Über den SC Neheim und seine zwei verlegten Spiele gibt es im Moment viel Kopfschütteln in der Westfalenliga. © Stephan Schuetze
Meinung

Fußball-Westfalenligist handelt unsportlich und gefährlich zugleich

Dass Spiele ausfallen, weil Sportler mit Corona infiziert sind, ist an der Tagesordnung. Dass ein Team jedoch zwischen zwei abgesagten Partien ein Freundschaftsspiel absolviert, ist gefährlich und unsportlich zugleich, meint unser Autor.

Zur Ehrenrettung muss man sagen, der Westfalenligist SC Neheim hat nicht gegen die geltenden Regeln des Verbandes verstoßen. Gegen Fairness, Sportlichkeit und gegen den gesunden Menschenverstand allerdings schon.

Ja, es ist kein Muss, aber erlaubt, bei drei Corona- oder Quarantänefällen in einer Mannschaft, ein Spiel abzusetzen und zu verlegen, auch wenn im Kader noch genug Spieler sind, um am nächsten Spieltag ohne Probleme vollzählig antreten zu können. Was bei drei Verletzten oder Urlaubern nicht gilt, gilt bei Infektion und Quarantäne. Der Grund liegt auf der Hand: Ein Bänderriss oder ein gestauchter Knöchel ist nicht ansteckend, eine Infektion schon. Nur so schützt man also sicher die eigene Mannschaft und die des Gegners.

Insofern war es folgerichtig, dass der SC Neheim die Westfalenliga-Partie am vergangenen Samstag gegen den TuS Bövinghausen absagte. Und auch am kommenden Sonntag treten die Kicker des SC nicht beim FC Iserlohn an und bestehen auf Verlegung.

Soweit, so klar. Dass man in Neheim aber auf die Idee kam, zwischen den beiden abgesagten Spielen am Donnerstag ein Freundschaftsspiel gegen des Lüner SV anzusetzen, kann man nur mit Kopfschütteln quittieren. Es führt die Idee des Gesundheitsschutzes für die Mannschaften ad absurdum und hinterlässt den Eindruck, dass sich ein Klub gerade die Regeln so auslegt, wie es ihm in den Liga-Kram passt.

Zu Recht sind einige Mitbewerber in der Liga jetzt auf 180. Denn aus gutem Grund drängt sich der Verdacht auf, dass der SC bei drei betroffenen Leistungsträgern die Spielabsage-Karte zieht, aber zugleich in der Wettbewerbsvorbereitung auf einmal nach ganz anderen Maßstäben handelt. Gesundheitsschutz hin oder her – und nur dann wenn er gelegen kommt.

Zugegeben, die Rechtslage des Verbandes ist in diesem Fall so, dass sie die Lücke nicht schließt. Diese Ungenauigkeit jedoch ohne Rücksicht auf Verluste auszunutzen, hat mit Sportlichkeit und Fairness, für die der Amateurfußball doch stehen sollte, nichts mehr zu tun.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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