Der RSV Meinerzhagen war zuletzt Konkurrent des ASC 09 Dortmund. © Stephan Schuetze
Fußball-Oberliga

Nuri Sahin zieht sein Geld aus Meinerzhagen raus – Klub hat entschieden, wie es weitergeht

Der RSV Meinerzhagen war auch Dank der Hilfe vor Ex-BVB-Profi Nuri Sahin ein Shootingstar im Amateurfußball. Doch dann brachten Geldsorgen die Oberliga-Zugehörigkeit in Gefahr. Jetzt gibt es eine Entscheidung.

Für den Liga-Konkurrenten des ASC 09, den RSV Meinerzhagen, ging es in den letzten Jahren stetig bergauf. 2015 noch mit Ach und Krach dem Abstieg aus der Bezirksliga entkommen, zeigte danach die Leistungskurve des Klubs aus dem Westen des Sauerlandes nur noch nach oben.

Die Krönung dieses Höhenfluges war 2019 der Aufstieg in die Oberliga Westfalen, wo der Klub die verkürzte Saison 2019/2020 immerhin als Tabellendritter abschloss. Die Euphorie vor Ort war groß, auch weil Ex-BVB-Profi Nuri Sahin sich ein ums andere Mal im Stadion seines Heimatvereins blicken ließ und obendrein auch finanziell mit seinem Engagement über Jahre vieles möglich machte.

Doch im April kam plötzlich der Notruf aus dem Sauerland. Dem Klub fehlten nach eigenen Angaben damals 100.000 Euro im Etat. Nicht nur der Hauptsponsor werde sich wohl zurückziehen – auch das Engagement von Eigengewächs Nuri Sahin werde nach sechs Jahren in Meinerzhagen nicht in der bisherigen Form weitergehen. Die weitere Oberliga-Zugehörigkeit war akut gefährdet.

Doch jetzt kann Clubchef Dirk Rebein Entwarnung geben. „Wir werden in der nächsten Saison auf jeden Fall Oberliga spielen können. Das ist gesichert“, sagt Rebein im Interview. Gerettet hat den Klub aber nicht etwa üppiges Sponsoring, sondern ein eiserner Sparkurs. „Wir haben unseren Etat der 1. Mannschaft um 44 Prozent gekürzt“, erklärt Rebein. Die Hälfte der Spieler hat den Klub verlassen. Und die, die geblieben sind, waren ihrerseits bereit auf Geld zu verzichten.

Nicht alle Löcher waren zu stopfen

Nötig sei das alles geworden, so Rebein, weil die Unterstützung aus der heimischen Wirtschaft einfach nicht so groß gewesen sei, um alle Löcher, die das Pandemie-Jahr gerissen hat, wieder zu stopfen. Dass das Sponsoring der Industrie vor Ort letztlich so dürftig gewesen sei, habe ihn schon enttäuscht, sagt Rehbein. „Nach der Erfolgsgeschichte der letzten Jahre ist das auf eine Art echt niederschmetternd.“ Allein der Trikotsponsor sei dem RSV von den heimischen Industrie-Unternehmen treu geblieben. „Dagegen haben uns aber die heimischen Banken und viele Kaufleute geholfen.“

Und Nuri Sahin, unterstützt er den Klub weiter finanziell? „Nein“, sagt Rebein. „Die Vereinbarung für seine Engagement war auf sechs Jahre bis 2021 angelegt. Und diese sechs Jahr sind nun vorbei. Entsprechend erhalten wir auch von dort keine wirtschaftliche Unterstützung mehr. Natürlich hat das auch Einfluss auf das, was wir den Spielern zahlen können.“

Doch was ihm an Solidarität mit dem RSV von außen gefehlt hat, hat Rebein bei seinem Trainer gefunden. Mutlu Demir war der erste, der eine Fortsetzung seiner Arbeit beim Klub fixmachte. „Er war der Vorreiter. Mutlu ist Meinerzhagener, ein Urgestein. Und hat dem Klub etwas zurückgegeben von dem, was er in den letzten Jahren hier erlebt hat.“

Dramatische Veränderungen

Der Trainer selbst ist trotz der dramatischen Veränderungen im Kader optimistisch. „Qualitativ, das ist richtig, haben wir an Substanz verloren“, sagte Demir. „Aber wir nehmen es sportlich. Denn wir spielen ja schließlich Oberliga. Und darauf freuen wir uns.“

Der Kader bei Meinerzhagen werde deutlich regionaler, sagt Demir. „Wir sind in der Bezirksliga fündig geworden und binden zudem junge, hungrige Talente an uns. Dass dabei aller Voraussicht nach in der nächsten Saison kein Spitzenplatz herauskommen wird, dürfte niemanden überraschen. Aber wir werden nichts unversucht lassen guten Oberliga-Fußball zu spielen, der den Fans Spaß macht.“

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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