Die Altersgrenze zeigte einem Schiedsrichter die Rote Karte. © dpa
Amateurfußball

Dortmunder Schiri hatte „keine Kenntnis von der Altersgrenze“, dann musste er aufhören

Solange keine Verletzung dazwischen kommt, dürfen Fußballer auf dem für sie höchsten Niveau spielen, solange sie wollen und die Leistung bringen. Bei Schiedsrichtern ist das nicht der Fall.

Ihr Karriereende dürfen sie nicht selbst bestimmen, es wird ihnen aufgezwungen. Prominentestes Opfer, das darunter leidet, ist Manuel Gräfe. Profi-Schiedsrichter in Deutschland dürfen pfeifen, bis sie 47 Jahre alt sind – danach ist Schluss. Im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) wird das im Amateurfußball bis zur Landesliga auch so gehandhabt. Wie bitter ist das für einen Referee, nicht nach Leistung, sondern nach Alter beurteilt zu werden? Einer, der wegen der Altersgrenze seine Karriere beenden musste, hat mit uns gesprochen.

Leo Bender ist jetzt 50 Jahre alt, seit 2018 darf er überkreislich nicht mehr pfeifen – er beendete danach seine Karriere. Lange Jahre pfiff der Unparteiische in der Landesliga, ehe sich der Verband vor der Saison 2017/18 bei ihm meldete und im mitteilte, dass für ihn nach der Spielzeit Schluss ist.

In der Bezirksliga hätte er noch pfeifen dürfen. bis er 55 Jahre alt ist, in der Kreisliga sogar so lange, wie er die Prüfungen besteht. Aber das wollte Leo Bender nicht. „Ich wollte keinem einen Platz wegnehmen, für den es vielleicht nicht höher als Bezirksliga geht“, sagt der ehemalige Referee.

„Keine Kenntnis von der Altersgrenze zuvor“

Er wollte auch nie bis 70 Jahre auf dem Platz stehen und Kreisliga-Spiele pfeifen, das sei für ihn nie in Frage gekommen. Trotzdem fehle ihm etwas, ein paar Jahre in der Landesliga hätte er sich noch zugetraut, ehe er Schluss macht.

Die Nachricht vom Verband, dass er nicht weiter Landesliga pfeifen dürfe, sei für ihn überraschend gekommen. „Ich hatte von der Altersgrenze keine Kenntnis zuvor“, sagt er. Sich geärgert darüber habe er aber nicht.

Leo Benders letzter Einsatz als Schiedsrichter in einem Ligaspiel.
Leo Benders letzter Einsatz als Schiedsrichter in einem Ligaspiel.

„Der Abschied war in Ordnung für mich, weil ich für mich frühzeitig Bescheid bekommen habe.“ 19 Jahre pfiff er, zwölf davon in der Landesliga. Der Abschluss sei ein schöner gewesen. „Ich konnte in der letzten Saison mit allen nochmal gemeinsam auf dem Platz stehen, die mich lange Jahre begleitet haben“, erzählt er.

Sein persönliches Highlight war, dass er zum Schluss nochmal das Kreispokalfinale 2018 zwischen dem BSV Schüren und dem ASC 09 Dortmund (6:4 n.E.) pfeifen durfte. „Vor 600 Zuschauern – das war nochmal ein Höhepunkt zum Ende, das war toll“, erzählt Leo Bender heute. Eigentlich hätte er das Spiel mit seiner Qualifikation nicht pfeifen dürfen, es war sein Abschiedsgeschenk vom Verband.

Auch deshalb kann er mit der Regelung leben, dass Schiedsrichter, die älter als 47 Jahre alt sind, ab Landesliga nicht mehr pfeifen dürfen. „Und außerdem bekommt die Jugend dadurch eine Chance, weil sie mehr Spiele bekommt“, erklärt er.

Für die Nachwuchsschiedsrichter setzt sich Leo Bender im Übrigen besonders ein: Nachdem er seine Karten an die Wand genagelt hatte, begann er als Schiedsrichterbeobachter. „Ich arbeite in der Ausbildung von Jung-Schiedsrichtern und begleite seit letztem Jahr das Tandemprogramm“, sagt er.

Schiedsrichterbeobachter aus Dortmund zu Saisonbeginn 2020/21 im August 2020 in Kaiserau mit Leo Bender (r.).
Schiedsrichterbeobachter aus Dortmund zu Saisonbeginn 2020/21 im August 2020 in Kaiserau mit Leo Bender (r.). © Privat © Privat

Dort fährt er dann mit jungen Schiedsrichtern mit zu ihren Spielen und unterstützt sie an der Seitenlinie, gibt ihnen Hilfestellungen und analysiert gemeinsam mit ihnen ihr Spiel. „Es ist okay, Platz zu machen, so kann man jüngeren seine Erfahrungen weitergeben“, schließt er ab.

Die Altersgrenze im FLVW wurde zur Saison 2021/22 ausgesetzt. Schiedsrichter, die in der annullierten Saison 2020/21 ihre letzte Saison gehabt hätten, dürfen ein weiteres Jahr pfeifen. „So möchte man keinen verabschieden“, erklärte Dortmunds Schiedsrichterboss Markus Schanz.

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Niklas Berkel

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