Eine Dortmunder Mannschaft hat sich vom FC Liverpool inspirieren lassen. © picture alliance/dpa
Fußball in Dortmund

Ex-Trainer von Hannes Wolf gründet Dortmunder Team angelehnt an den FC Liverpool

Es gibt in Dortmund ein ganz besonderes Fußball-Team. Das bestreitet allerdings keine Meisterschaftsspiele, keine Freundschaftsspiele – und nimmt auch an keinen Turnieren teil.

Der A-Ligist SC Husen-Kurl hat vor knapp einem Jahr sein Fußballangebot erweitert. Seit Dezember 2019 gibt es unter dem Namen „Walking Reds“ eine Gehfußballgruppe im Eichwaldstadion. Das Angebot des Vereins richtet sich an Fußballer die aus Alters- oder Verletzungsgründen nicht mehr am regelmäßigen Spielbetrieb teilnehmen können.

Das Angebot eignet sich für alle Kicker und Kickerinnen im Alter von 35 bis 70 Jahren. Auch die siebenfache Frauenfußball-Nationalspielerin Claudia Sonn kickte bereits mehrfach bei den „Walking Reds“ ihres Heimatvereins mit. Leider laboriert sie aber momentan an einer Verletzung und muss deshalb pausieren. Gehfußball wurde 2011 im Mutterland des Fußballs in England „erfunden“.

Es darf dort weder mit dem Ball, noch ohne Ball gelaufen, sondern nur gegangen werden. Das Spiel soll möglichst körperlos ausgeführt werden. Außerdem soll nicht über Hüfthöhe gespielt werden. Initiator und Gründer der Gruppe beim SCH ist Klaus Rohe, der als Sportlehrer beim Robert-Schumann-Berufskolleg tätig ist.

Im Dortmunder Amateurfußball ist Rohe auch als Fußballtrainer bekannt. SC Husen-Kurl, TSC Eintracht, Westfalia Wickede, SV Brackel 06 und RW Barop waren unter anderem seine Stationen. Bei RW Barop trainierte er in der B-Jugend den ehemaligen Bundesligatrainer und heutigen DFB-Jugendtrainer Hannes Wolf.

Die Umstellung ist den Akteuren nicht schwer gefallen

Bei den „Walking“ Reds steht der Spaß und die Geselligkeit im Vordergrund: „Wir haben wie früher auf dem Bolzplatz unsere eigenen Regeln entwickelt. Wir kennen die offiziellen Regeln nicht und handhaben das flexibel“, berichtet Rohe. Gespielt wird fünf gegen fünf oder sechs gegen sechs auf kleinen Toren, wobei sich kein Spieler ins Tor stellen darf.

Meistens dauert eine Partie zweimal 30 Minuten, ehe (zumindest vor der Corona-Pandemie) die bei Fußballern berühmt, berüchtigte dritte Halbzeit mit einer Flasche Bier und Gesprächen über alte Zeiten eingeläutet wurde. Treffpunkt ist immer am Montag um 19. Uhr.

„Dadurch, dass Gehfußball weitgehend körperlos gespielt wird und Zweikämpfe vermieden werden, gibt es viel Direktspiel zu bewundern. Der Spaß steht im Mittelpunkt, gemeckert wird nicht, nur ein bisschen geflachst. Wir genießen es auf Kunstrasen zu kicken, weil wir früher häufig entweder auf einem leidigen Aschen- oder unebenen Naturrasen kicken mussten“, ergänzt Rohe. Die Umstellung vom „richtigen“ Fußball auf den Gehfußball ist den meisten Akteuren nicht schwergefallen.

„Ganz schönes Tempo und eine gewisse Intensität“

„Durch schnelle Schritte ist ein ganz schönes Tempo und eine gewisse Intensität im Spiel. Man schwitzt auf jeden Fall, auch die Koordination der Schritte bedeutet eine gewisse Herausforderung. Lustigerweise werden Bälle die im Aus landen immer im Laufen wiedergeholt, um das Spiel schnell fortzusetzen“, schmunzelt Klaus Rohe.

Die „Walking Reds“ spielen zurzeit nur „Just for Fun“ und beabsichtigen nicht an Turnieren teilzunehmen oder Freundschaftsspiele zu bestreiten, obwohl es schon Turniereinladungen aus dem belgischen Brügge und eine Einladung zu einem Freundschaftsspiel in Holzwickede gab. „Bei uns steht die Gemeinschaft im Vordergrund und weniger der Wettbewerbsgedanke“ so Rohe, der sich über weitere Mitspieler und Mitspielerinnen freuen würde.

Amüsant ist die Entstehung des Namens „Walking Reds“. Einmal bezieht er sich natürlich auf das rot in den Vereinsfarben des SC Husen-Kurl, hat aber auch eine offensichtliche Ähnlichkeit zum Namen der Zombie-Serie „The Walking Dead“. Außerdem sind die Kicker große Fans des FC Liverpool und reisen mindestens einmal im Jahr zu einem Spiel an die legendäre Anfield Road.

Da lag es natürlich nah „Reds“ im Namen zu verewigen. Demnächst sollen die „Walking Reds“ noch mit Trainingsanzügen ausgestattet werden, auf denen der Schriftzug „You’ll never walk alone“ in großen Lettern prangt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth

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