Laura Nolte holte sich zusammen mit Leonie Fiebig im November den Weltcup in Lettland. © picture alliance/dpa/AP
Sport in Dortmund

Dortmunderin Laura Nolte fuhr 120 km/h schon bevor sie den Führerschein hatte

Die Dortmunderin Laura Nolte – eigentlich eine Leichtathletin – will nach ihren

Sie ist schon mit 120 km/h den Eiskanal hinuntergerast, lange bevor sie ihren Führerschein in den Händen haben sollte. Sechs Jahre nach den ersten Gehversuchen im Bob gehört eine Dortmunder Bob-Pilotin bereits zur Weltelite. Und in diesem Wahnsinnstempo soll die Karriere weitergehen.

Am Wochenende steht der Weltcup in Innsbruck an. Weltcupsieg Nr. 3 ist keine Utopie. Und im Jahr 2022 will sie bei den Olympischen Spielen in Peking die deutschen Farben vertreten. Eine echte Bilderbuchlaufbahn, die ähnlich rasant verläuft wie die Sportart selbst. Eine junge Athletin aus Hörde ist dabei, den Bobsport zu erobern.

Rückblick: Im Sommer 2015 kletterte eine damals 15 Jahre alte Dortmunder Leichtathletin in Winterberg zum ersten Mal in einen Bob. Im Zeitraffer wurde aus der talentierten Sprinterin Laura Nolte die Nachwuchs-Bobfahrerin Laura Nolte. Statt BV Teutonia Lanstrop und LG Olympia Dortmund hieß ihr Heimatverein nun BSC Winterberg.

Mit einer Größe von 1,80 Meter brachte sie den nötigen Schub aufs Eis, jetzt fehlte nur das „Lenken lernen“, wie es damals ihr Trainer Marcus Hoselmann formulierte. „Ich weiß es noch wie heute“, erinnerte sich Laura Nolte an ihre Anfänge zurück: „Ich war verletzt, da kam das Angebot, ich solle doch mal in den Bob steigen. Es hat mir auf Anhieb Spaß gemacht.“

Die Sache mit dem Lenken funktionierte relativ gut und schnell – in ihrer ersten Saison (2016) konnte sie gleich einen beachtlichen Erfolg erzielen. Laura Nolte wurde im Februar 2016 im norwegischen Lillehammer Jugendolympiasiegerin im Monobob. Nur wenige Monate zuvor hatte sie zum ersten Mal die Lenkseile gehalten. Danach ging es Schlag auf Schlag.

Im Europacup wurde sie Anfang 2018 Zweite in der Gesamtwertung und feierte zugleich den Titelgewinn als U23-Europameisterin. Während sich die meisten Dortmunder Ex-Leichtathleten wie Christopher Weber oder Vanessa Mark für einen Platz als Anschieber bzw. Anschieberin bewerben, hat Laura Nolte direkt vorne im Bob Platz genommen.

Erster Weltcup-Sieg Anfang des Jahres

„Ich hatte ja keine andere Wahl, der Monobob wird ja allein gefahren. Später war es dann ganz normal für mich, am Steuer zu sitzen. Ich will die Fahrt selber in der Hand haben“, so Nolte. Mit der Geschwindigkeit im Eiskanal habe sie kein Problem: „Ich konnte ja Bob fahren, bevor ich einen Führerschein fürs Auto hatte.“

Anfang 2020 erfüllte sich für die Studentin der Wirtschafts-Psychologie der Uni Bochum ein Traum. Zusammen mit Anschieberin Deborah Levi raste sie im französischen La Plagne zu ihrem ersten Weltcup-Sieg, erlebte aber wenige Wochen später auch die Schattenseiten des eisigen Sports.

Bei der WM in Altenberg im Erzgebirge stürzte sie im zweiten von drei Läufen. „Ich war total niedergeschlagen, hatte mir wahrscheinlich zu viel vorgenommen.“ Ihre Einstellung habe sie seitdem geändert. „Ich hatte einfach zu hohe Erwartungen an mich selbst, habe mir zu hohe Ziele gesetzt“, analysiert die angehende Psychologin selbst.

Doch bevor das ganz große Ziel mit den Olympischen Spielen 2022 in Peking wartet, sind noch zahlreiche Zwischenstationen erfolgreich zu absolvieren. Zunächst heißt es, sich gegen die interne Konkurrenz aus Deutschland durchzusetzen. „Wir haben im deutschen Bobsport ein gewisses Luxus-Problem. Wir haben vier Schlitten, die ähnlich stark und erfolgreich sind“, umschreibt Laura Nolte die Situation.

Wie schmal der Grat zwischen Sieg und Niederlage ist, musste die Dortmunderin zuletzt beim Weltcup-Auftakt im lettischen Sigulda erfahren. Als amtierende Deutsche Meisterin – den Titel holte sie am 12. November auf der technisch anspruchsvollen Bahn am Königssee – nahm sie im ersten Lauf die schwierig zu fahrende Kurve 13 zu forsch – und kippte um. „Ich war das erste Mal überhaupt in Sigulda und war von der hohen Geschwindigkeit doch etwas überrascht“, schildert Laura Nolte ihre Sturzerfahrung.

„Ich bin sehr erleichtert, dass wir nicht wieder gestürzt sind“

Eine Woche später stand erneut Sigulda auf dem Programm, der zweite Weltcup-Lauf der Saison. Dazwischen lagen sieben Tage in der lettischen Provinz – keine leichte Sache in Zeiten von Corona, im tristen November-Grau Lettlands. „Wir leben wirklich in einer Blase, in einer kleinen Gruppe, können abends zusammen keine Spiele machen oder mal einen Ausflug nach Riga unternehmen“, beschreibt Laura Nolte die mental herausfordernde Corona-Wirklichkeit.

Zwar fehlten in Lettland wegen der Pandemie einige starke Teams wie die USA, Kanada oder Russland, doch das sollte die Freude über ihren zweiten Weltcup-Sieg nicht schmälern. Zusammen mit Anschieberin Leonie Fiebig siegte sie vor Olympiasiegerin Mariama Jamanka mit Anschieberin Vanessa Mark und Vizeweltmeisterin Kim Kalicki mit Ann-Christin Strack. „Ich bin sehr erleichtert, dass wir nicht wieder gestürzt sind. Das war meine größte Sorge“, sagte die 22-Jährige erleichtert.

Nach sechs langen Wochen Training, Deutscher Meisterschaft und zwei Weltcups kehrte Laura Nolte in der vergangenen Woche wieder in ihre Wohnung in Hörde zurück. Nur für ein paar Tage, ehe es am Wochenende zum Weltcup nach Innsbruck geht. Dazwischen stand für die Sportsoldatin natürlich mehrmals Training in der Helmut-Körnig-Halle auf dem Programm.

Denn die WM Anfang Februar 2021 ist schneller da, als man denkt. Die Titelkämpfe finden nach 2020 erneut in Altenberg in Sachsen statt. Für Laura Nolte soll das aber kein schlechtes Omen sein: „Diesmal will ich aus meinem Fehler lernen und die Erwartungen an mich selbst herunterschrauben.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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