Der Dortmunder Fußball-Trainer Andreas Przybilla ist bereits seit Oktober 2019 ohne Traineramt. © Patrick Schröer
Fußball

Herr Przybilla, warum coachen Sie seit fast anderthalb Jahren keinen Klub mehr?

Andreas Przybilla (40) ist schon seit Längerem ohne Klub. Der Dortmunder Trainer, der zuletzt bei Westfalia Wethmar tätig war, hat seit Oktober keine Trainertätigkeit mehr angenommen. Aber warum?

Anfang Oktober 2019 hat Andreas Przybilla bei Westfalia Wethmar die Trainer-Reißleine gezogen. Der Fußball-Bezirksligist aus dem Lüner Norden kämpfte gegen den Abstieg, es stand schlecht um die Westfalia. Über ein Jahr stand der 40-Jährige gemeinsam mit seinem Co-Trainer Volker Bolte an der Linie der Wethmarer. Dann trat das Duo aus freien Stücken zurück. Seither ist Przybilla, der auch schon einige Dortmunder Klubs trainiert hat, ohne Traineramt. Aber wieso? Wir haben im Interview nachgefragt.

Herr Przybilla, in der aktuellen Lage sei diese Frage gestattet. Wie geht es Ihnen?

Mir persönlich geht es beruflich und privat ganz gut, danke. Schade ist momentan nur, dass man nicht verreisen darf.

Kommen wir zum Fußball: Seit Anfang Oktober 2019 sind Sie ohne Trainerjob, warum?

Ich habe Wethmar damals auch mit einem weinenden Auge verlassen. Die Einstellung zum Fußball, die manche an den Tag gelegt haben, hat mir nicht gefallen. Die Zeit seit dem Abgang habe ich genutzt.

War Wethmar für Sie ein Fehler?

Nein, das war kein Fehler. Viele kennen meine Vergangenheit, als ich vor meiner Wethmarer Zeit, mit Meik Hibbeln vom VfR Sölde aneinandergeraten bin und ihn mit der Hand erwischt habe. Das war auch ein Fehler von mir. Solche Fehler werden den Leuten im Fußball selten verziehen. Daher wollte ich in Wethmar eine andere Außendarstellung präsentieren und beweisen, dass ich kein einziges Mal mehr runterfliege. Ich fahre weiterhin gerne nach Wethmar und bin dort auch herzlich willkommen.

Wie ging es nach Ihrem Wethmar-Aus weiter?

Die Trennung war eine richtige Entscheidung. Ich konnte durchatmen und auch auf viele andere Dinge konzentrieren. In der Winterpause in 2019 habe ich mehrere Anfragen – auch von höheren Klubs – bekommen. Mir war aber sofort klar: Wenn ich mein Amt niederlege, dann nehme ich nicht sofort ein neues an. Sonst mache ich mich ja unglaubwürdig. Ich wollte durchschnaufen und habe das auch bis zum Sommer gemacht.

Was haben Sie denn in der ganzen Zwischenzeit gemacht?

Ich habe meine Prioritäten auf meine Familie und meine Frau gesetzt. Es gibt eine Menge an Dingen, die ich am Wochenende sonst nicht gemacht habe. Fahrradfahren zum Beispiel.

Gab es denn im Sommer noch mal Angebote oder Anfragen?

Ja, die gab es. Es haben sich Vereine aus dem Dortmunder Bereich, aber auch von weiter weg gemeldet. Ein Verein war besonders hartnäckig und hat mich drei Mal angerufen. Wir haben uns dann auch zwei Mal zusammengesetzt. Ich habe dann aber in den Spiegel geschaut und mir ist klar geworden, dass ich noch nicht so weit bin. Ich hatte im Sommer einfach nicht das Feuer. Außerdem war nicht das Richtige dabei. Ich möchte einfach noch nicht an der Seitenlinie stehen.

Fehlt Ihnen der Fußball denn überhaupt nicht?

Ich habe mir in der Zwischenzeit viele Spiele angeschaut. Auch in den niedrigen Ligen wie der Kreisliga A oder der Bezirksliga. Ich habe es genossen, beim Fußball zuzuschauen. Als Trainer bin ich ja ein bisschen verrückt. Ich bereite mich immer sehr intensiv vor, habe auch Sachen mit nach Hause genommen. Ich reflektiere mich immer wieder. Der Fußball als Trainerjob hat mir bislang nicht gefehlt.

Sie sagten, bislang war noch nicht das richtige Angebot für Sie dabei. Wie sollte ein potenziell neuer Klub denn für Sie aussehen?

Es sollte schon ein Projekt sein, das zwei, drei Jahre oder länger geht. Mir wäre es wichtig, perspektivisch viele A- und B-Jugendliche in die Mannschaft zu integrieren. Es ist wichtig, dass ein Verein einen Untergrund beziehungsweise eine eigene Jugend hat. Insgesamt ist der Juniorenbereich für mich auch interessanter als der Seniorenbereich.

Das kommt überraschend. Wieso das denn?

Der Hunger der Spieler ist viel größer. Die haben richtig Bock, sich weiterzuentwickeln und zu gewinnen. Wenn man den Jugendlichen etwas erklärt, dann leuchten die Augen und die Ohren stehen spitz. Der Seniorenbereich hat andere Prioritäten. Vor allem Geld.

Also schließen Sie ein Engagement bei den Senioren aus?

Nein, das nicht, aber ich würde lieber eine A-Jugend von der Bezirks- bis zur Westfalenliga trainieren.

Sie haben eine lange

Zeit in Dortmund als Coach gearbeitet, wird das neue Engagement denn wieder in Dortmund stattfinden?

Nicht unbedingt. Ich war auch mit dem SV Südkirchen und dem FC Nordkirchen in Gesprächen. Die Distanz wäre kein Problem, ich bin ja mobil.

Zum Abschluss geht es um das Thema Geld im Amateurfußball. Nach Ihren Aussagen müssten Sie dann ja Projekte wie den TuS Bövinghausen oder Türkspor Dortmund nicht so attraktiv finden, oder?

Das, was die Klubs machen, ist legitim. Da spricht nichts dagegen. Beim ASC 09 Dortmund durfte ich als Trainer damals ein anderes Projekt angehen. Aplerbeck ist ein tolles Beispiel. Es ist schön zu sehen, wie der Verein es seit Jahren schafft, mit einer vernünftigen Vereinsführung auf Dauer Erfolg zu haben.

Dann läuft das Projekt Aplerbeck ja auch genau nach Ihren persönlichen Vorlieben…

Meine Vorstellung ist es, jungen, talentierten Spielern eine Chance zu geben, um auch einfacher ohne Druck zu arbeiten. Meiner Meinung nach ist Dortmund, was das anbetrifft, noch sehr, sehr schüchtern.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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