Mittlerweile gehe es ihm wieder den Umständen entsprechend gut, teilte Christian Eriksen der Öffentlichkeit mit. Sein Zusammenbruch schockierte aber jeden. © dpa
Fußball

Nach Herzstillstand von Christian Eriksen – Wie reagiert der Fußballverband in Westfalen?

Ein plötzlicher Zusammenbruch, ein plötzlicher Herzstillstand - wie er Christian Eriksen im Länderspiel zwischen Dänemark und Finnland passierte - kann auch im Amateurfußball auftreten.

Es waren die schlimmsten Minuten für jeden – Zuschauer, Spieler, Verantwortliche – bei der Europameisterschaft 2020, das ist schon jetzt sicher. Als die Ärzte nach Christian Eriksens Zusammenbruch um sein Leben kämpften, rückte der Fußball weit in den Hintergrund. Die Bilder waren schrecklich. Sie werden nie verschwinden. Und sie rufen in Erinnerung, dass ein plötzlicher Zusammenbruch, ein plötzlicher Herzstillstand jeden ereilen kann.

Auch im Amateurfußball kann es zu jeder Zeit zu so einer Situation kommen. Es kann den Fan, das Vorstandsmitglied oder einen Spieler treffen. Nur wie können die Vereine in solchen Momenten mit der Situation umgehen?

Christian Eriksen hatte das Glück, dass er aufmerksame Mitspieler und Notärzte direkt in der Nähe hatte. Und das Glück, dass im Parken, im Fußballstadion in Kopenhagen, ein Defibrillator vorhanden war.

Ein Defibrillator kann nur von ausgebildeten Personen benutzt werden und kostet eine Menge Geld. Doch in der entscheidenden Situation kann er Leben retten.
Ein Defibrillator kann nur von ausgebildeten Personen benutzt werden und kostet eine Menge Geld. Doch in der entscheidenden Situation kann er Leben retten. © Sabine Geschwinder © Sabine Geschwinder

Simon Kjäer, Kapitän der Dänen und ein guter Freund Eriksens, sorgte dafür, dass sein Mitspieler seine Zunge nicht verschluckte. Die Ärzte begannen, nachdem sie feststellten, dass sein Herz nicht mehr schlug, direkt mit einer Herzdruckmassage. Der Einsatz des Defibrillators unterstützte die Ärzte dabei. Sie zusammen retteten Eriksens Leben.

Und sie gaben ein Beispiel ab, wie sich Vereine im Amateurfußball aufstellen könnten. Nur wenige Vereine besitzen einen Defibrillator. Bei nur wenigen Spielen im Amateurfußball sind Ärzte anwesend. Nicht jeder Spieler, weiß auf den Punkt, wie er einem solchen Fall handeln müsste.

Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) habe deshalb vor einiger Zeit eine Info an die Vereine geschickt. Darin habe der Verband sie erinnert, regelmäßig an Erste-Hilfe-Kursen teilzunehmen und über den Kauf eines Defibrillators nachzudenken, erklärt FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders.

Eine Verpflichtung dazu gebe es aber nicht. „Gott sei Dank sind das sehr seltene Fälle“, erklärt Schnieders. Deshalb müsse man „ein vernünftiges Maß finden. Wir können die Vereine nicht finanziell zwingen“, beispielsweise einen Defibrillator, der mehrere tausend Euro kostet, zu kaufen.

So selten sollen sie aber gar nicht sein, sagte beispielsweise der Wiederbelebungsexperte Bernd Böttiger in einem Spiegel-Interview. Jeden Tag würden 200 Menschen nach einem plötzlichen Herzstillstand sterben, sagte er. Der plötzliche Herzkreislaufstillstand sei die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Deswegen plädiert der Experte dafür, dass ein Großteil der Bürger dazu in der Lage sein sollte, einen Herzdruckmassage durchzuführen.

Auch Erste-Hilfe-Kurse bietet der Verband aber nicht an. „Das läuft über die Kommunen, die Maltester oder das Deutsche Rote Kreuz beispielsweise“, sagt er. Da können die Mitglieder der Vereine ihr Vorwissen auffrischen. Eine Pflicht, dass so und so viele Vorstandsmitglieder oder Spieler eine regelmäßige Erste-Hilfe-Auffrischung haben müssen, gebe es nicht.

Die meisten Personen machen in ihrem Leben mindestens einmal einen Erste-Hilfe-Kurs. Beispielsweise für den Erhalt des Führerscheins wird ein solcher gebraucht. Auch um einen Trainerschein zu machen, muss der Anwärter die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs nachweisen. Die Frage ist nur, ob das reicht?

Reichen die Kenntnisse eines Trainers, der vor vielen Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hat, um in einem solchen Fall das Leben des Fans, Spielers oder Verantwortlichen zu retten? „Wir werden sicherlich im Präsidium das Thema noch mal aufnehmen“, sagt Schnieders. Und die Vereine – hoffentlich – auch.

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Niklas Berkel

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