Ein bekannter Dortmunder Fußballtrainer hat mit seinem Klub verlängert. © Nico Ebmeier
Fußball

Rücktritt! Einer der prägendsten Dortmunder Fußballtrainer hört auf

Überraschender Rücktritt: einer der bekanntesten und beliebtesten Trainer Dortmunds wird bald nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Er wird seine Prioritäten nun anders legen.

Ein Trainer, der zuhört, versteht, auf Menschen eingeht, einordnet, zielgerichtet handelt und dabei völlig fußballverrückt ist – so einen hätte fast jeder Klub gerne, selbst wenn durch diese Mischung vielleicht der ganz große Coup ausbleibt. So einer nimmt nach der Saison seinen Hut – ganz stilvoll, in dem er ein bestelltes Feld hinterlässt.

Zum Trainer der Dortmunder Traumelf gekürt

So einer ist Marc Risse (44). Der prägende Mann der vergangenen Jahre im TuS Eichlinghofen, den die Leser dieser Zeitung kürzlich sogar zum Trainer der Dortmunder Traumelf kürten, zieht sich zurück. Und dieser Schritt – so passt es zu ihm – hat er sich genau überlegt: „Ich stand in den elf Jahren, während der ich hier Trainer oder Sportlicher Leiter war, fast täglich auf dem Platz, eigentlich war das schon immer so. Ich möchte jetzt andere Schwerpunkte im Leben setzen“, begründet er seinen Entschluss. Im Übrigen geht er nicht, ohne seinen Nachfolger im Sinne des Klubs ausgesucht zu haben. Wer in leitender Position im Beruf ein gutes Gespür für passendes Personal hat, sollte das auch im Sport haben.

Eichlinghofen-Trainer Marc Risse wird bald nicht mehr an der Seitenlinie stehen. © Schütze © Schütze

Risse, der seine eloquente Ausdrucksweise im Büro einer großen Versicherung auch anwendet, gestattet sich Emotionen: „Ja, die Familie ist mir sehr wichtig. Und da mich der Job zeitlich und emotional sehr beansprucht, möchte ich für sie entspannter da sein.“ Das eine schließt das andere übrigens nicht komplett aus: „Mein Sohn Jonah kickt in Kirchhörde. Ihn möchte ich ein Stück weit begleiten.“

Der Noch-Coach aber versichert, dass alle – und das sind fast wirklich alle -, die ihn schätzen, ihn sonntags an der Hövel oben in Eichlinghofen besonders häufig antreffen. „Ich bin nicht aus der Welt, bleibe dem Verein vielleicht in weniger intensiver Form etwas erhalten. Ansonsten komme ich gerne als wohlwollender Zuschauer.“

So einem ist es wichtig, dass er guten Gewissens überall auftauchen kann. „Wichtiger als die fußballerische Qualität war und ist mir immer die menschliche.“ Dementsprechend unterscheidet sich der Eichlinghofer aus Überzeugung von anderen Trainern, die mit der jüngeren Generation und ihrem „Marotten“ hadern. Er sagt: „Ich habe mich auf jedes Training, jede Begegnung mit meinen charakterlich einwandfreien Spielern gefreut.“ Die Krux daran, räumt er ein, sei dann der eine oder andere verpasste Aufstieg gewesen. So hatten viele Eichlinghofer Mannschaften der vergangenen Jahre mindestens Landesliga-Niveau, das Team aber packte es nicht.

Aber das ändert nichts daran, dass die Ära Risse in Eichlinghofen als ausgesprochen positive in die Vereinschronik eingeht. „Das sportliche Highlight war das Kreispokal-Wochenende 2019, an dem wir aus der Ausrichterrolle heraus den Sieg mitnahmen.“ An diesem Wochenende erinnerte Eichlinghofen mit den begeisterten Fans an die im Dorf als legendär geltenden Hallenauftritte.

Diese Atmosphäre macht auch das Umfeld für höhere Ligen tauglich. Und Risse verstand es immer, dieses zu bedienen. Er musste sich nicht mal verstellen. Denn der selbst erklärte „Überzeugungs- und Prinzipientrainer“ avanciert auch mal zum humorvollen Feierbiest.

Risse weiß das alles richtig einzuschätzen

So einer, der im richtigen Leben Struktur hat, darf am Tresen auch mal aus sich rausgehen: für andere sehr unterhaltsam, aber immer den Stil wahrend. Und so verstand sich Risse auch mit den Hauptdarstellern im Vereinsheim blendend. Die gaben ihm die Sympathie zurück. In einer Form, die den Coach beeindruckte: „Der Vorstand gewährte mir immer alle Freiheiten. Lief es mal nicht gut, rief unser Vorsitzender Thomas Janßen an und sagte: Mach keinen Quatsch und arbeite in Ruhe weiter.“ Dieses Vertrauen tat ihm gut.

So einer darf auch zugeben, dass ebendiese Anerkennung wichtig ist. „Na klar hat mir auch die Wahl als Traumelf-Trainer gutgetan. Irgendwelche Gründe wird es ja haben.“ Risse weiß das einzuordnen. Andere Trainer coachen in anderen Ligen. Aber seine Leute, die ihm wichtig sind, schätzen ihn. Es muss einfach sehr viele davon geben. Denn nur so erklärt es sich, dass Marc Risse prominente Trainer hinter sich ließ.

Marc Risse ist einer der Menschen, die mit sich im Reinen sind und kein großes Aufheben um ihre Beliebtheit und ihre Qualitäten machen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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