Christina Hammer kämpft sich wieder nach oben. © Hammer
Boxen

Für das große Ziel „Olympia“: Hammer kehrt dem Profiboxen den Rücken

Dortmunds Box-Aushängeschild ist wieder zurück im Boxring. Nicht mehr bei den Profis, sondern im olympischen Boxen. Es geht um ein Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio.

Der Plan lag schon länger in der Schublade. Und wurde jetzt durch die Corona-Maßnahmen ein wenig schneller an die Oberfläche geholt. Christina Hammer, Dortmunds langjährige Box-Weltmeisterin im Mittelgewicht und seit 2009 bei den Profis in 26 von 27 Kämpfen unbesiegt, kehrt zurück zu den “Amateuren”.
Eine Klasse, die es so längst nicht mehr gibt. Seit Jahren heißt die offizielle Bezeichnung dafür “olympisches Boxen”. Und am Ende will Christina Hammer auch genau dorthin: Zu den Olympischen Spielen in Tokio. Die, wenn sie nicht vorher wegen Corona abgesagt werden, vom 23. Juli bis 8. August in Japan stattfinden sollen.



Noch ist es aber ein langer Weg bis nach Japan. Der Startschuss bis hin zur Olympia-Teilnahme erfolgte am Wochenende in Köln. Rund elfeinhalb Jahre nach ihrem Profidebüt am 12. September 2009 gegen Melisa Koktar und zehn Jahre nach dem Gewinn des WBO-Weltmeistertitels gegen Teresa Perozzi in Riesa kletterte die Dortmunderin zum ersten Mal wieder mit Kopfschutz und Trikot in den Ring. Nicht über zehn Runden, sondern über drei Runden á drei Minuten. “Die Umstellung war riesig, der Kampf ist viel intensiver, da musst du sofort loslegen”, erklärte Hammer.

Hammer setzt auf Technik – Scheurich auf die Brechstange

Gegnerin in Köln war Sarah Scheurich, 28 Jahre alt aus Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern und bis zum Wochenende beste deutsche Boxerin im Mittelgewicht (bis 75 Kilogramm). Um es kurz zu machen. Christina Hammer dominierte den Kampf durch ihr variableres technisch gutes Boxen. Die in Schwerin unter Michael Timm boxende Scheurich versuchte es mit der Brechstange und war auf ein vorzeitiges Ende aus.



Am Ende gewann Hammer alle drei Runden, steigerte sich dabei, was die einzelnen Runden verdeutlichen: 3:2, 4:1, 5:0. “Das war kein leichtes Spiel, Sarah ist etwas größer als ich und besitzt eine gute Rechte. Sie hat mir wirklich alles abverlangt”, attestierte “Lady Hammer” ihrer Gegnerin gute boxerische Klasse.

Ganz freiwillig dürfte der Schritt von den Profis zum olympischen Boxen indes nicht gefallen sein.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen sind Profi-Kämpfe kaum noch durchzuführen. “Fans sind nicht mehr zugelassen und es gibt einfach zu wenig Kämpfe, um davon zu leben. Und wann wieder in den USA geboxt werden kann, ist auch noch völlig unklar. Deshalb sehe ich Olympia als Chance für mich, ich wollte einfach kämpfen und will für Deutschland eine Medaille holen”, beschreibt Christina Hammer ihre Motivation.

Der Sportdirektor des DBV ist angetan: Werbung für das Frauenboxen

Angetan von beiden Kämpferinnen war auch Michael Müller, der Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes: “Das war ein wirklich hervorragender Kampf auf Augenhöhe, echte Werbung für das Frauenboxen.” Auch wenn Christina Hammer den ersten Kampf gegen Sarah Scheurich für sich entscheiden konnte, der Weg nach Tokio ist noch lang.
„Im März steht für mich der Cologne-Cup in Köln auf dem Programm. Da kann ich mich gegen starke internationale Kontrahentinnen weiter an die im olympischen Boxen übliche Drei-Runden-Distanz gewöhnen“, betonte Hammer mit Blick auf ihre Olympia-Ambitionen.



Auch auch Scheurich ist weiter in Richtung Olympiade 2021 unterwegs. “Beide sind absolut gleichberechtigt, es kann sogar sein, dass sie beim Cologne-Cup wieder aufeinandertreffen. Und haben wir dann immer noch Zweifel, dann kann es einen Ausscheidungskampf geben”, umschreibt Müller das Prozedere.
Sollte sich Christina Hammer auf nationaler Ebene durchgesetzt haben, wartet noch eine weitere Hürde. Am 22. März entscheidet das IOC darüber, wo und wann die Euro-Qualifikation stattfindet. Sollte Christina Hammer dann immer noch dabei sein und auch diese Hürde nehmen, wäre der Weg nach Tokio frei.

Rückkehr zu den Profis ist durchaus denkbar und auch erlaubt

Bei den von Hammer verfassten Kommentaren in den sozialen Medien – bei Instagram hat Hammer über 170 000 Follower – klingt ihre Herabstufung nicht so endgültig wie scheint. Im Gegenteil. Vielmehr sehe sie eine neue Chance, von einem Schlussstrich keine Rede.
Hammer: „Ich trete nicht zurück, ich schließe mich lediglich dem olympischen Boxteam an. Nach Olympia komme ich zurück zu den Profis.“ Was auch kein Problem ist. “Einmal darf sich jeder Profi zurückstufen lassen und anschließend wieder wechseln”, bestätigte DBV-Sportdirektor Michael Müller.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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