Helga Zarth möchte den Abwärtstrend des TuS Eving-Lindenhorst stoppen © Michael Schuh
Fußball-Kreisliga

Eine Frau aus Jerusalem bastelt an der Zukunft des TuS Eving-Lindenhorst

Der TuS Eving-Lindenhorst hat die besten Zeiten hinter sich. 2011 kickte der Klub noch in der Westfalenliga, heute in der B-Liga. Eine Frau aus Jerusalem will den Abwärtstrend stoppen.

Zu Bethlehem geboren, klang es während der Festtage aus Dortmunder Wohnzimmern. Gäbe es ein Lied „zu Jerusalem geboren“, hätten es Nachbarn in Eving gehört. Denn mit diesem ungewöhnlichen Geburtsort schmückt sich eine rührige Geschäftsführerin aus dem nördlichen Vorort. Und passend zum Fest hat sie eine Bastelwerkstatt. Denn sie baut an der Zukunft eines großen Traditionsvereins dieser Stadt, der mit Sicherheit mal deutlich bessere Zeiten erlebt hatte, aber nicht untergehen wird. Daran glauben sie hier nicht nur an Weihnachten.

Helga Zarth (64), beruflich Altenpflegerin aus Überzeugung und mit Leidenschaft, schenkt allen Freunden Hoffnung, die dieser Tage sich so viele Menschen wünschen. „So lange ich lebe, lasse ich meinen TuS nicht untergehen.“ Warum eine Dame aus Israel solch ein Herzblut für den TuS Eving-Lindenhorst entwickelt, wäre mit Sicherheit eine ziemlich packende Geschichte. Die Wahrheit aber ist aus anderen Gründen packend, denn sie zeugt von echter Heimatliebe und ganz viel selbstlosem Einsatz.

Jerusalem liegt in Kemminghausen. Und zwar in der Nähe der Märchensiedlung. Ein paar hundert Meter weiter, dann aber im Vorort Eving, gibt es auch noch Klein-Chicago. „Jeder, der aus meiner Zeit in Eving stammt, kennt diese Orte. Und wenn wir unsere Herkunft nannten, ordneten wir uns diesen Siedlungen zu.“

Helga Zarth lacht, denn auch dem Autor dieser Geschichte musste sie erst die Augen öffnen. „In der Tat glauben Menschen aus anderen Teilen Dortmunds, wenn sie mein Facebook-Profil, sehen, ich stamme aus dem echten Jerusalem. Umso schöner, wenn es dazu einlädt, meinem TuS Aufmerksamkeit zu schenken.“ Denn diese verdient die aus den Höhen des Amateurfußballs verschwundene frühere ganz große Nummer des hiesigen Sports.

Helga ist nicht „Zarth-besaitet“

Wenn es um ihren Verein geht, ist Helga alles andere als „Zarth-besaitet“. Sie hatte einen großen Anteil daran, dass der TuS einen neun Kunstrasen erhielt. Auch über eine neue LED-Flutlichtanlage und Trainerbänke freute sie sich. Aber sie weiß auch, dass sie nicht alleine ist, was für die Zukunft des Klubs elementar ist: „Hut ab an unsere Alten Herren, die unsere Bänke montierten und die immer anpacken, wo wir Unterstützung benötigen. Ohne sie geht fast gar nichts.“

Diese Alten Herren sehen Helga Zarth und ihre Vorstandskollegen als ein Signal, „dass unser TuS lebt“. Die vielen Neuen versuchen, den Seniorenbereich und die Nachwuchsabteilung auf Vordermann zu bringen. Ja, sie kennt die Gedanken einiger Bedenkenträger. „Ihr habt fast nur noch Ausländer“, hört Helga, wieder gar nicht Zarth-besaitet. Denn ihnen entgegnet sie: „Ja, in Eving leben 90 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund. Daher haben wir eben auch so viele im Klub, der ja nun mal ein Verein des Ortes ist. Das klappt doch auch gut. Und wir alle wollen gemeinsam einen lebendigen Verein.“

TuS Eving-Lindenhorst ist 75 Jahre alt

Menschen aus den erwähnten Vierteln und weiteren Nachbarschaften (besonders die Märchensiedlung mit dem Gretelweg ist allerdings eher Revier des VfL Kemminghausen), sie alle mögen ihren TuS, der in diesem Jahr ein Jubiläum feiert, dies aber wegen Corona nicht ausgiebig machen darf. 1945 – also vor 75 Jahren – fusionierten SC Phönix Lindenhorst und Westfalia Eving zum SuS Eving-Lindenhorst, der später zum TuS wurde.

Es entstand eine Macht im Norden, wie es Menschen aus den dem Krieg folgenden Jahrzehnten wohl formulierten. „Natürlich hätten wir gerne gefeiert und rund um unseren attraktiven Platz möglichst viele Menschen unterhalten, aber dann holen wir das eben nach“, sagt Helga Zarth, die Bewährtes und Neues im Vereinsleben harmonieren lässt. „Aber wir können auch so sagen, der TuS wird noch viele Jahre leben.“

Raum für positive Gedanken

In einem Vorort, in dem sie gerne von den guten alten Zeiten reden, in dem sie gerne auch diese traditionelle Sprache sprechen, ist viel Raum für positive Gedanken. Und für Fakten, die über alte Fußballerweisheiten wie „wir brauchen eine starke Jugend“ hinausgehen. Denn der TuS schuf diese Fakten: „Wir haben neben den vielen jüngeren Kindern eine A-und B-Jugendmannschaft, die bald aufrücken.“

Sie freuen sich über kleine Fortschritte. Rang elf in der Kreisliga B ist auch so weit weg von den sechziger Jahren in der Verbandsliga wie das Eckeystadion vom echten Jerusalem. Aber auch durch Helga Zarth nähert sich beides auch sportlich langsam wieder an. „Wir möchten natürlich irgendwann mal wieder etwas weiter oben spielen, aber wir machen das mit Augenmaß.“

Sollten sie nach den Corona-Einschränkungen im schmucken Eckeystadion „die Reise nach Jerusalem“, den alten Geburtstagsklassiker, spielen, wissen nun nicht mehr nur die alten Evinger, dass diese Reise in Kemminghausen endet.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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