Bei einem Handballspiel in Dortmund kam es zu einem Polizeieinsatz. © picture alliance/dpa
Handball

Spielabbruch und Polizeieinsatz: Treppen runtergeschubst und Kind (4) aus Tumult gerettet

Ein Dortmunder Handball-Kreisliga-Spiel ist am Sonntag in der Halbzeit abgebrochen worden. Dabei kam es zu mehreren unschönen Szenen.

Spielabbruch in der Dortmunder Handball-Kreisliga: Das zuständige Schiedsrichtergespann hat am vergangenen Sonntag in der Halbzeitpause eine Partie vorzeitig abgebrochen. Grund: Der Schiedsrichter soll während der Pause eine Treppe heruntergeschubst worden sein. Mitten im Getümmel: Ein Kind, das noch rechtzeitig gerettet wurde.

Eigentlich freuten sich die Zuschauer, Spieler und Trainer am Sonntag auf ein normales Handballspiel zwischen zwischen dem SC Huckarde/Rahm und dem TuS Westfalia Hombruch III. Beide Mannschaften waren froh, nach langer Corona-Pause endlich wieder ihrer liebsten Sportart nachkommen zu können. Das Spiel verlief fair, zur Pause führte der Gastgeber aus Huckarde mit 15:10. In jener Zeit soll sich der Vorfall dann ereignet haben. Schiedsrichter Thomas Quandt soll von einer Person eine Treppe heruntergeschubst worden sein.

Danach habe sich Quandt – nach eigener Aussage – nicht mehr dazu imstande gefühlt, die Partie wieder anzupfeifen. Er brach das Spiel ab. Es gab keinen sportlicher Sieger. Später am Tag trudelte noch ein Polizeiwagen ein. Aber was genau ist in der Sporthalle Huckarde an Parsevalstraße 170 passiert?

Schiedsrichter Thomas Quandt schildert den Ablauf wie folgt: Kurz nach seiner Ankunft sei der Corona-Status des Schiedsrichters und seines Kollegen Carlo Hintz von einem Ordner der Huckarder abgefragt worden. Hintz und Quandt sollen ihre Nachweise der vollständigen Impfung dann per Impfausweis und per Corona-Warn-App gezeigt haben. Darauf hin soll der Ordner die beiden Unparteiischen mit einem Leuchtstift am Arm markiert haben. Das Duo erhielt Einlass. So weit, so gut.

Zum Rauchen nach draußen gegangen

Quandt und Hintz pfiffen die Partie an, Huckarde führte, dann erfolgte nach 30 Minuten der obligatorische Pausenpfiff. „Da ich nun mal Raucher bin, bin ich direkt vor die Eingangstür der Halle, wo auch der Ordner stand, zum Rauchen gegangen. Nach der Zigarette wollte ich wieder in die Halle, woraufhin mich der Ordner fragte, wohin ich wollte“, schildert Quandt den Vorfall.

Eine Diskussion zwischen Ordner und Quandt entbrannte. Quandt wollte wieder anpfeifen, der Ordner soll allerdings erneut nach dem Corona-Status gefragt haben, woraufhin Quandt genervt reagiert haben soll. Der Ordner soll Quandt dann schließlich den Eintritt zur Halle verwehrt haben, weil dieser sein Handy mit der notwendigen Corona-Warn-App nicht dabei gehabt haben soll.

Quandt: „Ich war natürlich noch in der Schiri-Kluft, bin drei Schritte zurückgegangen, und habe gerufen, ob ein Verantwortlicher von Huckarde hier ist und dass der Ordner mich nicht in die Halle lassen möchte“, so Quandt. Daraufhin soll ein Beteiligter den Ordner darauf hingewiesen haben, dass Quandt der Schiedsrichter der Partie ist und bereits kontrolliert wurde.

Als der Ordner Quandt noch immer noch in die Halle eintreten ließ, soll Quandt den Ordner beiseite geschoben haben. Die Situation spitze sich weiter zu, als sich daraufhin eine jüngere Frau vor Quandt gestellt haben soll.

„Im Eingangsbereich direkt vor der Treppe stellte sich eine etwas jüngere Dame vor mich mit den Worten: ‚Was ist hier denn los?‘ Ich, total genervt, habe auch sie zur Seite geschoben, um dann die Treppe runterzugehen. Dann hat mich jemand aus dem Mob hinter mir die Treppe heruntergestoßen“, schildert Quandt, der dabei seine Brille verlor, sich aber nicht weiter verletzte.

