Der Stillstand auf Sportplätzen und in Sporthallen schlägt sich auch in den Mitgliederzahlen nieder. © picture alliance/dpa
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Magische Mitgliedergrenze bei Vereinen wird wohl erstmals seit 15 Jahren unterschritten

Das Corona-Jahr 2020 wird aller Voraussicht nach die Zahl der Mitglieder in den Sportvereinen in NRW unter eine magische Grenze drücken, die das letzte Mal im Jahr 2004 unterschritten wurde.

Noch ist nichts endgültig fix, und beim Landessportbund (LSB) sind noch nicht alle Meldungen über die Entwicklung der Mitgliederzahlen aus Städten und Gemeinden eingetroffen. Doch die Tendenz ist jetzt schon klar: Die Folgen des Jahres 2020 mit einer Pandemie, die über lange Phasen das Sportleben im Lande lahmgelegt hat, wird auch an der Entwicklung der Mitgliederzahlen ablesbar sein.

„Zuletzt haben wir bei den Mitgliederzahlen ja immer wieder noch leichte Steigerungen erzielt, lagen in den letzten 15 Jahren immer deutlich über der Marke von fünf Millionen Mitgliedern in Sportvereinen in NRW. Sicher ist, dass wir jetzt jedoch aufgrund der langen Schließungszeiten mit einem Mitgliederrückgang rechnen müssen“, sagt LSB-Sprecher Frank-Michael Rall.

Und der, so Rall, könne durchaus bei minus drei bis vier Prozent liegen. In absoluten Zahlen ausgedrückt, würde das bedeuten, dass die gut 18.000 Sportvereine in NRW das Jahr 2020 mit einem Minus von 150.000 bis 200.000 Mitgliedern abschließen und damit wieder deutlich unter die Fünf-Millionen-Marke rutschen würden.

„Dennoch sehen wir hier im Sportland NRW eine höhere Solidarität zum Verein als im Bundesvergleich. Ich bin Mitglied im Sportverein. Bevor ich daran rüttele, mach ich erstmal andere Sachen. Diese Haltung haben ganz viele Menschen in NRW. Und das unterscheidet uns auch von anderen Bundesländern.“

Der Landessportbund habe diese Beharrlichkeit von Millionen von Sportlerinnen und Sportlern ab November mit seiner Initiative „Trotzdem Sport“ unterstützt. „Mit diesem verstärkten Förderengagement im November und Dezember haben wir dem entgegengewirkt, dass die Leute desillusioniert dem Verein den Rücken kehren. Und für alle Beteiligten war wichtig zu sehen, dass wir die Situation im zweiten Lockdown nicht nur angeguckt haben, sondern ein Angebot mit vielen Alternativen auf die Beine gestellt haben“, sagt Rall.

Solidarität der Mitglieder

Und noch etwas stimmt den LSB vorsichtig optimistisch. „Das sind die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown“, sagt Rall. „Damals gab es bei uns kaum Rückmeldungen nach dem Motto „Bei mir laufen die Mitglieder weg“. Was wir vielmehr erlebt haben, war eine tolle Solidarität der Mitglieder zu ihrem Verein. Die meisten sind dabeigeblieben. Darum haben wir die erste Welle der Schließungen auch nahezu unbeschadet überstanden.“

Der zweite Lockdown habe sich hingegen anders ausgewirkt. Die Bindung der Mitglieder sei zwar nachwievor hoch. „Was jedoch wegfällt zu Beginn dieses Jahres, sind viele Neuanmeldungen“, sagt Rall. „Die Menschen, die mit dem guten Vorsatz ins neue Jahr starten, Sport im Verein zu treiben und sich im besten Fall gleich mit der ganzen Familie anmelden, fehlen uns. Das werden wir spüren. Die Zahl der ganz normalen Abmeldungen, die es am Ende jedes Jahres gibt, können wir diesmal längst nicht durch Neuaufnahmen vollständig kompensieren. „

An den Menschen genagt

Und noch eine Veränderung hat Rall festgestellt. Der zweite Lockdown hat an den Menschen genagt. „Das Problem ist, wenn die Wiederholungschleife einsetzt. Beim ersten Lockdown hat man gedacht, das sei eine Ausnahme, die man aussitzen könne. Aber dann kam die zweite Runde, die jetzt ja auch schon länger geht. Dann stellt man als Mitglied und als Verein schon fest, dass es schwerer wird zu mobilisieren.“

Und noch eine Lehre habe man laut LSB aus dem Jahr 2020 ziehen können: Besonders schwierig war die Zeit für die große Anzahl tausender sehr kleiner Vereine im Lande. „Im Gegensatz dazu sehen wir die wenigen NRW-Großvereine im Breitensport mit über 1000 Mitgliedern und vielen Sportarten unter einem Dach, die Strukturen haben, mit denen sie diese Krise besser bewältigen können. Kern ist, dass diese Großvereine auch Hauptamtliche beschäftigen, die das Ehrenamt spürbar z. B. von juristischen Feinheiten oder Verwaltungsangelegenheiten entlasten. Und denen ist es aufgrund ihrer Organisationskraft gelungen, ihren Mitgliedern auch in dieser schwierigen Zeit Angebote zu machen, die sie an den Verein binden.“

Ende März herrscht Klarheit

Beim LSB werden aktuell noch die Zahlen gesammelt. „Nur die Vereine, die sich an unserer jährlichen Umfrage beteiligen, haben auch die Chance auf Fördergelder. Von Übungsleiterförderung bis Sportstättenunterstützung haben wir viele Töpfe, aus denen die Vereine schöpfen können. Von daher ist die Zahl der Rückmeldungen schon sehr hoch und das Ergebnis durchaus repräsentativ.“ Ende März wird man es ganz genau wissen.

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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