Ein Teilnehmerland des bis dato letzten Afrika-Cups hatte einen deutschen Landesliga-Trainer als neuen Nationalcoach auf dem Zettel. © picture alliance/dpa
Fußball

Landesliga-Trainer (63) erhält Angebot als Nationaltrainer eines Afrika-Cup-Gewinners

Mit dieser Anfrage hätte er nicht mehr gerechnet. Mit 63 Jahren hat ein Landesliga-Trainer das Angebot erhalten, die Nationalmannschaft eines afrikanischen Landes zu übernehmen.

Ein bewegtes Fußballerleben hat der 63-Jährige Landesliga-Trainer hinter sich. Er trainierte einst Teams in der damaligen dritten Liga, gilt als Coach von Hannover 96 mit der kürzesten Amtszeit.

Mittlerweile trainiert Alfons Weusthof den ostfriesischen Fußballverein Blau-Weiß Papenburg in der Landesliga Weser-Ems-Staffel I. Als solcher hätte er mit diesem Angebot nie gerechnet: Denn drei ehemalige seiner Spieler dachten an ihn, als sie vom Sportministerium des Kongo, Afrika-Cup-Gewinner von 1974, dazu beauftragt wurden, einen neuen Nationaltrainer zu finden.

Federführend sei Yvon Okemba gewesen. Den ehemaligen kongolesischen Nationalspieler trainierte Weusthof in den 90er-Jahren bei den Kickers Emden in der Oberliga Nord sowie in der Regionalliga Nord, was beides zu ihrer jeweiligen Zeit der 3. Liga entsprach.

Ebenfalls im Auswahl-Komitee waren Rock Malonga, den der 63 Jahre alte Coach beim VfB Oldenburg ebenfalls in der 3. Liga trainierte, sowie Roland Buitys, den Weusthof beim SV Meppen unter seinen Fittichen hatte.

„Vor ein paar Wochen riefen sie mich an und baten um ein Gespräch“, erzählt Weusthof. Da ließ man ihn bereits wissen, dass es wohl um die Stelle als Nationalcoach des Kongo gehen würde. „Ich war ein bisschen irritiert“, sagt der Trainer, „fand die Geschichte aber spannend.“

Das Bild zeigt Alfons Weusthof bei einer Pressekonferenz am 4. Mai 1995. Damals wurde er als neuer Trainer von Hannover 96 vorgestellt, ehe er ein paar Stunden seinen Vertrag wieder auflösen musste. Der Grund: Weusthof verfügte nicht über die passende Trainerlizenz, um den Zweitligisten zu trainieren.
Das Bild zeigt Alfons Weusthof bei einer Pressekonferenz am 4. Mai 1995. Damals wurde er als neuer Trainer von Hannover 96 vorgestellt, ehe er ein paar Stunden seinen Vertrag wieder auflösen musste. Der Grund: Weusthof verfügte nicht über die passende Trainerlizenz, um den Zweitligisten zu trainieren. © imago images/Rust © imago images/Rust

In einem Gespräch stellte sich dann heraus, dass die drei ehemaligen Spieler des Trainers vom Sportministerium dazu beauftragt wurden, einen neuen Trainer zu suchen für die Nationalmannschaft. Die kämpft noch um das Ticket für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Katar.

Okemba, Malonga sowie Buitys hätten nur gute Erinnerungen an ihren Ex-Coach gehabt und hätten seinen Namen deshalb in den Ring geworfen. „Alle drei waren wohl der Auffassung, meinen Namen nennen zu müssen“, sagt der Trainer lachend. Sie hätten einen Coach gewollt, der eine andere Mentalität in das Team bringen kann.

Jetzt macht es der Franzose Alain Giresse

Weusthof hätte die Chance gerne ergriffen. „Nach dem Gespräch hatte ich zugesagt, dass meine Daten übermittelt werden.“ Am Ende hätten sich der Verband, aber auch er dagegen entschieden, dass Weusthof vom Landesligisten BW Papenburg in den Kongo wechselt. „Ich kenne das Land und die Sprache nicht.“ Was aber nicht heiße, dass Weusthof das Abenteuer nicht gerne angetreten wäre. Der Kongo selber entschied sich zum Schluss für Alain Giresse, ehemaliger französischer Nationalspieler und Europameister von 1984.

Ganz raus aus der Verlosung sei der deutsche Coach damit aber noch nicht, verrät er. „Der Verband teilte mir mit, dass es auch noch eine Zeit nach Katar gebe und ich damit rechnen kann, in der Verlosung zu bleiben“, sagt er.

Insgesamt sei es „eine nette und exotische Geschichte gewesen, die selbst meine Familie nicht geglaubt hätte“, sagt Weusthof.

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Niklas Berkel

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