Daraufhin soll es noch zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Quandt und dem Vater der jungen Frau gekommen sein. Kurz danach informierte Quandt die beiden Mannschaften, dass er das Spiel abbricht. Der Vater der jungen Frau rief die Polizei, die einen Einsatz auf Anfrage unserer Redaktion auch bestätigte.

David Kus, der für die Sportliche Leitung bei Huckarde zuständig ist, war während der Auseinandersetzung nicht in der Halle, habe aber viele Zeugenaussagen gehört. „Ich möchte in dieser Angelegenheit niemanden an den Pranger stellen. Ich war zu dem Zeitpunkt des Vorfalls nicht in der Halle, habe nur Zeugenaussagen gehört. Insgesamt ist das eine unschöne Geschichte. Es kam zum Handgemenge, dann ist der Schiedsrichter leider die Treppe heruntergefallen. Natürlich ist die Angelegenheit in der Entstehung ein No-Go“, sagt Kus, der den Fall intern besprechen und die Sache aufarbeiten wolle.

„Keiner der Beteiligten, auch nicht der Schiedsrichter, soll vorverurteilt werden. Die Geschichte mit dem Schiedsrichter ist ja auch von sportlicher Seite leider noch nicht geklärt. Wir müssen auch an unserem Corona-Konzept und an der Umsetzung weiter arbeiten. Es ist eine Option, dass der zuständige Ordner das künftig nicht mehr macht. Wir stellen sein Verhalten kritisch infrage“, so Kus abschließend.

Dirk Schiereck, Trainer der Huckarder Mannschaft, habe von dem Vorfall selbst nichts mitbekommen. „Wir haben auf der Platte gestanden. Wir hatten uns auf das Spiel wahnsinnig gefreut und waren nach dem Spiel alle enttäuscht und gefrustet. Solche Szenen gehören aber einfach nicht in die Halle“, distanziert sich der Coach von den Vorfällen.

Auch die Hombrucher Westfalia äußerte sich auf Anfrage. Pascal Gohmann, Coach der Hombrucher, der die Aktion selbst nicht gesehen habe, verurteilt solche Szenen: „Ich denke, die Szenen wären von allen Seiten vermeidbar gewesen. Ich möchte aber keine Kritik an den Verein richten, sondern nur gegen eine einzelne Person“, so Gohmann, der zudem noch ergänzte, dass sein kleiner Sohn aus dem Tumult gerettet werden konnte.

Der Handballkreis schweigt vorerst

„Meine Lebensgefährtin hat mit dem Kleinen in der Pause auf dem Spielfeld gespielt. Als das Spiel wieder losgehen sollte, wollten die beiden durch das Treppenhaus auf die Tribüne gehen. Leider haben sie genau den Moment erwischt, in dem es losging. Zum Glück hat eine aufmerksame Zeugin meinen Sohn aus dem Tumult ziehen können“, so Gohmann.

Und was sagt der Handballkreis zu alledem? Der schweigt aus Gründen noch. „Das Verfahren läuft und ist noch nicht abgeschlossen, bis der Sachverhalt geklärt ist. Wir müssen die beteiligten Stellungnahmen abwarten. Aus meiner Sicht sollten wir eine sportliche Entscheidung treffen“, sagt Wolfgang Sommer, Vorsitzender des Handballkreises Dortmund.

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Ralf Wodzinski, Schiedsrichterwart des Handballkreises Dortmund. „Das ist ein laufendes, sportliches Verfahren. Hier werden nun zunächst die Berichte und Stellungnahmen der Beteiligten eingeholt. Da es auch unterschiedliche Sichtweisen geben wird, wird man sich erst dann eine Meinung im zuständigen Gremium bilden können. Ich selbst war nicht vor Ort. Natürlich ist jedes Zusammentreffen dieser Art nicht zu tolerieren“, so Wodzinski.

Neben der noch offenen sportlichen Frage ob des Spielausgangs habe die Schubserei keine weiteren Konsequenzen. Quandt und der Vater der jungen Frau, der die Polizei gerufen hat, sollen sich ausgesprochen haben. Die Polizei traf um 15.03 Uhr ein.

„Es wurden keine strafrechtlichen Ansprüche gestellt. Danach haben wir den Polizeieinsatz beendet“, heißt es vonseiten der Polizei.

Quandt und der Vater sollen sich die Hände gereicht haben. Damit sei das Thema abgehakt gewesen. „Ich habe mich bei der von mir dazu gerufenen Tochter, die wohl etwas irritiert war, in aller Form für mein vielleicht etwas schroffen Wegschieben entschuldigt“, so Quandt schließlich.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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