Die Gorilla Bar in Münster zieht viele Sportler an. © Gorilla Bar
Fußballerkneipen

Wer in der Gorilla Bar noch nicht gefeiert hat, ist kein Fußballer – fragt Ansgar Brinkmann

Wir stellen nach und nach Fußballer-Kneipen vor. Heute sind wir in Münster. In der Gorilla Bar. Wer hier noch nicht war, hat das Bier und den Sport nie geliebt.

Ein ganz normaler Sonntagabend. Vor der Pandemie. In der Jüdefelder Straße, gelegen in Münsters Kuhviertel, ist anders als in den beiden Nächten zuvor wenig los. Die Studentenkneipen ziehen nur wenige Gäste an. Das Wochenende klingt für viele auf der eigenen Couch aus oder vielleicht beim Italiener um die Ecke.

Doch vor einer Gastwirtschaft ballt es sich seltsamerweise. Mehrere Dutzend Leute tummeln sich auf dem Gehweg. Wer sich traut und die Tür öffnet, dem schlagen stickige Luft, laute Rockmusik und verstopfte Gänge entgegen. Ob es jemals wieder so wird wie vor dem März 2020, steht auf einem anderen Blatt Papier. Erst in diesem Spätsommer sollen die Pforten wieder öffnen.

Viele Fußballteams kommen in die Gorilla Bar. Hier ein Ausflug des BSV Roxel. © Gorilla Bar © Gorilla Bar

Doch die Hoffnung lebt natürlich. Gerade bei Bernd Redeker. Er betreibt die beschriebene Pinte gemeinsam mit Rainer Schlag seit 20 Jahren. Ihr Name: Gorilla Bar. Das Publikum: auffallend oft ein sportliches. Das ist weniger auf die reine Optik bezogen, sondern wörtlich zu nehmen. Volleyballerinnen und Basketballer, Ruderer (der deutsche Achter feierte hier 2006 den WM-Titel) und Handballerinnen – sie alle gehören zu Stammbesuchern in dem Laden, der tagsüber so unscheinbar daherkommt und abends zum Szeneclub wird.

Vor allem aber kreuzen hier Fußballer auf. Vor wenigen Jahren noch ließ sich die Uhr danach stellen, dass die Profis des SC Preußen nach einem Heimsieg wenige Stunden später mindestens eine kleine Abordnung an den Tresen schickten. Ex-Keeper Daniel Masuch war oft dabei. „Dort herrschte und herrscht immer eine tolle Atmosphäre zwischen Spielern, Fans und Barkeepern – das gilt besonders für Berni“, sagt der frühere Zweitliga-Schlussmann. „Und die Presse hatte auch meist weggehört, wenn sie da war“, fügt er lachend an.

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Preußen-Profis sind immer dabei

Selbst Vorgänger-Generationen des SCP kreuzen noch heute oft auf. „Wir haben zu vielen weiter einen guten Draht“, sagt Redeker und nennt exemplarisch ehemalige Adler wie Uwe Leifeld, Ansgar Brinkmann oder Sercan Güvenisik.

Die größere Zahl an Kickern kommt aber aus der Amateurschiene. Gibt es überhaupt eine Mannschaft, die in der „Bar“ noch keine Erfolge begossen hat? Der 1. FC Gievenbeck, so etwas wie die Nummer zwei der Stadt, ist hier oft anzutreffen. Auch der TuS Hiltrup wurde immer wieder nächtens gesichtet. Der BSV Roxel besitzt sowieso einen langen Atem.

Wie es zu diesem Stempel kam? „Ich bin selbst sportbegeistert, wir haben vom ersten Tag an, alle wichtigen Events auf Leinwand gezeigt“, sagt Redeker, der oft als Zuschauer auf den Plätzen der Sport auftaucht. „Die Leute freuen sich, wenn ich zugucke.“ Als Sponsor, etwa beim VfL Wolbeck oder Westfalia Kinderhaus II und zugleich beim Handball, tritt die „Gorilla Bar“ ebenfalls auf. „Es hat sich aus all diesen Faktoren früh so entwickelt, dass die Fußballer zu uns kommen, weil sie wissen, dass sie hier einige andere treffen.“ Nicht wenige nennen die rund 70 Quadratmeter tatsächlich „Wohnzimmer“. „Das Schöne ist, dass sich in Münster fast alle gut verstehen. In anderen Städten hacken sich die Sportler fast die Augen aus, hier sind Wechsel untereinander an der Tagesordnung“, sagt Redeker.

