K.o-Sieg nach sieben Runden: Christina Hammer eroberte sich in Köln den Weltmeistertitel im Super-Mittelgewicht. © dpa
Boxen

Weltmeisterin: Christina Hammer jubelt nach Sieg über den “kleinen Dampfer”

Was für ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für Dortmunds Profi-Boxerin Christina Hammer. Sieben Runden spielte sie mit der Finnin Sanna Turunen - dann war der WM-Titel im Supermittelgewicht perfekt.

In der siebten Runde schickte Hammer die Finnin Hanna Turunen nach einer starken Schlagkombination mit einem rechten Haken auf die Bretter. Der Ringrichter hatte ein Einsehen mit der sichtlich angeschlagenen und überforderten Finnin – und Christina Hammer feierte ihren 26. Sieg im 28. Kampf und den WM-Titel nach der Version WIBF. Jenem Verband, in dem früher Box-Queen Regina Halmich Langzeit-Weltmeisterin war. Sportlich wichtiger war indes der Interimstitel nach WBC, der Hammer die Chance eröffnet, in nächster Zeit gegen WBO/WBC-Weltmeisterin Franchon Crews Dezurn aus den USA in den Ring zu steigen.

Der von Hammer Promotor Alexander Petkovic veranstaltete Kampftag in der Kölner Motorworld war in der Tat besonders. Keine Fans (Hammer: „es war unglaublich still“), dafür ein ausgefeiltes Hygienekonzept, das vom Kölner Gesundheitsamt nach einigem Hin- und Her schlussendlich abgenickt wurde, aber grundsätzlich funktionierte und der gebeutelten Sportart zumindest etwas Betätigung verschaffte.

Christina Hammer klar überlegen

Selbst bei der Auswahl der Gegnerin musste man Abstriche machen, zumal die Gewichtsklasse Supermittelgewicht ohnehin extrem dünn besetzt ist. Wie schon beim für Ende Oktober in München geplanten Kampf fiel die Wahl auf die Finnin Hanna Turunen. Eine ernsthafte Gegnerin für die in allen Belangen überlegene Hammer war Turunen allerdings nicht. Die Nummer elf der unabhängigen Weltrangliste, mit ihren 45 Jahren wohl die dienstälteste Profi-Boxerin überhaupt, brachte zwar ungefähr das gleiche Gewicht wie Hammer auf die Waage, war aber gut einen Kopf kleiner. Für Hammer war es Kampf Nr. 28, für Turunen Kampf Nr. 10. Da trafen Welten aufeinander. Hammer war körperlich und technisch derart klar überlegen und verfügte über soviel mehr an Routine, dass man mit der Frau aus dem Süden Finnlands durchaus Mitleid bekommen.

Wie hieß es so treffend in der offiziellen Pressemeldung des Veranstalters: „Nun steht die Finnin ihrer bislang stärksten Kontrahentin gegenüber – und könnte mit einem Sieg zu eine der ältesten Boxweltmeisterinnen der Geschichte werden, was aber wohl eines der größten Upsets (Anm. der Red.: Ärgernisse) der Boxgeschichte wäre.

Christina Hammer: „Ihre Masse war schon extrem“

Gut, dass es nicht so weit gekommen ist. „Ihre Masse war schon extrem, sie war wie ein kleiner Dampfer, der auf mich zugesteuert ist. Hanna ist eine starke Frau, die viel einstecken kann“, zeigte sich Christina Hammer vom Kampfeswillen ihrer Gegnerin angetan.

Die vergangenen 20 Monate waren wohl die schwierigste Zeit in der Karriere von Christina Hammer. Im April 2019 musste sie in Atlantic City gegen die Doppel-Olympiasiegerin Claressa Shields eine klare Punktniederlage einstecken, es folgten Wechsel der Trainingsstätten (Stralsund, Hamburg, dann wieder Dortmund), des Trainers und der Gewichtsklasse. Und das alles in Zeiten von Corona.

„Wichtig war, dass ich den Ringstaub abgelegt habe. Hinten raus bin ich dann ja auch lockerer geworden. Ich war einfach nur, nach dieser langen Zeit de s reinen Trainings endlich wieder in den Ring klettern zu dürfen. Ich habe das ganze jahr durchgezogen und jetzt auch noch den Titel geholt. Jetzt brauche ich erstmal eine kleine Pause“, zeigte sich Christina Hammer absolut zufrieden. Was auch für ihren Wechsel in die neue Gewichtsklasse gilt. „Acht Jahre lang habe ich im Mittelgewicht geboxt. Durfte maximal 72,574 Kilogramm wiegen. Jetzt muss ich nicht mehr hungern, muss nicht dauernd auf die Waage“, so Hammer, die im Supermittelgewicht 76,203 Kilogramm wiegen darf: „Ich fühle mich jetzt viel wohler,habe mehr Power und will auch in dieser Gewichtsklasse bleiben.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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