Auf einem Sportplatz in Dortmund stehen trotz des eingestellten Spiel- und Trainingsbetriebs viele Hütchen auf dem Platz. © privat
Fußball

Dortmunder Fußballverein hat mehr Löcher auf dem Platz als Punkte auf dem Konto

Ein kurioses Bild ergibt sich derzeit auf einem Dortmunder Fußballplatz. Obwohl weder trainiert noch gespielt wird, zieren dutzende Hütchen das Kunstrasengeläuf. Aber was genau hat es damit auf sich?

Die Hütchen zeigen an, dass auch Kunstrasenplätze nicht ewig halten. Ein Verein aus dem Dortmunder Westen hat mit einem bezeichnenden Foto via Facebook auf den Zahn der Zeit, der am Geläuf nagt, aufmerksam gemacht.

So manch ein Ortsfremder hat sich schon verfahren, wenn er einen Sportverein mitten im Gehölz besuchen möchte. Aber die etwas kompliziertere Anfahrt lohnt sich, führt sie doch zu einer der schönsten Anlagen der Stadt. Zwar müssen sich keine überkreislich spielenden Seniorenteams die Mühe machen. Im Kreis aber hat der mittlerweile 112 Jahre alte Traditionsverein einen guten Ruf.

Der Kunstrasen des SuS Oespel-Kley im Dorney ist bunt. Das liegt aber nicht am regen Treiben von Kindern oder erwachsenen Fußballern. Denn zahlreiche Hütchen markieren die Stellen, die den laut Vorsitzendem Heinz-Dieter Oldendorf mittlerweile zehn Jahre alten Belag schwer bespielbar werden lassen. Und diese Stellen sind den Fußballern im Dorney ein Dorn im Auge: „Wir hatten Besuch vom Stadtsportbund und haben die Stellen gezeigt, die einer Ausbesserung bedürfen“, berichtet der Vereinschef. „Und bald soll der städtische Kunstrasen dann wieder eben sein“, sagt Oldendorf. „Lange war der Platz okay“, sagt er. „Jetzt wird es aber Zeit, dass sich etwas tut.“

Dem pflichtet René Pusch, Trainer der ersten Mannschaft, uneingeschränkt bei: „Ich denke, das wird jetzt wirklich Zeit. Schon als ich vor zwei, drei Jahren hier anfing, habe ich gefährliche Stellen gesehen.“ Unter den Hütchen liegen die Löcher, die laut Pusch große Verletzungsgefahr bergen. „Im Elfmeterpunkt ist eine richtige Kuhle, da müssen die Spieler schon genau hinsehen, wo sie hintreten. Auch an anderen Stellen droht immer Gefahr, hängenzubleiben.“

Der Platz ist eine Baustelle. Gut möglich, dass der Verein und sein Mitnutzer GW Kley nach der Corona-Pause auf einem sicheren Platz spielen und sich dieses Problem erledigt. Für deutlich gravierender hält Oldendorf die Schlaglöcher auf dem Parkplatz. „Unser Platz liegt mitten im Naturschutzgebiet. Das ist einerseits schön, führt aber auch anderseits dazu, dass Bauvorhaben nicht so einfach umzusetzen sind“, sagt der Vorsitzende. „Wir hoffen, dass sich hier bald auch etwas tut.“

Die Bezirksvertretung Lütgendortmund bewilligte einen Zuschuss für ein Vordach vor dem Kabinentrakt. Die Aufenthaltsqualität soll sich damit weit verbessern. Nachdem die Oespeler im Dezember 2018 eine neue LED-Beleuchtung für die Flutlichtanlage und im Dezember 2019 einen zusätzlichen Container erhalten haben, arbeitet der Klub immer weiter an neuen Projekten. Der SuS unter der Leitung Oldendorfs steht nicht für Stillstand.

SuS Oespel Kley steht für soliden Sport

Der Verein steht vielleicht nicht für spektakulären Sport, aber für ziemlich soliden. „Aus unserem Verein heraus haben wir einen sehr rührigen neuen Jugendvorstand aufgebaut. Wir freuen uns, dass viele Kinder unser Angebot annehmen und jetzt auch in besten Händen sind“, berichtet der erste Mann im Klub.

Und auch die erste Mannschaft in der Kreisliga A macht Fortschritte. „Da sind zum Großteil viele Talente aus Dorstfeld zu uns gekommen. Und auch die anderen ziehen gut mit“, erläutert Coach Pusch. SuS belegt aktuell einen ordentlichen siebten Platz. „Es läuft noch nicht alles rund. Vor der Pause aber haben wir uns gesteigert. Daher passt uns die Pause gar nicht“, sagt Pusch

Besonders bitter, dass sich Innenverteidiger Arne Tietz in der letzten Einheit vor der Pause das Kreuzband riss. Dass es nicht am löchrigen Platz lag, ist gar kein Trost: „Das tut mir für Arne sehr leid. Damit er in Ruhe gesund werden kann, suchen wir jetzt einen Vertreter auf seiner Abwehrposition“, erklärt Pusch.

Oespeler Coach bleibt per Telefon am Ball

So bleibt der Coach aber immerhin per Telefon am Ball. Auch seine Jungs, versichert der Trainer, schicken ihm regelmäßig ihre Laufeinheiten per WhatsApp. Dass sie sich weiter fit halten, glaubt er schon. „Da jetzt aber feststeht, dass wir in diesem Jahr auf keinen Fall mehr spielen, müssen wir unseren Trainingsplan erst mal neu sortieren.“

Sortieren muss die neuen Kunstrasenstücke keiner. Schließlich hat der Verein schon die Vorarbeit geleistet. Sie denken im Dorney daher nicht von Spiel zu Spiel, sondern von Hütchen zu Hütchen. „Ich freue mich richtig, wenn unser schöner Platz dann auch wieder gerade ist“, verbreitet Pusch im Fußballer-Corona-Frust ein wenig Hoffnung.

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Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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