Der eine oder andere Dortmunder Fußballklub setzt auf teure, externe Zugänge. Es gibt aber auch Gegenmodelle im Dortmunder Amateurfußball. © Patrick Schröer
Fußball-Kreisliga

Viele Dortmunder Fußballklubs rüsten mit Geld auf – ein Verein geht einen anderen Weg

Es gibt in Dortmund den einen oder anderen ambitionierten Klub, der mit finanziellen Mitteln externe Spieler verpflichtet. Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Wir haben einen Verein näher beleuchtet.

Der Dortmunder A-Ligist TuS Neuasseln geht – als einer von mehreren Klubs – einen anderen Weg als viele Dortmunder Amateurfußballvereine. Der Traditionsverein aus dem Dortmunder Osten setzt statt auf teure, externe Neuverpflichtungen auf seine Talente aus der eigenen Jugend und nimmt deshalb das Projekt „Vierte Mannschaft“ in Angriff. Denn trotz der Corona-Pandemie profitieren die Blau-Weißen von einem unerwarteten Mitgliederboom.

Innerhalb der letzten beiden Jahren erhöhte sich die Anzahl der Mitglieder von knapp 250 auf über 360. Da liegt es für die Verantwortlichen nahe, eine zusätzliche Mannschaft zum Spielbetrieb zu melden. „Unsere neu gegründete Vierte ist eine reine U-23 Mannschaft, die in der Kreisliga C beginnt. Das Team besteht aus 16 Spielern, die aus der eigenen A-Jugend in den Seniorenbereich gewechselt sind, sowie vier Akteuren, die im vergangenen Jahr aus dem eigenen Nachwuchs stammten“, berichtet Neuasselns Vorsitzender Friedrich-Wilhelm Harbott stolz.

Trainiert wird die Truppe von dem bewährten Duo Jürgen Traut und Michael Seynsche, die in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg die A-Jugend betreuten. In Lucas Skatulla, Philipp Seynsche, Max Löffers und Lennard Limbach gehören außerdem vier weitere Talente aus den eigenen Reihen zum Kader der ersten Mannschaft, die von Marvin Kohl trainiert wird und in der Kreisliga A einen Platz im gesicherten Mittelfeld anstrebt. „Wir haben keinen Großsponsor und dementsprechend auch nicht die finanziellen Mittel, um teure Verpflichtungen zu bewerkstelligen. Deshalb gehen wir den Weg, unsere Talente aus der eigenen Jugend in den Seniorenbereich zu integrieren“ ergänzt Harbott.

Weitere Talente von anderen Vereinen stehen beim TuS bereits in den Startlöchern: Melvin Nicolas Becker (zuletzt TSC Eintracht) und Marc-Andre Schmitt (Westfalia Wickede) haben sich dem Verein angeschlossen. Aus der eigenen A-Jugend wird Torhüter Felix Blume zu den Senioren hochgezogen und trainiert ab sofort bei der Ersten mit. Die Zweite, die in der B-Liga kickt, strebt unter dem neuen Trainergespann Anton Gutfreund und Marcel Stanimirovic den Klassenerhalt an.

Der rührige Vorstand des Traditionsvereins hat noch ein Bonbon für seine treuen Mitglieder parat: „Trotz der Pandemie haben wir keine Mitglieder verloren, außerdem sind unsere kleineren Sponsoren alle an Bord geblieben. Deshalb werden wir bei den Senioren für die Monate Juli bis September 2021 keine Beiträge erheben. Im Juniorenbereich haben wir sogar für die Monate Januar bis Juni 2021 alle Mitglieder beitragsfrei gestellt“, berichtet das Kassierer-Trio Susanne Weinblum, Arnd Weinblum und Dirk Westphal über die ungewöhnliche Aktion.

Auf seine Jugendabteilung ist der Verein zurzeit sowieso mächtig stolz: Der TuS hat alle Altersklassen von der A- Jugend bis zu den Mini-Kickern mit Mannschaften besetzt. Wobei für die neu ins Leben gerufene Mini-Kicker-Truppe noch Verstärkungen gesucht werden. Zusätzlich hat der Verein mit der C II-Jugend noch eine Spielgemeinschaft mit dem Nachbarverein SC Husen-Kurl gegründet. „Wir sind momentan sowohl im Bereich der Spieler, als auch im Bereich der Trainer in der Jugendabteilung gut besetzt. Das ist vor allem ein Verdienst unseres langjährigen Jugendleiters Peter Krahn und des Jugendkoordinators Ralf Schemann, die dort hervorragende Arbeit leisten“, lobt der Vorsitzende.

Damit der rege Zulauf bei den Jugendlichen erhalten bleibt, bietet der Verein für die ersten drei Monate ein kostenloses Schnuppertraining an. Zusätzlich forciert der TuS Neuasseln die altersgerechte Ausbildung und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Spieler und Spielerinnen. „Eine florierende Jugendarbeit ist überlebenswichtig für unseren kleinen Verein. Seit jeher leben wir von unseren Talenten aus den eigenen Reihen“, weiß der Vorsitzende Harbott.

Auch die bestehende Kooperation mit der Fichte-Grundschule wird von beiden Seiten mit Leben gefüllt. Der TuS Neuasseln unterstützt die Schule mit Sportmaterialien wie Speckbrettern und Seilen. Außerdem stellt der Verein mit Jürgen Traut auch den Trainer für die Schulmannschaft der Grundschule. Seitens der Schule sind die engagierte Rektorin Frau Kochanek und die Lehrerin Frau Kittel die treibenden Kräfte der gelebten Kooperation. Im Bereich der Unparteiischen herrscht ebenfalls eitel Sonnenschein beim Traditionsverein: Der Verein verfügt über sechs Schiedsrichter, die für die Neuasselner am Wochenende die Pfeife in den Mund nehmen. Darunter ist mit Marc Müller auch ein talentierter Jungschiedsrichter, der seinen Weg machen wird.

Anfang September geht es endlich auch bei den Damen der Gymnastikabteilung, dem Kinderturnen und der Tischtennisabteilung nach der Corona-bedingten Zwangspause mit den Übungsstunden wieder los. „Wir freuen uns alle auf die kommende Saison, hoffentlich kann die Serie trotz der Pandemie diesmal ohne größere Probleme komplett zu Ende gespielt werden“ sehnt sich Neuasselns Vorsitzender Friedrich-Wilhelm Harbott wie so viele Fußballer nach einem Stück Normalität.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth

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