Lang ist's her: Vater Peter Tomaschewski und sein Sohn Mathias. © privat
Amateurfußball

„Pommes-Generation“ – Dortmunder Amateur-Urgestein spricht über die heutigen Fußballer

Peter und Mathias Tomaschewski sind fest im Dortmunder Fußball verankert. Im Interview spricht das Duo über Strenge in der Erziehung, die Möglichkeiten von Westfalia Huckarde und die heutigen Fußballer.

Wenn der Vater mit dem Sohne: Reden Papa und Filius über Fußball, klingt zunächst ganz viel nach früher. Beide sind Straßenfußballer, wie sie ihm Buche stehen, ihre Farben sind Schwarz-Gelb. Nahm der Papa früher den Sohn zu seinen Spielen mit, ist nun der „Alte Herr“ Fan seines Jungen. Die Farbe ist dann allerdings Rot.

Wer seit Jahrzehnten den Dortmunder Amateurfußball verfolgt, weiß etwas mit dem Namen Tomaschewski anzufangen. Peter (63) und Mathias (35) zählten überall da, wo sie auftauchten, zu gern gesehenen und gern gehörten Spielern und Trainern. Auch in Corona-Zeiten tritt in ihrer Umgebung keine Langeweile auf, zumal der Junior gerade mit Westfalia Huckarde in der Bezirksliga als Aufsteiger einen beachtlichen Start hinlegte.

Mit 13 Punkten aus sieben Spielen sind die Huckarder immerhin Fünfter. Das einzuordnen überlassen wir beiden Tomaschewskis. Dazu kommen eine Einschätzung des Fußballs von heute sowie Einblicke in das Leben einer Familie, in der der Fußball traditionell eine Große Rolle spielt.

Zuerst die Frage nach Ihren Spitznamen: Fast alle kennen Sie unter Toma. Gibt es weitere?

Peter: Toma! Ich glaube, viele wissen gar nicht, dass ich Peter heiße.

Mathias: Nur Toma, außer ich bin mit Papa gemeinsam unterwegs, da sagen die „Alten“ dann schon mal kleiner und großer Toma.

Wir blicken zurück: Welche Fußball-Station war die schönste in Ihrem Leben und warum?

Peter: Das ist ganz klar Hellweg Lütgendortmund. Wir waren in den Siebzigern zweite Kraft hinter dem BVB, zunächst als Verbandsligist, dann als Oberligist. Die Borussia war ja jahrelang zweitklassig. Die hatten Angst vor uns, dass wir sie überholen. Kaum vorstellbar, wie viele Zuschauer wir damals hatten. Und das war eine Gemeinschaft, wie sie heute gar nicht mehr möglich ist.

Mathias: Die Zeit im BVB, weil ich schon früh im Leben viel sehen und kennenlernen durfte und es bis zu den Verletzungen die unbeschwerteste Zeit war. Danach folgt sicherlich der DSC Wanne-Eickel, weil ich den Verein mitentwickelt, aber vor allem den sportlichen Anspruch mit familiärer – meine Tochter kam in dieser Zeit zur Welt – und beruflicher Karriere kombiniert habe. In dieser Zeit bin ich am meisten gereift und war nach den vielen Verletzungen mit mir im Reinen. Ich konnte befreiter aufspielen.

Welche sind Ihre fußballerischen Lieblingsfarben und warum?

Peter: Die Frage beantworte ich mit Schwarz-Gelb. Das sind die Farben von Hellweg und dem BVB. Beide Vereine sind Herzensangelegenheiten.

Mathias: Ich habe eine Vergangenheit beim BVB und bin ein Dortmunder Junge, also Schwarz-Gelb. Es ist aber keine Verbissenheit zu den Farben.

Wie sind Sie dem Fußball heute verbunden?

Peter: Ich verfolge natürlich den BVB und das, was mein Sohn macht. Ich sehe mir aber auch mal Spiele in der Umgebung meines Vororts Lütgendortmund, dem ich Zeit meines Lebens verbunden bin, an. Ich war beim TuS Bövinghausen, aber auch öfter etwas weiter weg in Aplerbeck. Selbst mache ich aber nichts mehr.

