Einst war der Klub eines der Hauptgesprächsthemen der Dortmunder Fußball-Gemeinschaft. Mittlerweile spielt die erste Mannschaft nur noch in der Kreisliga B (Symbolbild). © Nico Ebmeier
Fußball

Früher redete ganz Fußball-Dortmund über den Klub, mittlerweile ist er in der Kreisliga B

In den 90er-Jahren war der Dortmunder Klub eines der Hauptgesprächsthemen in der Fußball-Community. Damals noch in der Landesliga, mittlerweile nur noch in der Kreisliga B. Der Verein hat aber viel vor.

Christian Wichert (51) ist ein Typ! So einer vom alten Schlag mit einem riesengroßen Herzen für den Fußball und für den Verein aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Der „Wichert von nebenan“ ist mit voller Überzeugung Brechtener. Mit seinem Klub hat er noch einiges vor. Das untermauerte er mit einer wichtigen Entscheidung…

Christian Wichert, Ihr rühriger Verein verkündete es: Sie machen weiter. Nun ist Ihr Verein, der TV Brechten, nur Neunter der Kreisliga B3. Hat das Brechtener Herz die Ambitionen in Ihnen besiegt?

Das eine schließt das andere ja nicht aus. Klar, in erster Linie wollen wir den Brechtener Weg gehen – mit Jungs aus unserer sehr aktiven Nachwuchsabteilung. Wegen Corona hatten die zuletzt in den Seniorenbereich gewechselten Talente keine Chance, sich zu präsentieren und sich zu entwickeln. Daher sagt der Verein bestimmt nicht: Ihr müsst nicht sofort aufsteigen. Aber ein Platz unter den ersen Fünf steht uns schon jetzt zu Gesicht.

Aber ihr könnt?

Ja, natürlich. Aber alles zu seiner Zeit. Da unsere grobe Dreijahresplanung nun nicht greift, verschieben wir unsere Ambitionen, aufzusteigen. Mit unserem sehr gut organisierten Juniorenbereich – ich nenne nur den Namen unseres Koordinators Christian Eckle – und der sich äußerst positiv entwickelnden Infrastruktur sehen wir uns schon auf Dauer wenigstens eine Liga höher.

Von 1986 bis 1991 fesselten „Die Wicherts von nebenan“ mit ihren Alltagsgeschichten das deutsche Fernsehpublikum. Waren Sie auch immer einer von nebenan?

Ja, ich bin ein Scharnhorster Junge. Ich war Alemannia lange treu. Später war ich auch nie einer, der schnell mal eben wechselt. Heute wohne ich in Brechten. Das passt gut dazu, dass mich mit dem TV sehr viel verbindet. Ich fühle mich sehr wohl. Daher mache ich weiter.


Zur Erklärung: Sie erlebten die Brechtener Erfolgszeiten in der Landesliga mit. Über den eingeschworenen Haufen redete ganz Fußball-Dortmund in den Neunzigern. Schon damals war die Devise Identifikation. Funktioniert das heute mit den jungen Leuten auch?

Ich denke schon. Wir sehen das ja daran, dass pro Jahr drei A-Junioren den Sprung schaffen. Wir sind in allen Altersklassen besetzt. Das liegt neben der guten Arbeit unserer Leute auch daran, dass die Kinder und Jugendlichen gerne zum Platz kommen und trainieren.

Profitieren Sie auch vom Niedergang der Evinger Vereine TuS und Phönix?

Ich wünsche denen das nicht. Aber natürlich entscheiden sich Junioren, aber auch Senioren, die aus Spaß am Fußball kicken, für unseren lebendigen Verein. Dazu kommt natürlich auch der Brechtener Dorfcharakter. Wir halten alle stark zusammen. Und so erreichen wir auch was. Wir haben eine schöne Anlage, mit dem Ascheplatz meiner aktiven Zeit kaum zu vergleichen. Jetzt bekommen wir ein neues Umkleidegebäude. Das spricht alles dafür, sich bei uns wohlzufühlen.

Was natürlich auch bedeutet, dass es auch Ihnen so gut gefällt, dass Sie bleiben…

Das stimmt. Ich habe richtig Lust, nach Corona mit den Jungs zu arbeiten. Ich hänge an ihnen, sie hängen auch an mir.

Warum sind Sie, wenn alles so schön passt, dann doch nur Neunter in der Tabelle?

Wegen Corona! In der B-Liga macht es einen großen Unterschied, wenn von den Stützen – vielleicht fünf, sechs Leuten – welche fehlen. Das Pech hatten wir im vergangenen Herbst. Völlig klar, dass dann auch Punkte fehlen. Einige Gegner, die uns in Bestbesetzung erlebten, haben uns aber für die Zukunft bessere Platzierungen prophezeit.

Bleiben die Spieler auch?

Ja, bis auf einen, der in die 2. Mannschaft wechselt, machen alle weiter. Sie spielen nicht wegen des Geldes. Das gibt es aktuell bei uns nicht. Wir haben Spaß, aber auch Ziele.


Wo kann sich der Klub noch entwickeln?

Wenn das Gebäude steht, im Vereinsheim wieder Leben einkehrt und unsere treuen Sponsoren uns weiter so vorbildlich unterstützen, können wir vielleicht auch mal noch ambitioniertere Spieler von außerhalb mit einer kleinen Aufwandsentschädigung locken. Aber eigentlich muss das auch gar nicht sein.

Denn Sie haben ja sich?

Genau. Wir haben uns! Jungs, die in Jugendmannschaften gemeinsam erwachsen wurden, freuen sich doch, wenn sie als Senioren wieder ein Team bilden. Gebt ihnen ein, zwei Jahre. Dann wächst da was.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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