Als"Lady Hammer" im Mittelgewicht erfolgreich. Am Sonntag tritt Christina Hammer zum ersten Mal im Supermittelgewicht an. © picture alliance / Guido Kirchne
Boxen

Um den WM-Gürtel: Christina Hammers Re-Start mitten im Lockdown

Es geht turbulent zu im Leben von Ex-Boxweltmeisterin Christina Hammer. Erst kam die Nachricht vom WM-Kampf am Sonntag in Köln, dann hatte sie reichlich Stress im Kampf um Trainingszeiten.

Boxkämpfe in Zeiten von Corona, mitten im Lockdown. Gibt’s das überhaupt noch? Ja, das gibt’s. Und mittendrin im Ring steht Dortmunds ehemalige Mittelgewichts-Weltmeisterin Christina Hammer. Die Nachricht von ihrem Promotor Alexander Petkovic kam auch für eine erfahrene Athletin wie Christina Hammer durchaus überraschend. Drei Wochen nach dem Anruf klettert die 30-Jährige in der Kölner Eventlocation “Motorworld” im Butzweilerhof in den Ring.

Auf den Spuren von Christina Halmich

Es geht um den Interims-WM-Titel im Supermittelgewicht nach Version des WBC gegen die Finnin Sanna Turunen. Gleichzeitig kämpft Hammer um den vakanten Titel der WIBF, dem Verband, bei dem schon Regina Halmich Weltmeisterin wurde. Statt Fans auf den Tribünen wird vor Oldtimern und anderen edlen Sportwagen geboxt, Zuschauer sind nicht erlaubt. Box-Fans können den Kampf unter www.mytvplus.de streamen.

Im Vorfeld hatte Dortmunds Box-Aushängeschild allerdings einige Treffer wegzustecken. Der am Sonntag in Köln geplante Kampf war bereits für Oktober in München vorgesehen, wurde aber wegen der damals gerade erst angestiegenen Corona-Zahlen in der bayerischen Landeshauptstadt kurzfristig abgesagt. „Das ist echt bitter“, kommentierte Hammer vor zwei Monaten die Absage: „Ich hoffe, wir finden noch eine Alternative für dieses Jahr.“ Ihr umtriebiger Promotor fand eine Alternative.

Promotor Petkovic fand Alternative in Köln

Das war nicht der einzige Tiefschlag, den die einstige “Mittelgewichts-Königin” der Verbände WBO, WBF und WBF einstecken musste. In diese Woche folgte ein öffentlich ausgetragener Kampf um Trainingszeiten in der Helmut-Körnig-Halle. Doch jetzt gilt die ganze Konzentration dem WM-Kampf am Sonntag in Köln. Denn mit einem Sieg über die Finnin Turunen will sich die 30-Jährige endlich wieder in den Vordergrund boxen.

“2020 ist wirklich ein verrücktes Jahr für mich, jetzt will ich mit einem Sieg wieder nach vorn blicken“, zeigte sich Hammer zuversichtlich, dass zehn Monate nach ihrem letzten Kampf gegen die überforderte Florence Muthoni aus Kenia am Sonntag in Köln eine neue Zeitrechnung beginnen wird.

Nur eine Niederlage in 27 Kämpfen

27 Kämpfe hat Hammer bislang im Mittelgewicht bestritten, 25 davon gewonnen, sie war jüngste Weltmeisterin und dominierte von Oktober 2010 bis April 2019 als Weltmeisterin mehrerer Verbände die hart umkämpfte Mittelgewichtsklasse bis 72,574 Kilogramm. Hammer war die „Königin des Mittelgewichts“. Bis zu ihrer Niederlage gegen Doppel-Olympiasiegerin Claressa Shields aus den USA. Es war ihre einzige Niederlage in neun Jahren und 27 Kämpfen.

In Köln tritt die Dortmunderin, die als kleines Kind mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland übergesiedelt war und in Sontra bei Kassel zunächst eine neue Heimat fand, wie geplant im Supermittelgewicht bis 76,203 Kilogramm an. Damit gehört das leidige “Gewichtmachen” der Vergangenheit an. Dennoch kam das Angebot von Promotor Petkovic durchaus überraschend. “Vor drei Wochen hat er angerufen, ich habe nicht lange gezögert und sofort zugesagt”, erklärte die Dortmunderin. “Gut, dass ich nach der Absage von München nur eine kleine Pause eingelegt habe und schnell wieder ins volle Training eingestiegen bin. Mein Gewicht und meine Form stimmen, ich war wirklich fleißig”, unterstrich Hammer ihre Ambitionen.

Immer an ihrer Seite: Trainer-Legende Dimitri Kirnos

Doch zunächst muss gekämpft werden. Die Finnin Turunen gilt als routinierte Boxerin. Und angesichts der langen Wettkampfpause sind Vorhersagen eher schwierig. Die Siegerin soll 2021 gegen WBC-Weltmeisterin Franchon Crews Dezurn aus den USA in den Ring steigen. Moralische und taktische Unterstützung erhält Hammer in dieser schwierigen Zeiten natürlich von Trainer-Legende Dimitri Kirnos, mittlerweile 85 Jahre alt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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