Dr. Dirk Tintrup ist Mannschaftsarzt der BVB-Handballerinnen.
Fußball

„Von 0 auf 100 geht es nicht“: Dortmunder Sportmediziner sieht Häufung von Verletzungen

Nach der langen Corona-Pause dürfen die Fußballer endlich wieder trainieren und spielen. Weil sie aber lange Zeit nichts im fußballspezifischen Bereich machen konnten, fallen viele verletzt aus.

„Kein Trainer ist mit seinem Team da, wo er zu diesem Zeitpunkt sein wollte. Wir haben viele Spieler, die sich mit kleineren Muskelzerrungen und Faserrissen herumplagen“, sagt Thomas Gerner, Trainer des Bezirksligisten Mengede 08/20. Auch andere Dortmunder Amateurfußball-Vereine beklagen eine Häufung von Verletzungen.

Der Dortmunder Sportmediziner Dirk Tintrup, Mannschaftsarzt der BVB-Handballerinnen und Arzt der BVB-U23, sieht diese auch. „Es sind auffallend viele Amateur- und Freizeitfußballer, die mit Muskel- und Bandverletzungen derzeit in die Praxis kommen“, sagt er. Seit vor zwei Monaten viele Mannschaften ihr Training wieder begonnen haben, gehe diese Entwicklung schon. „Im Lockdown haben viele nichts im Amateurbereich gemacht, sind beispielsweise auch nicht Laufen gegangen“, so Tintrup.

Jetzt, wo wieder trainiert werden kann, müssen sich die Muskeln der Spieler erst wieder an die gewohnten Bewegungen gewöhnen. Sowohl Muskel- als auch Bandverletzungen können mit der langen Pause zusammenhängen, erklärt der Sportmediziner. Selbst die, die regelmäßig joggen gegangen sind, müssen nicht unbedingt ausgenommen sein von den Verletzungen.

„Fußball ist ein Sport, der viel von Schnellbewegungen, Abstopp- und Richtungswechseln lebt. Wenn man das lange nicht macht oder nur Laufen geht, ist das ein anderes Betätigungsfeld.“ Das bedeutet: Die Fußballer, die sich fit gehalten haben, haben meist nur ihre Langausdauermuskeln trainiert. „Die Schnellkraftmuskeln müssen aber erst wieder aktiviert werden.“

Ein Problem sieht der Arzt darin, dass die Spieler direkt wieder loslegen wollten, als sie wieder durften. Ohne sich langsam an die fußballspezifischen Bewegungen zu gewöhnen, sei man direkt wieder in Spielformen und Spiele gegangen. Das Problem sei aber, dass es „von 0 auf 100“ nicht gehe, so Tintrup. „Bevor man in den Spielbetrieb geht, müssen erst wieder alle Muskeln vernünftig aktiviert werden.“

Zudem brauche der Körper Regenerationsphasen. „Gerade im Amateurbereich ist es nicht gesund, wenn sieben Tage die Woche gespielt wird. Da muss man auch mal zwei, drei Tage nichts tun und seinem Körper Ruhe geben.“

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