SV Brackels Trainer Giovanni Schiattarella ist angetan von einem seiner Talente. © Nils Foltynowicz
Fußball

SV Brackels Top-Talent spielt zurzeit richtig stark – soll aber auf dem Teppich bleiben

Wer die Testspiel-Ergebnisse des SV Brackel verfolgt, sieht, dass der Klub - zumindest ergebnistechnisch - noch Luft nach oben hat. Ein Talent des Vereins trumpft dagegen stark auf.

Viertelfinal-Aus beim eigenen Turnier, Ende beim Hecker-Cup nach der Gruppenphase. Es war aber längt nicht alles schlecht, was Landesligist SV Brackel 06 bislang in der Vorbereitung so ablieferte. Erst recht nicht schlecht waren die Leistungen eines jungen Spielers, der nicht nur vier Tore erzielte, sondern auch gegen höherklassige Mannschaften sehr mutig spielte.

Die Rede ist von William Valenti (20), der auf der linken Seite während des Kronen-Kreidekarre-Cups für Furore sorgte und auch in Aplerbeck vor größerer Kulisse gegen Top-Teams wie Türkspor und FC Brünninghausen auffiel. Giovanni Schiattarella, Brackels Trainer und Valentis italienischer Landsmann, weiß, was er an seinem Flügelspieler hat: „Enorm begabt, einer, der den Unterschied machen kann. Aber ich rate ihm bei all dem Lob, auf dem Teppich zu bleiben.“

Valenti hat da wohl bereits zugehört, denn sein Weg aus dem Nachwuchsbereich des FC Brünninghausen nach Brackel zeugt von einem gewissen Realismus: „Als der FCB noch Oberliga spielte, sagte der Trainer mir, ich müsste mich im Seniorenbereich zunächst mit einem Bankplatz begnügen. Aber ich wollte doch spielen.“ Und dann etwas forscher: „Ich will immer spielen.“

„Fußball ist mein Leben!“

Aber fangen wir beim kleinen William in Italien an: „Fußball ist mein Leben!“, schickt der junge Mann vorweg. „Mit zwei, drei Jahren habe ich schon gekickt. Da gab es Fußballschulen, wo wir einiges lernten.“ Die Valentis zogen, als William etwas älter war, nach Deutschland. „Das war anfangs bei meinem ersten Verein, dem Hörder SC, schwierig, weil ich kein Deutsch sprach. Das habe ich erst im Laufe der Zeit gelernt.“ Und zwar ziemlich gut, wie er im Gespräch beweist.

Über die Stationen Hombrucher SV und VfL Kemminghausen landete er in Brünninghausen. Die Spielweise des FCB-Nachwuchses kam ihm entgegen: „Ich spiele gerne und viel mit dem ersten Kontakt. Mit Nils Bachmann hatte ich da den passenden Mitspieler. Das klappte sehr gut, selbst wenn ich lieber auf der Zehn spiele als auf der linken Seite. Aber da wir kein System mit einem zentralen Spielgestalter hatten, entschied der damalige Trainer, mich auf die linke Seite zu stellen. Und das war okay für mich.“

Als dann der nächste Schritt im Leben des Vollblutfußballers folgen sollte, empfahl FCB-Coach Rafik Halim seinem Kumpel Giovanni Schiattarella das mittlerweile zum Flügelspieler umfunktionierte Talent. Der neue Coach benötigte nicht einmal seine Muttersprache, um mit dem jungen Neuzugang zu reden und ihm seine besseren Chancen auf Spielanteile in der Landesliga zu erläutern.

William Valenti hatte auch in seiner Sprachentwicklung große Schritte gemacht: „Wir reden immer auf Deutsch“, sagt der Brackeler Senkrechtstarter. „Das ist auch gut, weil wir nichts vor den anderen verbergen wollen.“ Also wies Schiattarella der Halim-Empfehlung seine Aufgabe zu.

Auch hier gilt: „Der Trainer entscheidet.“ Und der Trainer entschied, Valenti auch in Brackel links spielen zu lassen. „Ich bleibe zwar dabei, lieber auf der Zehn zu spielen, aber das macht mir jetzt auch Spaß. Wir haben ein 5-4-1, also wieder keinen echten Zehner. Da passt eben die Rolle außen zu mir am besten.“ Er sieht sich da als „typischen Eins-gegen-Eins-Spieler“.

William Valenti (M. am Ball) trumpft auf in der Vorbereitung beim SV Brackel 06. © Nils Foltynowicz © Nils Foltynowicz

Valentis Spielfreude, zu der auch der Blick für die Mitspieler zählt, steckt an und gefällt den Zuschauern. Spaß am Fußball vermittelt das Talent bereits während der Vorbereitung. Corona hat seinen Spieltrieb nicht gebremst, eher kommt er jetzt erst richtig zum Vorschein. „Ich freue mich über das Lob, aber ich weiß auch, dass ich zum Beispiel gegen Türkspor den Abschluss besser hinbekommen muss. Da hätte ich auch treffen können.“

Zeit für Tore und Dribblings auf dem Flügel hat er ja noch genug. Schiattarella wird es gerne hören, wie Valenti die Saisonziele formuliert: „Klar, wie jeder Sportler will ich ganz nach oben. Aber für uns zählt eher, nicht unten reinzugeraten und eine gute Rolle in der Liga zu spielen.“

Wenn Valenti so weitermacht, dürfte er zumindest im Brackeler Kader diese gute Rolle spielen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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