Tim Eibold war bis September noch Sportdirektor bei Türkspor Dortmund. © Screenshot: Kisker
Amateurfußball

Holt Tim Eibold jetzt Türkspor-Spieler zum TuS Haltern in die Oberliga?

Ex-Türkspor-Sportdirektor Tim Eibold ist neuer Abteilungsvorstand beim Fußball-Oberligisten TuS Haltern und kümmert sich dort auch um Neuzugänge. Nach Dortmund hat Eibold noch gute Verbindungen.

Oberligist TuS Haltern hat Tim Eibold als neuen Leiter seiner Fußball-Senioren vorgestellt. Bis vor wenigen Wochen war Eibold noch Sportdirektor bei Türkspor Dortmund und holte einige gute Spieler zu TSD – bis der Verein ihn vor die Tür setzte. Jetzt ist Eibold auch in Haltern wieder für die Neuverpflichtungen verantwortlich – muss Türkspor Dortmund sich jetzt Sorgen machen?

Im Interview mit den Ruhr Nachrichten spricht Eibold über seine neue Aufgabe beim TuS, das Ende bei Türkspor und über die völlig unterschiedlichen Konzepte der beiden Teams.

Tim Eibold, Sie waren schon vor Ihrer Zeit bei Türkspor Dortmund mit dem TuS Haltern in Gesprächen. Jetzt landen Sie nach einer sehr kurzen Amtszeit beim TSD doch in Haltern. Hätten Sie sich die Türkspor-Zeit rückblickend sparen sollen?

Nein, also ich bin nicht böse um diese Zeit. Haltern hat damals noch in der Regionalliga gespielt, das wäre mit meinem Job in Dortmund schwierig geworden, weil das ja doch noch mal eine Ecke professioneller ist. Ich bin auch froh, dass ich bei Türkspor zusammen mit Kevin (Großkreutz, Anm. d. Red.) und Reza (Hassani, Anm. d. Red) meine Erfahrungen machen konnte. Wir sind gut befreundet.

Also bereuen sie ihren Schritt zu Türkspor trotz des unschönen Endes nicht?

Die Situation war am Ende sicher nicht schön, trotz allem habe ich tolle Menschen kennengelernt. Man hat sich ausgesprochen und das war dann okay. Jetzt geht es da weiter, wo ich vorher schon hinwollte. Haltern war ein Ziel, was ich anvisiert habe, weil es einfach ein Top-Verein mit einer super Infrastruktur ist. Die zweite Mannschaft spielt dann noch in der Landesliga, da ist echt geil, das muss man einfach so sagen. Bessere Voraussetzungen kannst du nicht haben.

Die Umstände könnten aber sicher besser sein. Sie starten mitten in der Corona-Zeit in ihren neuen Job…

Ja, das hat mich am Anfang auch etwas skeptisch gemacht, aber in den Gesprächen mit Haltern habe ich gemerkt, dass es zwischen mir und dem Verein passt. Die Verantwortlichen haben ihr Vertrauen in meine Hände gelegt. Das war dann keine große Überlegung für mich. In der Corona-Zeit ist natürlich alles ein bisschen verrückt, aber das Geschäft muss nun mal weiterlaufen, das war, glaube ich, auch das Bestreben des Vereins.

Das Geschäft läuft zwar weiter, der Spielbetrieb tut es aber gerade nicht. Glauben Sie daran, dass im Januar der Ball wieder rollt?

Wenn man mit Leuten spricht, die etwas näher dran sind, glaube ich nicht, dass vor März etwas laufen wird. Aber man merkt, dass es langsam trist wird. Ich selbst gehe gerade drei bis viermal die Woche laufen, ich werde noch zum Marathonläufer (lacht). Auf der einen Seite ist das schön, für so etwas hat man sonst ja keine Zeit. Aber auf der anderen Seite wird einem immer bewusster, wie sehr diese Pandemie uns einnimmt. Es gibt so vieles, was nicht geht, das ist schon nervig. Aber irgendwann wird es weitergehen.

Und bei Ihnen dann auch richtig interessant. Sie sind in Haltern ebenfalls für die Neuverpflichtungen tätig. Beim TuS geht man aber einen ganz anderen Weg als bei Türkspor.

