Ein Dortmunder Schiedsrichter beklagt Beschädigungen an seinem Fahrzeug. © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa
Fußball

Schiedsrichter beklagt beschädigtes Fahrzeug – beide Vereine widersprechen seinen Aussagen

Nach einem Fußballspiel in Dortmund empörte sich ein Schiedsrichter öffentlich über Beschädigungen an seinem Fahrzeug. Beide beteiligten Vereine widersprechen seiner These über die Schuldigen.

„Schiri, wir wissen wo dein Auto steht!“ – es ist wohl sportartübergreifend der bekannteste und gleichzeitig peinlichste Schmähgesang gegen den Unparteiischen. Nun wurde das, was dem Fahrzeug des Schiedsrichters sonst angedroht wird, nach einem Fußballspiel in Dortmund Realität.

Der Unparteiische fand seinen Roller beschädigt vor. Darüber empörte sich der Spielleiter anschließend im Sozialen Netzwerk „Facebook“. Er schreibt von einer „Sachbeschädigung“, die nach dem Spiel „gemacht“ worden sei. Dazu postete er einige Fotos des betroffenen Rollers. Darauf zu sehen: mehrere Risse im Polster des Fahrersitzes.

So äußerte sich der Schiedsrichter auf Facebook.
So äußerte sich der Schiedsrichter auf Facebook. © Screenshot © Screenshot

Zuvor hatte der Schiedsrichter die Begegnung zwischen dem FC Sandzak Dortmund II und K.F. Sharri III in der Kreisliga C3 Dortmund geleitet. Die Partie, die Sandzak mit 5:2 gewann, fand auf dem Sportplatz an der Provinzialstraße statt. Dort ist auch der TuS Bövinghausen beheimatet.

In seinem Facebook-Post gibt der Unparteiische lesbar aufgebracht an, dass laut Aussage des FC Sandzak Spieler Sharris dafür verantwortlich seien. Er sucht in dem Sozialen Netzwerk nach Zeugen und bittet um Mithilfe. Auf eine Anfrage dieser Redaktion reagierte der Schiedsrichter am Dienstag bis Redaktionsschluss nicht.

K.F. Sharri wird verdächtigt

Das taten dagegen die Verantwortlichen beider Vereine. Agim Jusufi, Geschäftsführer von K.F. Sharri, wehrt sich gegen den öffentlichen Verdacht des Unparteiischen. Er habe ihn am Sonntagabend angerufen. Da habe der Mann an der Pfeife seine Anschuldigung wiederholt, Spieler Sharris hätten ihm die Sitze seines Rollers zerrissen oder aufgeschlitzt – und „Leute von Sandzak“ ihm das berichtet.

Jusufi habe ihm entgegnet, dass der Vorfall traurig sei. Er werde sich bei den Verantwortlichen von Sandzak erkundigen. Jusufi macht am Dienstag klar: Trägt ein Sharri-Akteur daran die Schuld, werde er dafür aufkommen und aus dem Verein ausgeschlossen.

Allerdings ergab Jusufis Nachfrage bei den Gastgebern eine andere Rückmeldung. „Die wussten von gar nichts“, so Jusufi. Sefik Hodovic, Spielertrainer Sandzaks, bestätigte das am Dienstag. „Ob das genau an diesem Tag passiert ist oder nicht, hat keiner gesehen“, so Hodovic.

Er sei überrascht gewesen, als er den Facebook-Eintrag des Schiedsrichters gesehen habe. Dieser könne nicht einfach behaupten, „dass wir gesagt haben, das hätte jemand von Sharri gemacht“, sagt Hodovic.

K.F. Sharri kontert

Genau das verärgerte auch Jusufi. In einem weiteren Telefonat habe Jusufi den Spielleiter an die Polizei verwiesen. Dieser habe ihm entgegnet, er werde das Team nicht mehr pfeifen und den Vorfall in die Öffentlichkeit setzen. Das geschah schließlich mit dem Facebook-Post. Diesen habe Jusufi erst nach Hinweisen gesehen. Er antwortete dem Unparteiischen in dem Sozialen Netzwerk, drohte sogar mit rechtlichen Schritten wegen Rufschädigung.

Sharri-Geschäftsführer Agim Jusifi reagierte auf Facebook. © Screenshot © Screenshot

„Das ist total panne“, so Jusufi. Allerdings werde Sharri die Sache nicht weiter verfolgen. „Wenn da öffentlich nichts mehr von ihm kommt, ist das eine polizeiliche Sache“, sagt der Geschäftsführer. Sharri sei jedoch bereit, zur Aufklärung mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

Beruhigte Gemüter trotz Doppel-Rot

Grundsätzlich herrschte in beiden Lagen Verwunderung darüber, woher in den vorausgegangenen 90 Minuten das Potenzial zu einer Rache-Aktion am Schiedsrichter gekommen sein soll.

Zwar zeigte der Unparteiische in der 63. Minute jeweils einem Akteur die Rote Karte. Nach einem Foulspiel soll sich ein Sandzak-Spieler diese mit einer Beleidigung und einem angedeuteten Schlag verdient haben. Ein Sharri-Akteur habe daraufhin eine Kopfnuss angedeutet. Laut Jusufi und Hodovic hätte dieser Vorfall die Begegnung allerdings nicht überschattet.

„So schlimm war das nicht“, sagt Hodovic. Beide Teams würden sich lange kennen und hätten anschließend noch gemeinsam gegrillt und Cevapcici gegessen, so der Sandzak-Spielertrainer.

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freier Mitarbeiter
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Timo Janisch

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