Robin Gosens war der überragende Spieler auf dem Platz gegen Portugal im EM-Gruppenspiel. © AFP
Fußball

Dortmunds Gosens: Unbekannter A-Liga-Spieler schafft es zum Regionalligisten TuS Haltern

Mit seiner Spielweise und seiner Mentalität verzückte Robin Gosens am Samstagabend im Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal ein ganzes Land. Ein Dortmunder ähnelt ihm in vielem.

Robin Gosens war der alles überragende Spieler im EM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Portugal. Der deutsche Nationalspieler gab beim 4:2-Sieg der Deutschen zwei Vorlagen, erzielte einen Treffer selber und verdiente sich so die Standing Ovation nach seiner Auswechslung (62.). Der Italien-Legionär (Atalanta Bergamo) hat dabei einen für einen Profifußballer unüblichen Werdegang, der gut mit dem eines Dortmunder Amateurfußballers vergleichbar ist.

In seiner Biografie „Träumen lohnt sich: Mein etwas anderer Weg zum Fußballprofi“ erzählt Robin Gosens seine außergewöhnliche Geschichte. Mit 17 Jahren spielte der heute 26-Jährige nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum, sondern Amateurfußball für den heutigen Landesligisten VfL Rhede.

Nach einem Topspiel gegen Kleve, Gosens gab eine Vorlage, schoss ein Tor und holte einen Elfmeter raus, habe ihn dann ein Scout des holländischen Erstligisten Vitesse Arnheim angesprochen. Das Besondere: Robin Gosens hatte „drei Atü auf dem Kessel“. Er sei bis sechs Uhr morgens feiern gewesen, habe deswegen im Gespräch mit dem Scout Blickkontakt vermieden und in eine andere Richtung geatmet. „Man kennt es ja“, sein Kommentar dazu in seiner Biografie.

Die Geschichte ist aber bekannt. Gosens überzeugte im Probetraining und wurde so Profifußballer. Von ganz unten kämpfte sich der Deutsche nach ganz oben – ist nach dem Portugal-Spiel ein kleiner Held. Dabei ähnelt seine Geschichte, aber auch seine Spielweise der eines Dortmunder Amateurfußballers. Die Rede ist von Robin Schultze.

Der heute 30-Jährige spielte zu Beginn seiner Karriere nur in der Kreisliga A. Doch mit viel Fleiß, viel Zielstrebigkeit und Motivation kämpfte er sich bis fast in den Profifußball hoch. Zwischen 2018 und 2020 kickte der heutige Oberliga-Spieler des Holzwickeder SC für den TuS Haltern, unter anderem in der Regionalliga. Dort machte er alle 21 Spiele für den TuS in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20.

Mittlerweile kickt Robin Schultze wieder in der Oberliga Westfalen für den Holzwickeder SC.
Mittlerweile kickt Robin Schultze wieder in der Oberliga Westfalen für den Holzwickeder SC. © Hahn © Hahn

Einer seiner Trainer, die Schultze auf dem Weg nach oben begleitet haben, gerät ins Schwärmen, wenn er an seinen ehemaligen Schützling denkt. „Wer Robin Schultze in seiner Mannschaft hat, liebt diesen Typen als Trainer einfach“, sagt Thomas Gerner, Trainer des Bezirksligisten Mengede 08/20. Er trainierte ihn, als Schultze für Mengede es bis in die Westfalenliga schaffte.

Der 30-Jährige kickte für den heutigen Bezirksligisten zwischen 2010 bis 2016. Davor spielte er für Urania Lütgendortmund. Nach seiner Mengede-Zeit wechselte Schultze zum damaligen Westfalenligisten Holzwickeder SC, ehe es nach Haltern und wieder zurück zum HSC ging.

Auch sein ehemaliger Trainer in Holzwickede, Axel Schmeing, verliert nur lobende Worte über Robin Schultze: „Ich habe ihn damals bei der A-Jugend-Stadtmeisterschaft in Brackel gesehen, als ich noch Trainer in Körne war. Er stach in der Vorrunde auf extrem geringen Niveau heraus. Da hatte ich mich gefragt, was der bei Urania Lütgendortmund macht?“

Von einer Kontaktaufnahme habe Schmeing aber abgesehen, er habe nicht viele Anreize gesehen, Schultze für einen Wechsel nach Körne zu überzeugen. „Als ich seinen Werdegang verfolgt habe, sah ich mich in meiner Einschätzung aber bestätigt.“

Thomas Gerners Lob, das runtergeht wie Öl

Doch was macht Schultze so besonders? Warum ähnelt nicht nur sein Werdegang, sondern auch seine Spielweise der seines berühmten Namenvetters Robin Gosens?

„Robin Schultze ist ein unfassbar positiv verrückter Spieler, der immer wieder seine Mannschaft antreibt, der immer wieder selbst Höchstleistungen bringen will, der seine Gegenspieler verrückt macht mit seinen Tempogegenstößen, der extrem zweikampfstark ist, der sich nie aufgibt, über Grenzen hinausgeht und einen unfassbar guten Spirit in der Mannschaft versprüht.“ Ein Satz, der für Robin Schultze runtergehen dürfte wie Öl. Er stammt von Thomas Gerner.

Für den TuS Haltern spielte Robin Schultze (r.) in der Regionalliga.
Für den TuS Haltern spielte Robin Schultze (r.) in der Regionalliga. © Holger Lindner © Holger Lindner

Da verwundert es auch nicht, wenn Gerner sagt, dass „ich irgendwann mal wieder mit ihm zusammenarbeiten möchte“. Auch wenn Schultze momentan da spielt, wo er hingehöre, also in der Oberliga. „Ich habe es geliebt, ihn im Team zu haben“, sagt Gerner. „Er ist für mich die beste Wahl. Ein Spieler, der sicherlich eins zu eins wie Robin Gosens zu sehen ist.“

So sieht es auch Schmeing: „Er ist der personifizierte Gewinnertyp. Er will jedes Trainings- und Meisterschaftsspiel gewinnen. Auf dem Platz haut er sich zu 250 Prozent rein. Er ist einer meiner absoluten Wunsch- und Lieblingsspieler. Da er bei mir auf der selben Position wie Robin Gosens gespielt hat und auch sehr torgefährlich ist“, passe der Vergleich.

Und was sagt der Fußballer selber zum Vergleich mit dem berühmten Fußballer? „Es ist ganz witzig: Da waren drei Kumpels nach dem Spiel gegen Portugal, die haben mir das auch geschrieben, dass ich Robin Gosens von der Spielweise ähnele“, sagt Schultze. Er könne darüber nur lachen. Aber so ein bisschen findet der Spieler den Vergleich auch selber passend.

„Was ich an ihm (Robin Gosens, Anm. d. Red.) am meisten feiere, sind die Zweikämpfe. Der schmeißt sich darein, das finde ich richtig geil. Das ist auch das, was mich so ein bisschen ausmacht.“

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