Für die Eltern eines Bezirkliga-Spielers, spielt der Sohn zu niedrig. © Nils Foltynowicz
Fußball

Ex-Mitspieler sind in der Bundesliga, er in der Bezirksliga und wird von Eltern aufgezogen

Bei einem Dortmunder Bezirksligisten spielt ein Innenverteidiger, der schon in der Regionalliga gekickt hat. So richtig versteht niemand, warum er nicht höher spielt. Er erklärt es.

Thomas Faust, Trainer des Bezirksligisten BW Huckarde, sagt über diesen Spieler, dass er locker in jeder Westfalenliga-Mannschaft spielen könnte. SV Brackels Coach Giovanni Schiattarella geht noch einen Schritt weiter: „Er könnte in jeder Dortmunder Mannschaft spielen.“ Er schließt auch den Oberligisten ASC 09 Dortmund mit ein.

Aplerbecks Sportlicher Leiter Samir Habibovic kennt ihn auch. „Das ist ein richtig guter Zocker.“ Die drei Dortmunder Größen sprechen von Marco Eckhoff. Von wem? Ja, von Marco Eckhoff. Der 27-jährige war bisher komplett unbekannt im Dortmunder Seniorenbereich. Es ist sein erstes Seniorenjahr überhaupt bei einem Dortmunder Klub.

Und das absolviert er beim Bezirksligisten VfL Kemminghausen. Er wohnt in Hagen und hat zuletzt beim SV Hohenlimburg gespielt. „Durch meinen Kumpel Gökhan Nezir bin ich zu Kemminghausen gekommen. Der ist zu dem Klub gewechselt und hat denen den Tipp gegeben, mich mal anzurufen. Dann ging alles sehr schnell“, erzählt Eckhoff.

Er fühlt sich wohl im Dortmunder Nordosten. Eckhoff sieht eine Menge Potenzial innerhalb des Teams, auch wenn es aktuell mit neun Zählern nur auf Platz neun steht. „Wir sind noch ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Nur zwei Spieler aus dem Kader haben in der vergangenen Saison für den Klub gespielt. Wir müssen uns erst einmal finden.“

Marco Eckhoff (2. Etage) ist eine wichtige Stütze des VfL Kemminghausen. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Er prognostiziert, dass das Team in der kommenden Spielzeit ganz oben angreifen kann. „Wir müssen uns nur weiter einspielen und uns punktuell verstärken“, sagt Eckhoff. Ihm mache das Projekt Kemminghausen Spaß. Er fühle sich hier wohl. „Hier bleibt man auch nach dem Training oder Spiel noch für ein, zwei Stunden am Platz“, sagt er.

Trotz der kurzen Zeit, die er in Dortmund ist, hat er einen sehr guten Ruf. Woher der kommt? Da reicht ein Blick auf Transfermarkt.de. Eckhoff hat in der A- und B-Junioren-Bundesliga gespielt. Für den VfL Bochum und für Bayer Leverkusen. „Mein U19-Jahr für Bayer Leverkusen war definitiv mein bestes“, sagt er.

Sein Berater führte zu der Zeit unter anderem ein Gespräch mit dem Zweitligisten Greuther Fürth. „Die haben ihm damals gesagt, dass sie Interesse an mir hätten und mich weiter beobachten wollten.“ Doch dazu kam es nicht. Er zog sich einen Meniskusschaden zu. Die letzten Partien der Saison kickte er nicht mehr für Bayers U19.

Das Angebot aus Fürth blieb so aus. Eckhoff unterschrieb einen Vertrag in Leverkusen, bekam aufgrund seiner Verletzung im Regionalliga-Team aber keine Einsatzzeiten. Er wechselte dann zum Liga-Rivalen VfL Bochum II, kam hier zu sieben Regionalligaeinsätzen. „Ich habe aber damals schon gemerkt, dass es für den Profifußball nicht reicht.“

Kollegen spielen in der Bundesliga

Und das, obwohl er im U19-Bereich auf einem Level mit seinen Teamkollegen Dominik Kohr oder Danny da Costa agierte. Die beiden spielen heute für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. „Wenn ich die Jungs spielen sehe, freue ich mich natürlich, dass sie es geschafft haben.“ Wenn er ihnen zusieht, geht aber auch ein weiterer Gedanken durch seinen Kopf. „Natürlich kommen manchmal die Gedanken, dass auch ich da jetzt spielen könnte.“ Er ist aber nicht frustriert. Er sei zufrieden, mit dem, was er bisher erlebt hat.

Nach seiner Bochumer Zeit entschloss er für sich, eine Ausbildung zu machen. Fußballerisch kickte er jetzt für den FC Wetter, Türkiyemspor Hagen, FSV Gevelsberg oder den SV Hohenlimburg in der Kreisliga, Bezirksliga oder Landesliga. Er weiß, dass er höher hätte spielen können. Seine Eltern auch. „Manchmal bekomme ich Sprüche von ihnen, dass ich nur in der Bezirksliga spiele und nicht ein paar Klassen höher.“

Der Vater eines Kindes kann damit leben. Er sei nicht mehr bereit, vier bis fünf Mal die Woche zu trainieren und sonntags zu spielen. Er habe Verantwortung für sein Kind zu tragen, er hat im Berufsleben wieder Fuß gefasst. Das alles habe aktuell Vorrang. Trotzdem bleibt er ehrgeizig.

„Wie gesagt, ich will nächste Saison mit Kemminghausen angreifen.“ Er möchte auch vorweg gehen. Das macht er bisher. Er gibt Kommandos auf dem Platz und ist erste Option im Spielaufbau. „Und wenn es sein muss, hau ich auch mal dazwischen.“ Er habe auch kein Problem damit, mit dem Coach über die Taktik zu diskutieren. Er sei ohnehin ein Typ, der irgendwann mal ins Trainergeschäft einsteigen möchte.

In der Halle dabei sein

Aber noch sieht er sich als Spieler und hat Ziele. „Einmal muss man bei der Endrunde der Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft dabei gewesen sein. Deshalb ist es bitter, dass die in diesem Jahr ausfallen. Bisher war ich nur Zuschauer.“ Also hat er schon jetzt zwei Ziele für die kommende Saison: Mit dem VfL Kemminghausen in der Bezirksliga oben angreifen und mit dem Klub die Endrunde der Hallenfußball-Stadtmeisterschaft erreichen.

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Thomas Schulzke

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