Spricht sich für eine klare Prioritätenabwägung aus: Andreas Edelstein.
Fußball

Dortmunder Kreispokal auf der Kippe? Den Amateurfußballern droht ein Termin-Chaos

Es dürfe keine Denkverbote geben, sagt Andreas Edelstein. Der stellvertretende Kreisvorsitzende sucht angesichts der anstehenden Terminflut im Amateurfußball nach Lösungen für den Kreispokal.

Andreas Edelstein, stellvertretender Kreisvorsitzender des Fußball-Kreises Dortmund, ist Realist. Und dementsprechend fällt auch seine Reaktion aus, wenn die Frage nach dem Kreispokal gestellt wird. Es fallen Begrifflichkeiten wie „Kaffeesatzleserei“ oder der berühmte „Blick in die Glaskugel“.

Grundsätzlich hänge alles an den politischen Vorgaben, die das Zeitfenster bestimmen, das für die Wettbewerbe im Amateur-Fußball auf Kreisebene zur Verfügung stände, so Edelstein.

Vier Wochen Vorbereitungszeit

Soll heißen: Wenn alles optimal läuft und die Mannschaftssportarten können vielleicht Mitte Januar wieder mit dem Training beginnen, dann würden die Meisterschaftsspiele nach Meinung von Edelstein erst Mitte Februar wieder starten. „Vier Wochen Vorbereitungszeit müsse man den Vereinen nach solch einer langen Pause zugestehen“, so Edelstein.

Wo ist da noch Platz für den Kreispokal?

Was das alles mit dem Kreispokal zu tun hat? Sehr, sehr viel, unterstreicht der stellvertretende Kreisvorsitzende: „Denn wenn wir erst Mitte oder Ende Februar wieder mit den Meisterschaftsspielen beginnen können, dann haben wir ja zunächst auch noch sieben oder acht Nachholspieltage zu bestreiten. Zu den 22 Pflichtspielen wären das unterm Strich circa 30 Pflichtspiele innerhalb von vier Monaten bis zum Saisonende. Wo soll denn da noch Platz und Zeit für den Kreispokal sein? Das wären ja auch noch einmal fünf oder sechs Spielrunden, die oben drauf kommen?“

Edelstein spricht angesichts dieser extremen Situation davon, dass es keine Denkverbote geben dürfe und stellt die Frage: „Ist der Kreispokal überhaupt durchführbar?“ Klar ist aber auch: Ohne Kreispokalsieger kann es keine Meldung für den Westfalenpokal geben. Edelstein spricht von einem „Rattenschwanz“, der nach einer Absage folgen würde.

Klare Prioritätenabwägung

Eine undenkbare Vorstellung? In normalen Zeiten schon, aber was ist in Corona-Zeiten schon normal. Edelstein spricht von einer „klaren Prioritätenabwägung“. Und die Priorität des Husen-Kurlers liegt eindeutig auf der Fortsetzung und Beendigung der Meisterschaftsrunde.

Zumal der Kreispokal in diesem Jahr noch in den Kinderschuhen steckt. Selbst die Spiele der ersten Runde sind noch nicht vollständig abgearbeitet, die zweite Runde ist komplett ausgefallen und Anfang Dezember sollten eigentlich die Partien der dritten Runde über die Bühne gehen. Sollten.

Englische Wochen werden zur Normalität

Alles Fakten, die gegen den Kreispokal sprechen. So bitter es auch ist. Zumal Edelstein noch weitere Argumente in den Topf wirft – abgesehen von dem wahnsinnig knappen Zeitfenster für die normalen Pflichtspiele bis zum Saisonende am 30. Juni. „Englische Wochen werden ganz normal sein. Dazu müssen wir aber auch sehen, dass die Witterungsbedingungen im Februar oder März besonders im Sauer- und Siegerland Spielverlegungen erzwingen. Und wir müssen bedenken, dass die Plätze für solch eine Vielzahl von Spielen in kürzester Zeit zur Verfügung stehen müssen. Der Spielplan muss das hergeben“, so Edelstein.

Anhand des Beispiels des Oberligisten ASC Dortmund machte er folgende Rechnung auf: „Die Oberligisten haben dadurch, dass es in der Vorsaison keine Absteiger gab, ja 21 Teams in der Gruppe. Es stehen also im Schnitt noch 30 Spieltage aus. Man darf nicht vergessen, dass es sich hier um Amateursport handelt, um Familienväter und auch um Arbeitnehmer. Das muss man erstmal alles hinbekommen. Ich persönlich denke, dass kann man nicht alles auf dem Rücken der Aktiven austragen.“

Der Verband ist gefordert

Und damit ist auch schon der Verband im Spiel. Edelstein: „Wenn der Verband ein Ergebnis haben will, dann muss er auch überlegen, wie es funktionieren soll. Natürlich können wir ein Ergebnis herstellen, aber in welchem Zeitfenster?“ Selbst die Notlösung aus dem Kreis Iserlohn, den Kreispokal als Turnier an einem Wochenende auszuspielen, spielt für den Kreis Dortmund keine Rolle: „In Iserlohn mag das passen. Dortmund hat aber über 100 teilnehmende Mannschaften. Wie lange soll es dauern, bis sich die 16 Mannschaften für das Finale qualifiziert haben?“ Eine Frage, die ihm niemand beantworten konnte.

Über den Autor
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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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