielt. Vorher hatte ich mal mit Ahlen gegen den BVB II gespielt. Ein paar Sprüche werden wir uns wieder geben. Und im Zweikampf schenken wir uns nichts. Wir sind Fußballer und wollen, dass unsere Mannschaften gewinnen. Ich mache da während der 90 Minuten keinen Unterschied.
Marcel: Stimmt! Ich hatte erst nur das Spiel gegen Ahlen in Erinnerung. Mit Wuppertal haben wir gegen Jürgen Klopp und Kevin sogar 1:0 gewonnen. Zum zweiten Teil der Frage: Ich bin da, spiele aber nicht von Beginn an. Das ist völlig in Ordnung so. Wir haben alle fünf Spiele gewonnen. Da würde ich an Rafik Halims oder Flo Gondrums Stelle auch nichts ändern. Ich bin aber gesund und komme vielleicht später rein. Und dann gilt das, was Kevin sagt: alles für meinen Verein!

Marcel Großkreutz (vorne) und der FC Brünninghausen spielen bislang eine tadellose Saison.
Marcel Großkreutz (vorne) und der FC Brünninghausen spielen bislang eine tadellose Saison. © Folty © Folty

Kevin, welche Chancen hat denn dieser Verein, Sie zu besiegen?

Kevin: Brünninghausen ist sehr offensivstark. Ich kenne Jonas Telschow und Patrick Trawinski sehr gut. Aber unsere Defensive arbeitet auch richtig gut. Aber wir sind für mich nicht klarer Favorit. Denn wir gehen personell und auch kräftemäßig wegen der Englischen Wochen auf dem Zahnfleisch.
Marcel: Das wird schon verdammt schwierig für uns. Ich denke auch, dass unsere Offensive sehr gut ist. Aber wir kommen auch schon ziemlich gut als Team. Wir hatten zuletzt eher die leichteren Gegner. Und auch da gab es Spiele, in denen wir unter Umständen hätten Punkte lassen können. Allerdings ist Bövinghausen ja keine Westfalenliga-Mannschaft. Die bringen Erfahrung, Qualität, einfach alles mit.

Dann werden wir persönlich, da Sie ja nun beide unbestritten Qualität und Erfahrung haben: Marcel, was hätten Sie gerne von Kevin? Und was, glauben Sie, hätte er gerne von Ihnen?

Marcel: Auf alle Fälle seinen Ehrgeiz, seinen Willen: Schon als wir klein waren, hat er um das, was er unbedingt wollte, gekämpft, nie nachgegeben. Und er hat ja alles erreicht. Ich hätte gerne seinen Kampfgeist und seine spielerischen Fertigkeiten. Und ja, natürlich auch sein Tempo. Ich denke, dass Kevin antwortet, er hätte gerne meine Ruhe am Ball und Technik. Aber bestimmt nicht meine Schnelligkeit.

Kevin?

Kevin: Er liegt gar nicht schlecht. Ich hätte gerne Marcels Ruhe, seine Übersicht und die Technik. Und ich denke auch, dass er meinen Ehrgeiz und Einsatz schätzt.

Was Marcel bestimmt auch bewundert, ist Ihre absolut glaubwürdige und für viele andere Ex-Profis und Profis vorbildliche Identifikation mit den Fans. Wir beobachten Sie nach jedem Spiel, wie sie Autogramme schreiben, für Selfies posieren oder einfach mit den Leuten reden. Das ist doch auch 100 Prozent Großkreutz, oder?

Kevin: Danke! Ja, das gehört doch dazu. Ich mache das gerne. Und die Leute sind ja auch nett. Ein Beispiel war jetzt wieder am Mittwoch in Neheim: Die haben nicht nur eine richtig gute Mannschaft, sondern waren uns ein sehr sympathischer Gastgeber. Das erkennen wir an. So macht Amateurfußball richtig Laune.

Marcel: Wir mögen beide das Vereinsleben. Zwar sehen wir uns, da wir eigene Familien haben, nicht mehr so häufig, sind aber ständig im freundschaftlichen Kontakt. Kevin hat mich schon angetextet, dass wir nach dem Spiel am Sonntag noch zusammensitzen.

Müssen Sie sich als „alte Hasen“ für dieses Spiel noch pushen? Oder sind Sie auch so heiß?

Marcel: Das sind wir. Wir funktionieren als Mannschaft und haben eine starke Serie. Aber noch einmal: Bövinghausen ist an normalen Tagen eine noch größere Hausnummer. Aber ich bleibe dabei: Unabhängig vom Ergebnis setzen Kevin und ich uns noch zusammen und trinken ein Bierchen.
Kevin: Ich freue mich riesig auf den Tag. Aber es könnte tatsächlich ein Duell auf Augenhöhe werden. Jedes Spiel ist für uns eine Herausforderung. Aber solch ein Derby ist auch für mich etwas ganz besonderes. Ich erwarte ein Topspiel.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
Zur Autorenseite
Alexander Nähle

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.