Der SV Berghofen ist wieder am Ball - das sorgt aber nicht nur für Freude. © Nils Foltynowicz
Fußball

Im Schatten des Frauenfußballs – Berghofens Männer wollen in die A-Liga

Die Fußballfrauen des SV Berghofen speilen nach ihrem Aufstieg in dieser Saison in der 2. Liga - und stehen immer noch im DFB-Pokal. Auch für Berghofens Männer läuft es gut - in der Kreisliga B.

Das Herz des Vororts schlägt für den Frauenfußball. Es gab mal eine Zeit, da schlug es besonders für den Hallenfußball. Die Herren der Schöpfung stellten vor ungefähr 20 Jahren Techniker, die in Dortmund ihresgleichen suchten. Zwischendurch spielten sie auch überkreislich.

Jetzt schickt sich eine neue Generation unter der Leitung von „Dortmunds Jupp Heynckes“ an, den Männerfußball aus den Niederungen der B-Liga hochzuschießen. Sechs Spiele, sechs Siege, das kann was werden. Es ist eine junge Berghofer Generation – mit dabei ein in Dortmund alter Bekannter Kicker, übrigens auch mit einer Hallenvergangenheit.

Cagdas Düzgün (heute 39) brillierte einst als Jungspund mit dem VfL Kemminghausen unter dem Dach. Wenn er sein heutiges Team betrachtet, fällt ihm gleich sein altes ein. „Wir haben jetzt nach dem späten 3:2 gegen die Dortmunder Löwen gefeiert wie früher in Kemminghausen. Da war richtig Party. Natürlich haben wir unsere makellose Startserie gleich mitgefeiert.“

Aus dem Laufwunder mit Technik und Torgefahr ist längst ein Routinier geworden. Ein rastloser Routinier, der nicht ans Aufhören denkt: „Wenn es juckt, ziehe ich immer wieder das Trikot an. Und mit den Jungs feiere ich auch gerne.“

Männer des SV Berghofen stehen an der Tabellenspitze

Düzgün bewohnt mit seiner bald noch wachsenden Familie („ich bin aufgeregt, weil wir unser drittes Kind bekommen“) ein Haus in Berghofen. Da er beruflich eingespannt ist, kam ihm die flexible Handhabung seiner Trainingsbeteiligung und die an den Spielen sehr gelegen. „Ich wollte in der Nachbarschaft spielen. Alle Leute hier sind sehr nett. Das passte sofort. Unser Coach Thomas Ebbinghaus ruft jetzt ständig an, ich solle kommen. Und dann komme ich auch.“

Beruflich hat Düzgün ein Unternehmen, das Spiegelschränke nach Maß einbaut. Wenn er in den Spiegel sieht, blickt ihn ein immer noch hungriger Fußballer an. Vielleicht hängt im Hintergrund auch die Tabelle, die er als Kenner der Spiegelschrift gerne liest. Berghofen ist Erster. Und das tut ihm und den Jungen gut. „Die meisten Jungs sind vor einem Jahr aus unserer eigenen A-Jugend gekommen. Erst mussten sie sich etwas an den Seniorenfußball gewöhnen. Jetzt starten sie durch.“ Düzgün ist gerne Ansprechpartner für die Talente: „Das bin ich deswegen gerne, weil die Jungs auch zuhören.“

Und da dies so ist, könnte neben dem Aushängeschild, der Frauenmannschaft in der 2. Bundesliga, eine weitere Attraktion auf den Berg locken. Leitwolf Düzgün sagt nach dem sechsten Saisonsieg gegen die Dortmunder Löwen: „Wir hatten die maximal erlaubte Zahl an Zuschauern da. Wir haben eine schöne Gemeinschaft im Dorf.“ Die Zeiten, als die Berghofer ein wenig mit ihrem Verein fremdelten, sind längst vorbei. Eben weil Berghofer Jungs vor ihrer Haustür kicken.

Scharnhorst, Wambel und Asseln sind Berghofen auf den Fersen

Dass auch Düzgün um die Ecke wohnt, erhöht die Identifikation. Und mit ihm, der mal in der zweiten Mannschaft in der Parallelliga B2 aushilft, immer öfter aber in der ersten B4, spielt in Justin Nordberg ein Sturmpartner vorne, der auch für andere Klubs ziemlich häufig traf. Während der in dieser Saison fünfmal erfolgreiche Düzgün (drei Tore für die Erste, zwei für die Zweite), gelang Nordberg jetzt sein erstes in dieser Saison.

Es war das erwähnte 3:2, das ganz wichtige 3:2. Denn nur so gelang in einer Liga der Traditionsverein der Sprung auf den ersten Platz. An die Fersen der Berghofer Hoffnungsträger haben sich der FV Scharnhorst, Wambeler SV und TuRa Asseln geheftet. Klangvolle Namen aus der Vergangenheit.

„Für Platz fünf oder sechs stehe ich nicht mehr von der Couch auf“

Vergangenheit und Zukunft spiegelt sich nicht nur in der Person Cagdas Düzgün wider. Da ist ja auch noch der selbst ernannte „Dortmunder Jupp Henyckes“. Thomas Ebbinghaus ist 56, seine Alten-Herren-Kollegen sprachen ihn jetzt zum zweiten Mal an, ob er sich der jungen Generation annähme. Vor gut fünf Jahren führte er das Team in die A-Liga, die Freude währte nicht lange. Der SVB stieg wieder ab. Jetzt kamen die Kumpel wieder auf ihn zu. „Ja, und ich bin Berghofer, das ist mein Herzensverein. Ich bin seit 30 Jahren Trainer. Da helfe ich wieder gerne.“ Ebbinghaus aber macht es auch, weil das Team Ziele hat.

„Für Platz fünf oder sechs stehe ich nicht mehr von der Couch auf.“ Muss er wohl auch nicht: „Die Jungs haben das Potenzial für den Aufstieg. Das ist unser Ziel. Und ich mache das dann doch auch, weil es genau diese Jungs sind. Sie können Fußball spielen und haben was in der Birne. Mit ihnen macht es Spaß. Hätten wir Söldner geholt, hätten unsere eigenen Spieler nicht die Chance, sich zu entwickeln.“

Auch der Männerfußball in Berghofen entwickelt sich auch dank der erfahrenen älteren Herren. „Spieglein, Spieglein an der Wand“, könnte Cagdas Düzgün in seinem Geschäft fragen, „wer hat bald den Meisterpokal in der Hand?“ Seine Spiegel werden wissen, wie sie zu antworten haben.

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Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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