Mathias: Ich bin als Spielertrainer bei Westfalia Huckarde aktiv. Und wenn meine Frau es mir hin und wieder erlaubt noch mit den Jungs in der Soccerhalle, denn da zählt nur der Spaß am Ball.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit dem Ball?

Peter: Der Ball war eher ein Luxus. Ich bin ja noch ein Kind der Generation, die mit allem spielte, was ein Ball sein könnte. Dosen, Socken, Trinkflaschen, wir haben alles genommen und waren immer auf der Straße.

Mathias: Der Ball ist immer mein Begleiter und selbst heute brauch ich noch im Büro einen Tennisball unter dem Tisch. Ich erinnere mich daran, dass ich mit Papa als Sprössling immer in meinem Kinderzimmer auf selbstgebauten Toren spielen wollte und er dann antwortete, nur wenn ich auch mal mit dem schwächeren Fuß schieße würde.

Wie erinnern Sie sich an Ihren Sohn, als dieser ganz klein war? Und wie sind Ihre ersten Erinnerungen an Ihren Vater?

Peter: Mathias war schon als ganz kleiner Junge immer dabei, wenn ich spielte oder trainierte. Er wollte immer unbedingt mit. Seinen eigenen Ball hatte er natürlich dabei. Er war immer Fußballer durch und durch. Die heutige Generation, die ich Pommes-Generation nenne, hat mit Mathias nur wenig gemeinsam. Die jungen Leute heute haben einfach andere Schwerpunkte. Mathias war immer anders. Ich erinnere mich, dass meine Frau manchmal nachts wach wurde, weil Mathias zum Kühlschrank schlich und selbst diesen Weg nicht ohne Ball ging.

Mathias: Ich bin mit ihm und den Alt-Hellwegern auf dem Sportplatz groß geworden und habe Papa, auch als er später Trainer war, immer genervt, weil ich mit zum Training oder den Spielen wollte. Er erzählte mir dann (leider heute noch), wo und wie viele Tore er irgendwo mal gemacht hat. Das Schlimme ist allerdings, dass egal, wo ich später in NRW auf Plätzen selbst gespielt habe, in der Regel immer ein Rentner zu mir kam und mich gefragt hat, ob ich der Sohn vom Toma sei und mir Papas Erzählungen bestätigt hat.

Waren Sie ein strenger Vater? Hatten Sie einen ehrgeizigen Vater?

Peter: Ich glaube nicht, dass ich streng war. Ich habe Mathias immer die Freiheiten gelassen, das zu tun, was er wollte. Ich habe ja auch meiner Tochter, die jünger als Mathias ist, einen Weg ohne Fußball ermöglicht. Mir tat es damals leid, dass Mathias sich so schwer verletzte. Er war einer der wenigen, die in der Jugend den Weg vom VfL Bochum zum BVB gingen.

Es war sonst eher so, dass die Jungen von der Borussia nach Bochum wechselten, wenn es nicht ganz gereicht hat. Aber Mathias hat es dann eben nicht geschafft. Ich bin aber glücklich und auch stolz, dass meine Kinder beide ihren beruflichen und familiären Weg gehen. Das ist wirklich beruhigend und schön.

Mathias: Ehrgeizig in dem Sinne, dass er immer das Beste für mich wollte und das nie auf eine strenge Art. Er hat mich bei meinen drei Kreuzbandrissen und dem Knorpelschaden begleitet und dabei unterstützt, mit den sportlichen und auch gesundheitlichen Konsequenzen klarzukommen. Er ist die Person, die mich beim Fußball am besten lesen kann. Und für mich war und ist auch immer nur seine Meinung nach einem Spiel von mir wichtig.

Sind Sie sich ähnlich? Was eint Sie, wo sind Sie unterschiedlich?

Peter: Der Fußball hat für uns beide einen hohen Stellenwert gehabt. Wir fühlen uns auf den Plätzen wohl. Ich denke, fußballerisch hat sich dann doch einiges verändert. Die Zeiten, in denen wir aufgewachsen sind, lassen sich einfach nicht vergleichen.

