Rudi Zorn, der Vorsitzende des Dortmunder Kreisjugend-Sportgerichts, hat aktuell viel zu tun. © Klinke
Juniorenfußball

Verrohung im Dortmunder Jugendfußball – Sportgericht muss schon zweimal pro Woche tagen

Die Anzahl der Fälle vor dem Dortmunder Kreisjugend-Sportgericht nehmen signifikant zu. In dieser Woche wurde schon die 49. Einladung der Saison verschickt - nach sieben Spieltagen.

Andreas Edelstein schlägt Alarm. Der Vorsitzende des Dortmunder Kreisjugendausschusses berichtet, dass die Anzahl der Fälle vor dem Kreisjugend-Sportgericht zunehmen. Und es sind nicht die Kinder und Jugendlichen, die sich nicht benehmen können.

„Man muss es ganz offen sagen, es sind die Trainer und Betreuer, die sich immer häufiger daneben benehmen“, erklärt Edelstein. Die zu verhandelnden Fälle betreffen zur Hälfte Erwachsene und zur anderen Hälfte Heranwachsende. Zuletzt musste ein Vorfall verhandelt werden, weil Erwachsene sich nach einem G-Juniorenspiel in die Köpfe bekommen hatten. Bei einem G-Jugendspiel. Da spielen Sechs- bis Achtjährige gegeneinander.

In den vergangenen Jahren musste das Kreisjugend-Sportgericht maximal 150 Fälle pro Spielzeit verhandeln. Aktuell ist noch nicht einmal ein Viertel der Spielzeit vorbei und es läuft bald die 49. Verhandlung. „Und wir dürfen nicht vergessen, dass aktuell gar keine Entscheidungen fallen. Was ist erst los, wenn es um Aufstieg und Abstieg geht?“, fragt Edelstein, „die Leute müssen mal langsam mal wieder runterfahren. So funktioniert kein sozialer Zusammenhalt.“

Das erwartet er vor allem von den Trainer und Betreuern. Zuletzt wurde ein Fall verhandelt, in dem es drei Aktenzeichen gab. Dreimal ist ein Funktionsträger in der kurzen Zeit negativ aufgefallen. Er wurde für alle Vereinsfunktionen bis zum 31. März 2022 vom Sportgericht gesperrt. „Es kommt einfach immer häufiger vor, dass Trainer oder Betreuer mitten auf dem Platz stehen und den Schiedsrichter beleidigen. Das kann doch nicht sein“, erklärt Edelstein.

Zu viel Unwissenheit

Die Leuten sollten sich aus seiner Sicht mal mehr mit den Durchführungsbestimmungen der Spielordnung befassen. Das würde aus Edelsteins Sicht helfen, um Missverständnisse schon im Vorfeld zu vermeiden. „Es herrscht einfach zu viel Unwissenheit auf dem Plätzen.“ Und es gäbe häufig keine Einsicht.

„Wenn in den Verhandlungen darüber gesprochen wird, dass es nicht sein kann, auf den Platz zu gehen und den Schiedsrichter zu belehren oder zu beleidigen, bekommen wir noch häufig zu hören, dass der Schiedsrichter ja auch schlecht gepfiffen habe“, so Edelstein.

Ein typischer Verhandlungspunkt ist dagegen zurückgegangen. „In den vergangenen Jahren war auf den Plätzen immer wieder das Wort Hurensohn zu hören. Das zieht mindestens eine Strafe von fünf Wochen hinter sich. Das ist eine sexuelle Beleidigung. Dafür scheint das Wort Opfer mehr in Mode zu kommen. Aber auch das ist eine Beleidigung und zieht eine Strafe nach sich“, so Edelstein.

In der vergangenen Woche erst musste Kreisjugend-Sportgericht um den Vorsitzenden Rudi Zorn (FC Brünninghausen) sogar zweimal tagen, weil 13 Fälle verhandelt werden mussten. „Das darf nicht die Regel werden“, sagt Edelstein. Er appelliert noch einmal an alle und in besonderer Form an alle Erwachsenen, dass sich sich besinnen sollen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein müssen.

Und niemand solle sich fühlen, dass der Kreis die Strafen nicht kontrolliert. „Wir fahren bei den Spielen oder auch mal zum Training vorbei. Und wir schauen, ob die gesperrten Trainer oder Betreuer trotzdem ihre Funktionen ausüben“, erklärt der Vorsitzende des Dortmunder Kreisjugendausschusses.

Und zum Schluss räumt Edelstein noch mit einem Klischee auf. „Man hört ja häufig, dass es vor allem im Dortmunder Norden immer wieder Probleme gibt. Das kann ich im Jugendbereich gar nicht bestätigen.“ Und dann betont er noch einmal, dass die Masse ja vernünftig sei. „Aber wenn 7 von 300 Spielen jede Woche eine Verhandlung nach sich ziehen, ist das einfach zu viel.“

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Thomas Schulzke

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