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Fußball

Dortmunder Trainer ändert Namen, weil sein alter auf der Fahndungsliste steht

Im Interview spricht ein Dortmunder Fußball-Trainer über den Erfolg seines Teams und seinen ungewöhnlichen Namen.

Das Karussell muss sich weiterdrehen. Mit diesem Klassiker machen die besonders unter Corona leidenden Schausteller auf sich aufmerksam. Ein Coach freut sich, dass er rechtzeitig auf ein Dortmunder Karussell aufgesprungen ist, denn auch für ihn soll es sich irgendwann weiterdrehen.

Jan Ramadan (41) übernahm im Sommer den Bezirksligisten FC Roj und brachte dem Dortmunder Fußball gleich neue Impulse. Im Interview stellt sich die interessante Persönlichkeit genauer vor und spricht über die auf Grund zu erwartender Beschlüsse deutlich gestiegenen Aufstiegschancen seines Teams.

Jan Ramadan, gestatten Sie uns zum Einstieg, um mehr über Sie zu erfahren, die Frage nach einer auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutenden Vor- und Nachnamenskombination. Oder ist das gar nicht so ungewöhnlich?

Kein Problem! Ich habe den Vornamen Jan erst 2005 angenommen, da es oft zu Verwechslungen zu einem von Fahndern gesuchten Mann kam, der meinen Ursprungsvornamen teilte. Das nervte an den Flughäfen, weil ich ständig befragt wurde und das Missverständnis aufklären musste. Ich bin Kurde und komme aus Syrien. In meiner Sprache bedeutet Jan „Seele“. Da dies auch ein westlicher Name ist, entschied ich mich für ihn.

Und der Jan Ramadan, den wir kennen, hat sich beim FC Roj bestens eingelebt. Ihre Mannschaft ist aktuell Zweiter. Sollte der FLVW beschließen, die Saison nach einer zu Ende gespielten Vorrunde zu werten, hätten Sie noch bessere Karten im Aufstiegsrennen. Ist das Ihr Ziel?

Ja natürlich, ich bin ehrgeizig und sehe mich auf Dauer nicht in der Bezirksliga. Aber mit dem FC Roj ist das auch drin. Wir haben wirklich gute Spieler, die das spielen, was sie können.

Freuen sich auf ihren neuen Stürmer: Trainer Jan Ramadan und Co-Trainer Benni Fischer © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Das da wäre?

Ich habe zwei Leute, Marcel Ramsey und unseren Brasilianer Bruno, die auch kompliziertere Systeme spielen können. Ansonsten denke ich, muss ich die Ansprüche anpassen. Wir kommen mit einem einfachen Spiel zum Erfolg. Balleroberung, und dann schnell nach vorne.

Auch dafür benötigen Sie die richtigen Leute.

Da habe ich ja auch noch mehr. Unser Spanier Yassine Azzou Chantah ist eine Vollkeule. Schade, dass er gleich einen Feldverweis bekam. Dann sehe ich in unserem Sechser Abdellah Mohamed einen Schlüsselspieler. Zakaria Tairech war Profi in Marokko. Das ist schon eine starke Mannschaft.

Und Ihnen liegt es, mit solchen Leuten zu arbeiten?

Auf jeden Fall erhalte ich einiges an Bestätigung. Marcel Ramsey beispielsweise wollte nur bei uns bleiben, wenn ich weitermache. Ich versuche, den Jungs viel beizubringen. Ich wache morgens mit Fußball auf und gehe auch mit den Gedanken daran schlafen. Ich habe meine Wohnung in Lippstadt so ausgestattet, dass ich in verschiedenen Bereichen an taktischen Elementen arbeiten kann.

Lippstadt? Sie fahren also nur für den FC Roj ständig nach Dortmund?

Ja, ich bin Fußballer mit Leib und Seele, habe schon als 16-Jähriger in Syrien vor 30.000 Zuschauern gespielt. Ich war dann in Dubai. Eine Verletzung aber warf mich aus der Bahn. Jetzt lebe ich den Trainerjob. Und ich mache nur Dinge mit 100 Prozent. Wenn ich nicht 100 Prozent weiß oder vermitteln kann, mache ich es erst gar nicht. Und so sehe ich den Job auch bei Roj.

Über Ihren WhatsApp-Status zeigen Sie in Ihrer Sprache, wie akribisch Sie zu Hause arbeiten, aber auch wie Sie sich mit der Mannschaft freuen. Sehen Sie sich als Laptoptrainer?

Ich arbeite zwar mit einem Laptop. Der Begriff aber klingt mir zu sehr nach Büro. Ich bin dann doch eher ein Mann der Praxis. Und ja, Sie sehen viel von mir in Arabisch oder Kurdisch, weil mich das syrische Fernsehen öfter um meine Meinung bittet. Ich erkläre dann, wie ich Spieler auch im Kopf schneller mache.

Arbeiten Sie dann nach Plänen?

Eher nach Zielen. Ich möchte mit Roj aufsteigen. Und ich möchte mit der Mannschaft das vereinfachte Spiel weiterentwickeln. Das ist ein toller Verein, der mich in Ruhe arbeiten lässt und mir sehr gute Spieler gibt. Entweder knüpfe ich die Kontakte oder die Jungs kennen dann gute Leute, die sie zu uns mitbringen. Das funktioniert sehr gut. Und für mich habe ich schon den Wunsch, irgendwann vielleicht sogar mal einen Regionalligisten zu trainieren. Dortmund ist eine interessante Fußballstadt, in der ich aufsteigen kann. Daher macht es mir auch gar nichts aus, immer aus Lippstadt zu kommen. Ich bin – wie erwähnt – früher schon oft verreist, als ich meinen Ursprungsnamen trug und immer wieder an Flughäfen Erklärungsbedarf hatte.

Landen wir noch einmal beim FC Roj. Wie weit sehen Sie Ihr Team, auch in Hinblick auf Corona?

Für uns kam die Pause zur rechten Zeit. Wir hatten einige Verletzte, auch Kranke. Die haben nun die Möglichkeit, zu regenerieren. Momentan aber haben die Jungs zwei Wochen Pause. Sie halten sich ansonsten fit. Sobald wir dürfen, wollen wir auch wieder gemeinsam trainieren. Und wenn möglich, greifen wir dann auch den ersten Platz an, den noch Nordkirchen hat. Ich glaube an mein Team und bin auch von mir überzeugt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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