Mathias: Wir ähneln uns von der Art, wie wir Fußball sehen und verstehen sehr. Für uns beide ist er ein wichtiger Bestandteil in unserem Leben und hat sicherlich auch dazu beigetragen, wer und wie wir heute sind. Wir mögen dabei den lockeren Spruch auf und neben dem Feld und bei uns zählt der Handschlag. Ich bin aber sicher der peniblere Mensch und dadurch eher mit Dingen unzufrieden.

Was hättest du gerne von deinem Vater? Was hätten Sie gerne von Ihren Sohn?

Peter: Ich gönne Mathias alles, was er hat. Seine fußballerische Ausbildung im BVB und beim VfL sind sicherlich schon ziemlich besonders.

Mathias: Auf den Fußball bezogen sicherlich die Torgefahr und linke Klebe.

Wären Sie zu den Zeiten Ihres Vaters/ Ihre Sohnes als Fußballer klargekommen?

Peter: Ich bin mir da nicht so sicher. Früher waren Einzelspieler, die ins Eins-gegen-Eins gingen, die Stars oder zumindest die herausragenden Typen. Ich erinnere an Nationalspieler wie Pierre Littbarski oder Thomas Häßler. Heute sehe ich Jadon Sancho als einen, der das kann, der aber auch sofort Kritik erntet, wenn er nicht durch die Abwehr kommt.

Ich habe früher als Angreifer ständig das Eins-gegen-Eins gesucht. Auch später war diese Fähigkeit wichtiger in der Wahrnehmung als taktische Systeme. Und die von mir bereits erwähnte Pommes-Generation ist eben auch anders. Wir haben von morgens bis abends auf der Straße gespielt. So haben wir dann auch im Verein gekickt. Heute sind die Kinder ganz anders. Wenn ein Trainer sie kritisiert, hören sie eben auf.

Mathias: Ich glaube teilweise sogar besser. Ich bin ein Straßenfußballer. Und früher wurde auf so etwas noch mehr Wert gelegt und es gab auch mehr davon. Natürlich haben sich in der heutigen Zeit die Möglichkeiten und Trainingsmethoden und dadurch auch die Anforderungen an die Spieler und das Spiel verändert, aber das runde Leder hat sich nicht verändert.

Wie sind Sie dem Fußball heute verbunden? Wenn Sie sich nicht Mathias‘ Mannschaften ansehen, wo sind Sie dann gerne?

Peter: Ich bin zumeist bei Mathias‘ Spielen. In der Freizeit aber verfolge ich den Fußball generell, habe aber das Privileg, mir das auszusuchen, wo ich gerade hingehen möchte. Meine Frau hat mir immer Freiheiten gelassen.

Mathias: Ich schaue mit Papa ab und zu bei Spielen von Ex-Vereinen vorbei, aber ansonsten genießen wir einfach die familiäre Zeit mit meinen Kindern und hoffen, dass es vielleicht irgendwann die nächste Fußballgeneration in der Familie gibt.

Mathias, sind Sie auch ein Trainertyp?

Mathias: Das versuche ich gerade bei Westfalia Huckarde herauszufinden. Die Frage müssen meine Spieler und mein Umfeld beantworten.
Peter
: Ich glaube, dass Mathias das gerade in Huckarde beweist. Er geht sehr gut mit den Spielern um und schafft es auch, die Mannschaft mit Freude erfolgreichen Fußball spielen zu lassen.

Was trauen Sie Westfalia Huckarde zu?

Peter: Dass sie als Aufsteiger weiterhin attraktiven Fußball spielen und auch die von Mathias eingebrachten Impulse umsetzen. Ich sehe die Huckarder gerne spielen. Sie werden auch in dieser Liga eine gute Rolle haben.

Mathias: Ich traue Westfalia Huckarde zu, dass wir uns sportlich und mit der Infrastruktur weiterhin seriös und nachhaltig versuchen, zu entwickeln. Dabei wollen wir einfach eine gute gemeinsame Zeit haben, denn die kann uns keiner nehmen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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