Leere Hallen, leere Plätze - die Coronavirus-Pandemie legt den Sport brach. © picture alliance/dpa
Lockdown

Fordern die Klubs aktuell Mitgliedsbeiträge? Dortmunder Amateurvereine antworten

Der Sport liegt wegen der Coronavirus-Pandemie brach, doch die Vereine müssen überleben. Wie halten sie es also mit den Mitgliedsbeiträgen? Wir haben in Dortmund nachgefragt.

Seit Wochen liegt der Sport brach. Das Höchste der Gefühle sind Videokonferenzen, in denen sich die Amateursportler zusammen betätigen. Wenngleich natürlich in getrennten Räumlichkeiten. Die Plätze und Hallen sind schließlich gesperrt, das Klubleben wie es bekannt und geschätzt war, ist nicht existent. Wie halten es die Dortmunder Vereine in diesen Zeiten mit den Mitgliedsbeiträgen? Wir haben nachgefragt.

Thomas Brümmer (Geschäftsführer FC Brünninghausen):

„Zweimal im Jahr ziehen wir den Mitgliedsbeitrag per Lastschrift ein, im Februar und September. Jetzt, Anfang Februar, wäre also wieder eine Zahlung fällig gewesen. Eigentlich. Wir haben uns diesmal dagegen entschieden und die Zahlung erst einmal ausgesetzt. Es gibt Leute, die gerade finanziell zu kämpfen haben. Da wollen wir erst einmal abwarten, bis sich alles wieder ein wenig normalisiert.

Wir schauen, wie die Politik entscheidet – und dann ziehen wir den Beitrag später ein. Denn zweifelsfrei: Der ist ja wichtig. Das kapiert nicht jeder, ist aber natürlich so. Wir sind letztlich darauf angewiesen. Jetzt warten wir halt noch ein wenig darauf – das soll auch ein kleines Dankeschön an die Mitglieder sein. Wir haben keine atypisch hohen Abgänge, die Leute sind bei uns geblieben. Das freut uns sehr.

Wir sind übrigens selbst auf die Idee gekommen, mit der Einziehung des Beitrags zu warten. Die Mitglieder haben uns nicht gedrängt. Nur zwei Mitglieder sind auf uns zugekommen – und haben gesagt: Wir können ja keinen Sport treiben, wir wollen deshalb kein Geld zahlen. Zwei von rund 600 Mitgliedern hatten diese Meinung. Deshalb machen wir aber bestimmt kein so großes Fass auf.“

Henrik Sojka (Vorsitzender SVD 49 Dortmund):

„Ob die Beiträge weiterhin eingezogen werden, entscheiden nicht wir, sondern die große Abteilung – also der SV Derne. Gerade werden die Zahlungen nach wie vor eingezogen. Wir überlegen, wie wir den Mitgliedern entgegenkommen könnten, haben an eine Textilkollektion mit T-Shirts und Poloshirts gedacht; eine Mannschaft hat sich außerdem einen neuen Trikotsatz gewünscht, eine andere neue Bälle.

Das versuchen wir, zu berücksichtigen. Aber natürlich muss man festhalten: Wir machen gerade keinen Gewinn, sondern haben dramatische Einnahmeausfälle. Sponsoren haben ihre Zahlungen zurückgezogen, die Meldegebühren werden weiterhin eingenommen. Und das ist eine ordentliche Stange Geld, die wir bezahlen, ohne überhaupt zu spielen.

Wir müssen die Passgebühren zahlen, das sind 3.000 Euro, also 15 pro Person. Pro Jugendmannschaft ist dann noch mal ein Betrag fällig, der geht insgesamt auch in den vierstelligen Bereich. All das ist viel Geld für uns.“

Rainer Köhler (Vorsitzender TV Hörde):

„Wir haben das Thema noch nicht diskutiert. Zweimal im Jahr ziehen wir die Beiträge ein; Anfang Januar war es wieder so weit. Die Mitglieder scheinen aktuell sehr solidarisch zu sein. Wir haben wenige Austritte zu verzeichnen, da ist keine Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren zu beobachten. Zu bemerken ist allein, dass es weniger Eintritte gibt.

Die Leute denken sich natürlich: Was soll ich jetzt gerade im Verein, ich kann ja eh nicht aktiv sein. Deshalb haben wir einen geringen Mitgliederschwund – es ist aber nichts, was uns Kopfzerbrechen bereitet. In unseren drei Abteilungen – Turnen, Volleyball, Basketball – läuft es überall ähnlich. Mir ist nicht bekannt, dass Mitglieder die Rückerstattung oder Aussetzung der Mitgliederbeiträge gefordert haben.“

Michael Linke (Vorsitzender ASC Dortmund 09):

„Wir ziehen die Mitgliedsbeiträge vierteljährlich ein – und werden das wohl weiterhin machen. Wir haben rund 20.000 Euro laufende Kosten pro Monat, in unserer Geschäftsstelle sitzen vier hauptamtliche Mitarbeiter, die wir bezahlen müssen. Wir sind also auf die Beiträge unserer circa 1.700 Mitglieder angewiesen.

Bei dieser Anzahl an Mitgliedern ist es klar, dass es mal Diskussionen darüber gibt. Die breite Masse trägt das aber mit. Und: Es besteht die Möglichkeit, den Beitrag nicht zu bezahlen, wenn es gerade nicht möglich ist. Das haben wir schon klar kommuniziert und werden wir noch mal in einem Offenen Brief thematisieren. Mitglieder können dann auf uns zukommen.

Andreas Kranich (Vorstand Öffentlichkeitsarbeit TSC Eintracht Dortmund):

„Wir stecken in einer der größten Krisen – demnach haben wir gleich im ersten Lockdown entschieden, unseren Mitgliedern Angebote zu machen. Zum einen gab und gibt es die Möglichkeit, völlig beitragsfrei zu bleiben, zum anderen gibt es die Option, zum Beispiel nur den Grundbetrag zu zahlen.

Unter 500 unserer rund 6.300 aktiven Mitglieder nehmen dieses Angebot aktuell wahr. Da ist ihr gutes Recht, das haben wir ihnen eingeräumt. Am liebsten ist uns aber natürlich, wenn so wenige Leute wie möglich, auf dieses Angebot zurückkämen. So ehrlich muss man sein. Die Mitgliedsbeiträge sind schließlich die wichtigste Finanzierungssäule des Vereins.

Je länger der Lockdown dauert, desto schwerer wird es für uns und desto mehr Leute beantragen die Reduzierung des Mitgliedsbeitrags. Das geht recht unkompliziert, wir haben dafür ein Formular, das muss ausgefüllt werden. Bitter ist: Gerade befinden wir uns in den mitgliederstärksten Monaten – und die Eintritte fallen komplett weg.

Konnten wir im Jahr 2019 noch rund 100 Mitglieder hinzugewinnen, haben wir 2020 mehr Aus- als Eintritte verzeichnet. Wie das aktuelle, gerade erst angelaufene Jahr verlaufen wird, ist schwer zu prognostizieren. Wir versuchen, bestmöglich durch die Krise zu kommen, arbeiten derzeit viel im digitalen Bereich und wollen kreativ sein. Gerade arbeiten wir zum Beispiel an einem Karneval-Special.“

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