Der Kirchhörder SC in der Bezirksliga 15 - „eine der stärkeren Ligen auf dem Level“. © Nils Foltynowicz
Fußball

Feurige Derbys und Sprungbrett für Karrieren – das war die „Dortmunder Liga“

Noch heute denken fußballbegeisterte Dortmunder an ihre Liga zurück: Viele spannende Derbys machten den Reiz der Liga aus, die vor gut einem Jahrzehnt mir nichts, dir nichts aufgelöst wurde.

Spielten die hiesigen Landesligisten bis in die Zweitausenderjahre hinein wieder einmal um die „goldene Ananas“, gab es eine überkreisliche Liga, die als „Dortmunder Liga“ das Gesprächsthema unter den Fußballern der Stadt war. Vor zehn Jahren begann ihre letzte Saison.

Die Bezirksliga 15 sorgte für viele Geschichten im Dortmunder Amateurfußball. Zuletzt spielten acht Mannschaften der Stadt in der 15, davor waren es auch mal mehr. Heute ist sie Geschichte. Denn die Klubs verteilten sich auf die Ligen 8 und 9. In bester Erinnerung haben dieses Jahr und auch die Zeit davor die damaligen Trainer Adrian Alipour (Kirchhörder SC) und Marc Risse (TuS Eichlinghofen).

Der KSC stieg mit 13 Zählern Vorsprung souverän auf. Die sich sehr wohlgesonnenen Coaches trafen am letzten Spieltag der Bezirksliga 15 am 17. Juni 2012 gegeneinander an. Risse ließ nichts unversucht, um seinem Kumpel das letzte Saisonspiel nicht zu vermiesen. „Adrian verlor immer sehr ungern. Darum habe ich mich selbst im Sturm eingewechselt. So konnten wir aus dem Angriff heraus nichts kaputtmachen“, witzelt er.

Das Lachen verging Risse, als er Wochen später von der neuen Ligen-Einteilung erfuhr. Nur der TuS, RW Bodelschwingh und FC Brünninghausen II blieben aus Dortmund in der Liga 9 zusammen. „Das tat natürlich weh. Schließlich waren wir unter den vielen Teams unserer Stadt nach dem Aufstieg 2005 der Platzhirsch der Bezirksliga 15.“

TuS Eichlinghofen verbindet mit der Bezirksliga 15 große Gefühle

Vorbei zunächst die Zeiten der vielen Derbys: „Diese Liga war unser Wohnzimmer“, sagt Risse. „Die Duelle gegen den Dorstfelder SC, Arminia Marten, auch gegen die Sportfreunde Nette oder TuS Rahm waren immer Highlights. Umso bitterer, dass sie unseren direkten Nachbarn Dorstfeld nach der Verringerung der Bezirksligen in die Gruppe 8 packten.“

Die Eichlinghofer verbinden mit dieser Liga große Gefühle. So auch als die Ära Thomas Faust endete: „2008 hatten wir einen enorm großen Umbruch zu bewältigen. Tobias Diderich und ich mussten eine neue Mannschaft formen. Wir standen bis kurz vor Saisonende immer auf einem Abstiegsplatz, retteten uns dann auf der Zielgeraden. Auf Leute wie Reza Hassani, Alessandro Desiderio und Kürsat Can war einfach Verlass.“

Es ging noch einmal gut. Und der TuS wurde zu einer der attrakivsten Adressen der Stadt: „Trotz Asche und nicht wegen des Geldes“, stellt Risse klar. „Die starken Spieler wussten einfach, dass der Verein immer für sie da war. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir die Mannschaft waren, die von 2005 bis 2012 zwar nie aufstieg, aber auch nicht abstieg.“

Seine letzte Saison in seiner Wohnzimmer-Liga schloss der TuS auf einem komfortablen fünften Rang ab. Und Risse, der mit 35 Jahren seine Karriere längst beendet hatte, durfte guten Gewissens seinem Kumpel Adrian Alipour einen Gefallen tun und torlos bleiben. 0:0 endete die Partie, die auch zugleich Abschied der Kirchhörder aus der Bezirksliga war.

