Bei einem Dortmunder Fußballteam spielen Trainingseinheiten - auch ohne den Corona-Lockdown - keine Rolle. © Nico Ebmeier
Fußball

Komplett ohne Training: Dortmunder Fußballteam mischt seine Liga trotzdem auf

Im Lockdown fällt das Training im Amateur-Fußball aus. Doch wenn man danach geht, ist bei einer Dortmunder Elf immer Lockdown. Über ein Team, das nie trainiert - und trotzdem jeden schlagen kann.

Als die Info in der Sportredaktion aufschlägt, klingt sie erstmal kurios: In Dortmund soll es eine Fußball-Mannschaft geben, die absolut nie trainiert. Corona hin oder her, egal ob Lockdown oder Regelbetrieb. Also haben wir bei dem betreffenden Verein nachgehakt. Und eine deutliche Antwort bekommen.

Bock auf Fußball – aber nicht auf Training

„Das klingt nicht nur kurios, das ist es auch – und wohl eine komplette Ausnahme in der Liga“, sagt Andreas Edelstein, Vorsitzender des SC Husen Kurl, über die dritte Mannschaft seines Klubs. Denn hier hat hat sich über die Jahre ein Sammelbecken an Spielern zusammengefunden, die früher oftmals in der Bezirks- oder Landesliga gekickt haben, dem entsprechend gut ausgebildet sind (O-Ton Edelstein: „Die können mit der Zwiebel umgehen!“) und immer noch Bock auf Fußball haben – nur eben nicht auf Training.

„Wir halten hier unsere Husener Jungs zusammen“, erklärt der Trainer der Dritten Sascha Schaumann. Er schnürt seit 1987 die Schuhe für den SC. Bei den „Husener Jungs“ handelt es sich in dem Fall um Spieler, die in der Regel früher in ihrer Laufbahn schon einmal für die erste Mannschaft des Klubs gekickt haben. Zusammen bringen es die 27 Spieler auf mehrere Tausend Spiele für die Erste. Im fortgeschrittenen Alter blieb dann oft immer weniger Zeit fürs Training, viele Spieler sind Familienväter. Da ist die Option, sonntags zu kicken ohne unter der Woche Zeit opfern zu müssen natürlich interessant.

Keine Bewegung unter der Woche

Überhaupt ist der Sonntag als Spieltag ein wichtiges Kriterium, weiß Andreas Edelstein: „Samstags wollen viele nicht spielen. Wegen der Borussia. Einige unserer Spieler haben eine Dauerkarte.“ Dem Team gehe es laut Edelstein vor allem darum, sich mit Spaß an der Freude fit zuhalten – wobei er sich bewusst ist, dass auch Individualtraining bei den Akteuren der Dritten eher kleingeschrieben wird. „Also 90 bis 95 Prozent der Spieler bewegen sich unter der Woche gar nicht. Und die Gegner wundern sich sonntags vor dem Spiel oft, wo die Jungs zum Warmmachen bleiben.“

Die dritte Mannschaft des SC Husen-Kurl kommt ohne Training aus. © SC Husen-Kurl © SC Husen-Kurl

Auch das Thema Taktik findet – realistisch gesagt – kaum bis gar nicht statt. „Das ist alles Quatsch“, sagt Trainer Sascha Schaumann mit einem Lachen. „Wir können aufgrund unseres Alters nicht so spielen, wie wir spielen wollen. Wir spielen noch mit Libero, zwei Innenverteidigern und einem breiten Mittelfeld. Mit schnellen Pässen versuchen wir dann, unsere Chancen zu suchen“, erklärt der Coach seinen Masterplan.

Schaumann: „Wir können in der Liga jeden schlagen“

Das Durchschnittsalter des Kaders betrage 37 Jahre, das älteste Teammitglied Wolle Großmann bringt es gar auf 53 Lenzen. „Vom Alter her haben wir in der Liga nichts verloren. Es kann auch vorkommen, dass uns junge Teams mit langen Bällen überrennen“, weiß Sascha Schaumann. Er ist sich aber auch sicher: „Wenn ich alle unsere Top-Spieler am Start habe, können wir in der Liga jeden schlagen.“ Leider sei das allerdings nicht allzu oft der Fall. Derzeit steht sein Team mit sechs Punkten nach sieben Spielen auf Rang elf der Kreisliga C4.

So sehen die Merchandise-Produkte der Truppe aus. © SC Husen-Kurl © SC Husen-Kurl

Husens „Cervecao“ – ein Wortspiel aus „Cerveza“ (spanisch für „Bier“) und der „Selecao“ (Spitzname der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft) – hat sogar eine eigene Merchandise-Linie. Allerdings können nur Mitglieder die Caps, Shirts, Kapuzenpullis und Badelatschen ordern.

„Gesittetes Ausrasten“ muss verschoben werden

Und im Gegensatz zum Training wird Teambuilding bei der Dritten durchaus großgeschrieben. Für dieses Jahr war eine Mannschaftsfahrt des Teams nach Mallorca geplant. „Aber nicht mit Trallafitti am Ballermann. Sondern auf einer Finca. Da wollten wir mit 17 Leuten ein bisschen gesitteter ausrasten, als die jungen Leute“, erklärt Sascha Schaumann. Doch dann kam Corona. Und nun ruhen die Pläne hierfür vorerst – genauso wie unter der Woche der Ball.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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