Der SV Berghofen erlebte das Abenteuer 2. Bundesliga mit vollem Einsatz. © Folty
Amateurfußball

Frauen und Männer in einem Team – für manche überfällig, für andere Unsinn

Aber nächster Saison dürfen Fußballerinnen in den Niederlanden mit Männern in allen Amateurligen spielen. Der DFB zeigte schon Sympathie. An der Basis nennt man die Idee auch schonmal „Unsinn“.

Der Deutsche Fußballbund reagierte schnell auf den Vorstoß aus den Niederlanden: Männer und Frauen sollten auch im deutschen Amateurfußball künftig gemeinsam in einer Mannschaft spielen dürfen, forderte der für Antidiskriminierung zuständige DFB-Vizepräsident Günter Distelrath. Frauen und Männer in einer Mannschaft spielen zu lassen, solle so schnell wie möglich „in allen Amateurklassen unterhalb der Regionalliga“ gelten, sagte Distelrath.

An der Basis betrachtet man den Vorstoß, der hierzulande bedeuten würde, dass Mädchen auch nach der B-Jugend noch in Männerteams spielen könnten, nicht rundweg mit Ablehnung. Aber viele Akteurinnen und Akteure im Amateurfußball mahnen zur Vorsicht.

„Ich glaube, unser Nachbarland ist da schon sehr fortschrittlich unterwegs, wenn es um solche Entscheidungen für mehr Freiheit geht“, sagt Laura Marienfeld, Trainerin des Damen-Zweitligisten, SV Berghofen. „Und ich halte das im Breitensport auch für ‚ne ganz coole Entscheidung.“

Wenn es um die konkrete Förderung von jungen Spielerinnen geht, wäre für Marienfeld der Platz in einer Jungen- oder Männermannschaft aber längst nicht die erste Wahl. „Es gibt immer wieder Spielerinnen, die sagen, dass es schade ist, dass es keine A-Jugend bei den Frauen gibt. Und der Sprung von der B-Jugend direkt zu den Damen ist tatsächlich sehr groß. Trotzdem habe ich Zweifel daran, dass der Schritt einer B-Jugendlichen in eine männliche A-Jugend die bessere Option ist. Da würde ich aus meiner Sicht eher sagen, da nehme ich eine starke 16- oder 17-jährige Spielerin lieber in eine Damenmannschaft in der 2. Bundesliga. Ich glaube, dass ihr das dann doch mehr bringt.“

Laura Marienfeld sieht junge Spielerinnen im Frauenfußball gut gefördert.
Laura Marienfeld sieht junge Spielerinnen im Frauenfußball gut gefördert. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Ina Rösch, Sportliche Leiterin beim SV Eintracht Dorstfeld, hat da noch eine deutlichere Meinung: „Im Seniorenbereich halte ich die Idee für Unsinn. Dass die Grenze für gemischte Mannschaften mit der B-Jugend erreicht ist, macht aus meiner Sicht absolut Sinn. Denn danach wird es aufgrund der unterschiedlichen körperlichen Entwicklung für Mädchen im Wettkampf mit Jungs extrem schwer.“

Nicu Burgheim, der vor wenigen Jahren noch als Frau in der Bundesliga spielte und ab der nächsten Saison als Mann in der Kreisliga A kicken wird, findet die Entscheidung der Niederländer hingegen gut und würde ein Nachziehen in Deutschland begrüßen: „Für die Akzeptanz wäre es ein Meilenstein, wenn Frauen und Männer in einem Team spielen dürften. Hätte der DFB in den 70er-Jahren den Frauenfußball nicht verboten – wer weiß – vielleicht würde es dann schon lange Mixed-Teams geben. Vielleicht ist der DFB es den Frauen auch einfach schuldig, das jetzt durchzusetzen.“

Allerdings sieht auch Burgheim Punkte, an denen Realismus geboten ist. „Eine Frau stößt an ihre natürliche Leistungsgrenze. Wir hatten oft Vergleiche gegen C- und B-Jugend-Bezirksligateams, aus denen wir nur selten als Siegerinnen den Platz verließen. Körperlich, physisch und schnelligkeits-bedingt gibt es Unterschiede, die sind nicht wegzudiskutieren. Aber dennoch kann eine gute Spielerin auch Bezirksliga oder Landesliga mithalten. Und es ist etwas anderes, wenn das eine Spielerin selbst entscheiden kann. Das Problem ist, wenn man von vornerein ausgeschlossen wird.“

Nico Klotz, Trainer der 1. Frauenmannschaft des TV Brechten, kennt beide Seiten, denn er betreut auch noch ein Jungenteam. „Es ist kein Geheimnis, dass jedes Mädchen, das früher in einer Jungen-Mannschaft gespielt hat, leistungsmäßig davon absolut profitiert. Das heißt, in der Spitze für die richtig talentierten Mädchen, ist das förderlich.“

Das große Aber kommt allerdings sofort: „Im Breitensport würden wir aber bei einer verbreiteten Mischung von Teams jede Menge Spielerinnen verlieren“, sagt Klotz. „Meine Erfahrung ist, dass Damen-Mannschaften, noch stärkere Gemeinschaften sind als Männer-Teams. Und für ganz viele Spielerinnen steht einfach die Gemeinschaft ihrer Truppe unbedingt im Vordergrund. Lösen wir das auf, verlieren wir die Mädels oder Damen, die überhaupt noch Bock haben, Fußball zu spielen. Und ich glaube nicht, dass in meiner Bezirksliga-Mannschaft Spielerinnen sagen, ich fang jetzt in der Kreisliga B bei den Herren an. Auch als Bezirksliga-Spielerin möchte man den nächsten Schritt machen und vielleicht Landesliga spielen. Aber dann am liebsten mit der eigenen Mannschaft.“

Das sieht auch Ina Rösch so: „Letztlich spielt man als gute Fußballerin doch dafür, vielleicht mal höherklassig anzutreten und weniger dafür in einer B-Liga-Truppe bei den Herren mitzuhalten. Was das den Spielerinnen für eine Freude und Bestätigung gibt, hat man ja jetzt bei den Damen vom SV Berghofen gesehen, die ein Jahr 2. Bundesliga spielen durften.“

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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