Hier lacht Söldes Trainer Marco Nagel. In ihm brodelt es aber. © Stephan Schuetze
Fußball-Bezirksliga

Sölde stinksauer wegen Holzwickeder Last-Minute-Verpflichtung – „Vereine gehen über Leichen“

Der Holzwickeder SC II hat sich kurz vor dem Saisonstart einen Sölder Spieler geschnappt. Söldes Trainer Marco Nagel ist stinksauer.

Holzwickeder SC und VfR Sölde liegen nahezu Garten an Garten. Nun ist es kein Maschendrahtzaun, wie einst von Stefan Raab besungen, der beide Vereine nachbarschaftlich streiten lässt, sondern ein Spieler. Andreas Heiß ist sein Name. Und dieser wechselte kurz vor Toreschluss die Farben. Nicht nur das macht VfR-Coach Marco Nagel stinksauer.

Noch mehr als der Wechsel an sich schmerzten die Worte aus dem Lager des Oberligisten in Sölde. Der Coach der Reserve des HSC, Marcel Greig, ließ sich im „Hellweger Anzeiger“ zitieren: „Wir haben kein schlechtes Gewissen. Sölde hat in der Vergangenheit auch schon drei, vier Spieler von uns geholt.“ Und als wäre das nicht genug, sprach Greig von einer „Win-Win-Situation“, da seine Mannschaft verstärkt und ein Konkurrent geschwächt sei.

Starker Tobak! Nagel reagiert mit deutlichen Worten, macht aber klar, dass er sich nicht ändern wolle. „Eine Frechheit! Unanständig! Ich finde das, was Marcel sagt, völlig inakzeptabel. So sollten wir nicht unter Fußballern miteinander umgehen.“ Der Sölde-Trainer ordnet das Geschehene ein: „In den vergangenen Wochen haben ja mehrere Vereine gezeigt, dass sie über Leichen gehen. So will und so werde ich nicht handeln. Die machen einen Spieler einfach zum Vertragsamateur und umgehen damit bestehende Vereinbarungen. Natürlich gehört auch ein Spieler dazu, der das mitmacht oder sogar forciert.“

Nagel weiter: „Na klar, heißt es dann immer, der Spieler wollte wechseln. Wenn ein tolles Angebot kommt, gehen sie. Ohne Rücksicht auf Verluste.“ Dann holt der enttäuschte Coach noch einen Schlag gegen den jetzt ungeliebten Nachbarn heraus: „Wir wollten einen Spieler für die 2. Mannschaft holen – wohlgemerkt aus deren 2. Mannschaft. Und wissen Sie, was die für ihn haben wollten? 1500 Euro! Das machen wir nicht mit.“

Freunde werden die Nachbarn wohl nicht mehr. Denn Sölde sieht sich eher in einer Lose-Lose-Situation. „Die machen, was sie wollen“, fügt Nagel hinzu. Nun ja: Immerhin sportlich ging es gut los. Ausgerechnet die Holzwickeder besiegten die Sölder zum Auftakt. „Das tat gut, aber wir haben jetzt weitere personelle Sorgen. Denn Florian Kralani zieht nach Wuppertal und spielt dann da auch Fußball. Das aber ist völlig okay.“

Das bringt Nagel zurück zum Nachbarschaftsstreit: „Das Tischtuch ist zerschnitten. Die brauchen nicht mehr auf irgendein Entgegenkommen von uns hoffen.“ Es hätte so schön werden können: Der VfR trägt in der Jubiläumssaison Trikots mit der Silhouette seines Dorfes, ein Idyll. Jetzt werden sie froh sein, dass sie keine Gebäude aus der Nachbarstadt zugefügt haben. Zum Glück aber auch keinen Maschendrahtzaun.

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