Genau, in Haltern machen wir es ein bisschen so wie bei Athletic Bilbao, wir wollen größtenteils mit Jungs aus der Region arbeiten oder mit welchen, die früher mal in Haltern gespielt haben oder aus der eigenen Jugend kommen. Das ist grundsätzlich ein richtig tolles Projekt. Das ist nicht so wie in Bövinghausen oder bei Türkspor, wo viel Geld gezahlt werden kann. Wir wollen den Weg ebnen für junge Spieler, die aus dem Nachwuchs kommen. Das wird auch die Zukunft für viele Vereine sein.

Wie meinen Sie das?

Ich glaube nicht, dass Vereine in Zukunft so viel Geld für Spieler zahlen werden. Und die finanzstarken Vereine sind irgendwann voll. Im Moment gibt es viele Spieler ohne Verein. Ich merke das, die rufen mich an und fragen, ob ich ihnen nicht bei der Suche nach einem Verein helfen kann. Da merkst du, dass der Markt gerade richtig voll ist. Die nächste Transferperiode wird also anspruchsvoll.

Aber sie sind sicher schon vorbereitet, oder?

Ich habe für mich natürlich schon meine Spieler im Kopf, die ich gerne mit rübernehmen würde. Also Spieler von meinen vergangenen Stationen, die man dann anspricht. Ob man zusammenkommt, wird sich dann zeigen. Grundsätzlich habe ich einen Plan und den gilt es dann zu verfolgen.

Steht auf ihrem Plan auch der Name Maurice Temme, den Sie ja von Herne nach Türkspor gelotst haben?

Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen. Ich weiß, dass er bei anderem Verein unter Vertrag steht – und ich weiß auch, wie dieser Vertrag aussieht. Im Moment denke ich da also nicht dran.

Sie haben gerade von den unterschiedlichen Konzepten geredet. Mit einem kleinen Etat und jungen Spielern arbeiten oder einen großen Etat zur Verfügung haben. Welche Variante gefällt Ihnen denn besser?

Haltern ist nicht ansatzweise so finanzstark wie Türkspor. Es hat beides seinen Reiz. Den Weg von jungen Spielern zu begleiten, finde ich persönlich spannender, weil es ein Stück weit ehrlicher ist. Das hatten wir bei Herne ähnlich. Jetzt in Haltern sollen 75 Prozent der Spieler aus der Region kommen, 25 Prozent von extern. Was dann finanziell in den Rahmen passt, muss man sehen.

Grundsätzlich überzeugt mich aber mehr das Arbeiten mit jungen Spielern, weil ich weiß, die haben jeden Tag Bock. Wenn du Spieler holst, die dreimal die Woche trainieren müssen und dann darüber meckern, ist das was anderes. Die wollen nur das Geld und gehen dann zu anderen Vereinen. Ich sehe das aber gar nicht negativ, ich finde es gut, dass es Vereine gibt, die solche Spieler aufnehmen. Das hat bei Türkspor auch Spaß gemacht, wenn man mal so ein bisschen Fußballmanager spielen konnte – wie damals auf dem Computer (lacht). Aber für mich ist der andere Weg schöner. Jungs aufzubauen, die auch das Gesicht des Vereins werden, die nicht gehen, wenn die Kohle weg ist. Wie das funktionieren kann, sieht man ja in Dortmund.

Sie spielen auf den ASC an.

Genau, die sind das beste Beispiel. Samir Habibovic (Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) macht seit Jahren einen Riesenjob. Die binden Spieler wie Brümmer und Kallenbach, die wünscht sich jeder, die könnten locker Regionalliga spielen. Und in Aplerbeck werden keine Unsummen bezahlt. Dementsprechend ist das dann ein geiles Produkt, das die da auf die Beine stellen. Daran sieht man, dass sowas – wie wir es auch in Haltern machen wollen – mehr Sinn macht, als mit Geld um sich zu werfen.

Über die Autorin
Redakteurin
Jahrgang 1993, geboren und aufgewachsen in Dortmund. Liebt den Sport und die Emotionen dabei privat und beruflich, vor allem den Handball. Seit 2014 bei Lensingmedia - nach Praktikum, freier Mitarbeit und Volontariat jetzt Sportredakteurin.
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Nina Bargel

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