Adrian Alipours Zeiten in Kirchhörde waren gut, noch bessere sollten folgen

Sollten schon die besten Zeiten des KSC noch kommen, so sollten des Trainers allerbesten Zeiten bevorstehen. Jetzt am Dienstag spielte Alipour gegen Schott Mainz, ein nach einem Technologiekonzern benannter Verein, und gewann souverän 4:0 – in der Regionalliga Südwest, der 4. Liga.

Alipour zeichnet aus, dass er genauso emotional über seinen aktuellen Klub, den Südwest-Regionalligavierten TSV Steinbach Haiger, spricht, („Wir haben jetzt wieder fünf Spiele gewonnen, und das trotz vieler Verletzter“,) wie über die Liga, in der er im Trainergeschäft Fuß gefasst hatte: eben die Bezirksliga 15. Nahezu minutiös erinnert er sich an die wichtigen Spiele.

Für ihn war das Schlüsselspiel der Saison 2011/2012 das beim BSV Schüren am 12. Spieltag: „Schüren war damals ein ganz stark besetztes Team mit großen Plänen. Und Kevin Franzen entschied das Derby für uns mit einem 20-Meter-Schuss. Dann hatten wir einen Lauf.“ Alipour ist sofort wieder in seinem Element.

Der Coach denkt äußerst gerne an die Liga zurück, und natürlich an seine Mannschaft: „Insgesamt war die Liga 15 eine der stärkeren Ligen auf diesem Level. Wir hatten spannende Derbys. Gegen Dorstfeld, das damals richtig gut war, die Schürener und auch Eichlinghofen. Wir hatten eine Top-Zeit mit einer Top-Mannschaft, mit tollen Typen. Die Mannschaft hatte einfach richtig gutes Bezirksliga-Niveau und stieg völlig verdient auf.“ Daran hätte auch kein Torschütze Marc Risse nichts geändert.

Adrian Alipour war damals Trainer beim Kirchhörder SC.
Adrian Alipour war damals Trainer beim Kirchhörder SC. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Alipour schaffte später noch den Westfalenliga-Aufstieg mit Kirchhörde, erlebte später eine gute Zeit beim Oberligisten ASC 09 Dortmund. Letztendlich schaffte der Ewig-Ehrgeizige den Sprung in die Regionalliga, in der er mit beachtlichen Resultaten sehr gute Arbeit leistet. Adrian Alipour hebt aber, da dürfen alte Weggefährten beruhigt sein, nie ab.

„Ich bleibe immer derjenige, der ich war“, sagt er. „Meinen Freunden von damals gratuliere ich immer zum Geburtstag. Ich habe keinen Grund, meinen Charakter zu verändern. Noch heute weiß jeder Spieler, dass er mich nachts um halb drei anrufen darf. Ich komme garantiert.“

Klar, die Trainingsinhalte haben sich verändert. „Alles ist anders. Früher hatten wir einen halben Platz auf Kunstrasen. Da haben wir taktisch kaum etwas machen können. Damals hatte ich aber auch noch nicht das taktische Wissen. Das entwickelte sich erst.“

Dafür wusste Alipour immer alles über seine Jungs und die Gegner. „Penibel waren seine Spielvorbereitungen schon damals, legendär seine handgeschriebenen Spielerkarten. „Heute läuft das alles mit Videoanalysen.“

Heute ist Adrian Alipour Trainer in der Regionalliga Südwest beim TSV Steinbach.
Heute ist Adrian Alipour Trainer in der Regionalliga Südwest beim TSV Steinbach. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Alipour meldet sich aus seinem Trainerbüro, auf dem Computerbildschirm eine Spielszene gegen Schott Mainz. Zur Erfolgs-Persönlichkeit Alipours gehört aber immer auch, dass er selbst in solchen Momenten weiß, wo er herkommt: „Die Bezirksliga 15. Natürlich rede ich gerne darüber. Eine geile Zeit!“ Eine Zeit der Geschichte mit vielen Geschichten.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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