Dank eines späten Siegtores behielt der TuS Holzen-Sommerberg (weiße Trikots) im Duell zweier A-Ligisten gegen den SC Husen Kurl mit 3:2 die Oberhand. © Bernd Paulitschke
Fußball

Mit vier Jahren angemeldet und nie den Klub gewechselt – Fußballromantiker beendet Karriere

Ein Leben lang bei ein und demselben Verein nicht mehr möglich? Dieser Dortmunder strafft die Kritiker Lügen. Er erlebte die guten und weniger guten Zeiten seines Klubs mit - und das ohne Bezahlung.

Gibt es sie noch, die Fußball-Romantiker? Für diesen Dortmunder Amateurfußballer ist klar: „Ja, es gibt sie noch.“ Er selbst ist das beste Beispiel. Ein Leben lang spielte er für ein und denselben Verein. Nun hat er seine Fußball-Karriere beendet – und bleibt dem Verein trotzdem als Co-Trainer erhalten.

Marvin Busse ist geboren im Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands, im Jahr 1990. Es dauerte nicht lange, da schloss er sich dem SC Husen-Kurl an. „Das muss 1994 oder 1995 gewesen sein“, erinnert er sich. Seit diesem Zeitpunkt ist der Vereinsmitglied des Klubs, er spielte nie für einen anderen Amateurfußball-Verein in Dortmund – auch wenn es eine Zeit gab, in der an einen Vereinswechsel dachte. „Ich habe alles mitgenommen im Verein“, sagt er.

Er war an den guten Tagen in der jüngeren Vergangenheit des SC beteiligt und auch an den weniger guten. In der Jugend – Busse spielte meist mit den 88er- und 89er-Jahrgängen – stieg er regelmäßig auf. „Wir hatten eingespielte, gute Truppe. Wir haben immer zusammengespielt“, erzählt er. Als er schließlich in der Saison 2009/2010 sein erstes Seniorenjahr spielte, zahlte sich das aus.

Der SC Husen-Kurl war zu dieser Zeit ein guter A-Kreisligist, immer oben mit dabei. Der große Wurf wollte aber nicht gelingen. Als Marvin Busse zum ersten Mal mit dabei war, gelang er sofort. Mit vier Punkten Vorsprung vor dem VfB Lünen stieg der Sportklub in die Bezirksliga auf.

Dort etablierten sich die Husen-Kurler schnell. Bereits im ersten Jahr hielt der kleine Verein souverän die Klasse und mauserte sich in den ersten drei Bezirksliga-Jahren zu einem gestandenen Bezirksliga-Team. Damit, dass bereits im vierten Jahr der Aufstieg gelingen sollte, rechnete allerdings niemand im Verein.

Vor allem deshalb, weil die Saison nicht gut startet, erinnert sich Busse. „Wir sind damals mit zwei Niederlagen gestartet“, sagt er. Der Klub steigerte sich aber kontinuierlich. Am achten Spieltag übernahm der SC zum ersten Mal die Tabellenführung, die er am 13. Spieltag wieder verlor und am 17. wieder zurückeroberte. Von da an sollte Husen-Kurl diese nicht mehr hergeben.

„Am Anfang fanden wir es witzig, ganz oben zu stehen“, erinnert sich Busse schmunzelnd. Aber je länger er und seine Teamkollegen die Spitzenposition innehatten, desto fester glaubten sie an die Möglichkeit, das Unmögliche möglich zu machen.

Husen-Kurl blieb oben, stieg mit 62 Punkten vor dem Werner SC (58) auf. „Das war mit die beste und sportlich erfolgreichste Zeit.“ Auch in der kommenden Saison holte sich der SC einen Erfolg. Obwohl die Landesliga für das Team eine Nummer zu groß war – Husen-Kurl stieg mit nur zehn Punkten direkt wieder ab – gewann der Klub den dritten Platz bei der Hallenstadtmeisterschaft. „Was da auf und neben dem Platz abging, war einmalig“, so Busse.

Fußball ohne Bezahlung – das wollte keiner glauben

Die Landesliga, so erzählt er, sei einfach eine Nummer zu groß gewesen. „Das war abzusehen. Wir waren ja noch immer die Husener Jungs aus dem Ort. In der Landesliga waren ganz andere Kaliber vertreten. Wir spielten alle ohne Bezahlung. Die Gegner haben uns nicht nur einmal gefragt, ob das stimme. Die haben uns das einfach nicht geglaubt“, so der Ex-Spieler lachend.

Danach erlebte er aber auch die weniger erfolgreichen Zeiten beim Verein mit. Nach dem Landesliga-Jahr dauerte es nur zwei Jahre, ehe der SC Husen-Kurl wieder da anlangte, von wo Busse und Co. 2010 gekommen waren: in der Kreisliga A. Im ersten Jahr konnte der Abstieg noch mit Mühe und Not am letzten Spieltag verhindert werden, ein Jahr später war der Abstieg aber nicht mehr zu verhindern.

„Da war ich das erste Mal offen für einen Wechsel“

„Da hatte ich eine Zeit lang den Spaß am Fußball verloren“, erzählt Busse. Das war die einzige Zeit, wo der Husen-Kurler Spieler schlechthin an einen Vereinswechsel dachte. „Ich habe jedes Angebot immer abgelehnt. Aber da war ich das erste Mal offen für einen Wechsel.“ Gespräche mit Jörg Lange und Brackel 06 seien gut gelaufen – aber Marvin Busse entschied sich anders.

„Der Verein ist meine Familie. Man kann so sagen, dass ich ein Fußball-Romantiker bin.“ Er wollte bei seinem Verein bleiben, ihm auch in sportlich schlechteren Zeiten, als er sie bis dahin erlebte, die Treue halten. Deshalb bleibt er auch jetzt dem SC treu.

In den vergangenen drei Jahren konnte Marvin Busse fast nie Fußball spielen. Eine schwere Knieverletzung war der Grund. Ein geplantes Comeback machten immer wieder Schmerzen – dann auch im anderen Knie – zunichte. Für ein Abschiedsspiel hat es am vergangenen Sonntag gegen BW Alstedde aber noch gereicht. Das 1:3-Ergebnis geriet dabei in den Hintergrund.

Nun wechselt Busse in den Trainerstab des Vereins. „Ich kenne es nicht anders, zweimal die Woche mindestens beim Training zu sein und sonntags zum Spiel zu fahren. Deshalb bot ich dem Trainer, Dominik Herrmann, an, im Betreuer- oder Trainerstad mitzumachen.“ Marvin Busse ist eben noch ein wahrer Fußball-Romantiker. Einmal Husener, immer Husener.

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