Thomas Westphal hat das Video bisher nicht gelöscht. © Stephan Schuetze
Meinung

Dortmunds Oberbürgermeister Westphal verharmlost mit Video-Veröffentlichung Kabinen-Partys

Ein Fußball-Klub feiert eine illegale Kabinen-Party und Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal lädt das Video bei Facebook hoch. RN-Redakteur Thomas Schulzke hat eine klare Meinung dazu.

Die Amateur-Sportler benötigen aktuell jede Unterstützung aus der Politik. Die Bund-Länder-Runde der vergangenen Woche versprühte nämlich nicht gerade großen Optimismus, dass die Sportler bald wieder auf dem Platz oder in der Halle ihrem Hobby nachgehen dürfen. Ganz im Gegenteil: Der Sport war kein Thema.

Keinen Gefallen getan

Gar nicht hilft den Sportlern, wenn Politiker sich falsch einsetzen. So wie es Dortmunds aktueller Oberbürgermeister Thomas Westphal im vergangenen September getan hat. Er hat ein Video einer illegalen Kabinen-Party bei Facebook hochgeladen. Mit dem ihm zugesandten Video beglückwünschte er den Fußball-Bezirksligisten VfL Kemminghausen zu einem Sieg.

Dem Sport hat er damit keinen großen Gefallen getan. Ganz im Gegenteil, er hat ihn in ein schlechtes Licht gerückt. Zwölf Spieler und ein Kameramann in einer engen Kabine ohne Mund-Nasenschutz und ohne Mindestabstand waren zu diesem Zeitpunkt strikt verboten. Sowohl laut der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW als auch durch die Vorgaben der Fußballverbände. Diese Bilder sind keine Werbung dafür, unter anderem den Fußball wieder schnell zuzulassen.

Kabinen-Partys sind ein Problem

Die Fußball-Lobbyisten, die auf einen baldigen Re-Start hoffen, haben gebetsmühlenartig erklärt, dass der Sport im Freien kein Corona-Treiber sei. Was den Sport aber so gefährlich macht, ist die Anreise mit mehreren Personen in einem Auto, das Treffen mit einer großen Gruppe in der Kabine oder illegale Kabinen-Partys ohne Mund-Nasenschutz und ohne Mindestabstand.

Viele Dortmunder Klubs haben sich bis zum zweiten Lockdown an die Vorgaben gehalten. Durch das Veröffentlichen des Videos hat Westphal einen Scheinwerfer auf eine Ausnahme gerichtet. Und für ihn scheint das okay zu sein, denn er hat das Video auch noch nach unserer schriftlichen Anfrage weiter zehn Tage stehen lassen. Erst nach unserer Berichterstattung am Sonntag hat er dann das Video von seiner Facebook-Seite genommen.

Warum lässt er das Video stehen?

In seiner Erklärung gegenüber unserer Redaktion erklärt er: „Alle Details der damals gültigen Corona-Schutzverordnung waren mir im Moment des Hochladens des Videos nicht präsent.“ Glauben wir ihm das an dieser Stelle. Nicht nachzuvollziehen ist dagegen, dass er das Video so lange hat weiter stehen lassen. Er wurde hier seiner Vorbildfunktion als Oberbürgermeister nicht gerecht. Er verharmloste quasi Kabinen-Partys, bei denen das Virus sich schnell verbreiten könnte.

Wenn der erste Mann der Stadt kein Problem damit hat, solch ein Video zu veröffentlichen und es so lange stehen zu lassen, warum sollten dann die Spieler ein Problem damit haben, in Zukunft weiter in der Kabine zu feiern und gegen die Corona-Schutzverordnung zu verstoßen?

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Sportredaktion Dortmund
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Thomas Schulzke

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