Alle verstehen sich gut

Verbrüderungen am Tresen hat er oft beobachtet. Die Analyse der letzten Spielminute gehört genauso dazu wie die der letzten Runde. Es ist kein Geheimnis, dass zahlreiche Wechsel zwischen der „Knutschecke“ auf der einen Seite des Raums und der legendären (weil mit Urwaldgeräuschen unterlegten) Toilette auf der anderen dingfest gemacht wurden.

Ein anderer Grund, warum die „Bar“ so viele Athleten anzieht, liegt in der Personalstruktur. „Die meisten unserer Zapfer sind Sportstudenten“, sagt Redeker. Natürlich bringen die nicht nur Kommilitonen mit, sondern sind selbst auch oft in irgendwelchen Vereinen am Ball. Das Ziel nach dem Training oder dem gewonnenen Spiel liegt da auf der Hand.

Tim Hagedorn ist ein Paradebeispiel. Er kellnerte viele Jahre im Gorilla-Shirt, studierte Sport und kickte in Hiltrup. „Mundpropaganda spielte immer eine große Rolle, Berni kennt aber auch einfach viele Leute“, sagt der 35-Jährige, der einst als Regionalliga-Spieler des SC Verl über seinen Münsteraner Kollegen Lars Remmert ins baldige Wirtshaus seines Vertrauens eingeführt wurde. „Es war schnell die erste Anlaufstelle unter den Kneipen für mich.“

Auch Bier-Pong wird hier gespielt. © Gorilla Bar © Gorilla Bar

Anekdoten kann kaum jemand besser erzählen als er. „Schön ist erst mal, dass unter Sportlern ein relativ lockerer Umgang herrscht. Es wurde auch hinter der Theke fast nie anstrengend. Gegenspieler, mit denen ich mich auf dem Platz nie verstanden habe, waren dort ganz okay. Und das Handy hat zu später Stunde sowieso nie einer gezückt, wenn’s mal etwas zu viel war.“ Mit einigen Roxelern saß der frühere Mittelfeldspieler vor dem direkten Duell mal um 3 Uhr nachts noch zusammen am Tisch. „Jetzt kann ich’s ja erzählen.“

Sobald ein Team durch die Tür kam, war ihm klar, dass es einen gemeinsamen Deckel gibt. „Das ist für alle einfacher. Und ich wusste immer: Der wird auch bezahlt.“ Welche Getränke welcher Kicker bevorzugt, hatte Hagedorn schnell drauf. 2014 ließ er sich nach seinem Laufbahnende beim Zapfen noch von Christian Bienemann zu einem dreimonatigen Intermezzo bei Emsdetten 05 überreden. „Sicher kein Einzelfall.“

Auch Ansgar Brinkmann (l.) kam häufig in die Gorilla Bar, die im Besitz von Bernd Redeker (3.v.l.) steht. © Gorilla Bar © Gorilla Bar

Gern erinnert er sich an den WM-Titel im selben Sommer. Tief in der Nacht war er damals noch mit Fußballern aus allen möglichen Vereinen auf der Rolle. Ausgelassene Stimmung, ausgelassene Musik, aber auch eine die taktische Entschlüsselung musste sein. „Michael Fromme war da, Robin Paton, Uli Kockmann, Sören Weinfurtner und viele andere“, erzählt der heutige Lehrer. „Das war eine richtig coole Runde. Weltmeister wird man ja nicht oft.“

Seinen ehemaligen Chef hält Hagedorn im Übrigen für einen „Marketing-Fuchs“. Zahlreichen Mannschaften aus Münster drückte der für die obligatorische Abschlussfahrt einen Satz Gorilla-Shirts in die Hand, die am Strand von Palma natürlich fleißig getragen wurden. „Da haben dann auch viele Spieler von anderen Mannschaften gefragt, was das für eine Bar ist. Und wenn sie mal in Münster sind, ist das sicher die erste Adresse für sie.“

Es gibt auch die „Gorilla-Shirts“

Neben Hagedorn gehörten auch die UFC-Futsaler Eike Wessels und Eduard Nickel (ehemaliger Nationalspieler) oder Nils Hönicke (SG Wattenscheid 09) lange zum Thekenteam, genau wie Amateurkicker Daniel Mester von GW Amelsbüren, der weiterhin parat steht. Sie alle waren immer ein Garant dafür, dass Teamkollegen und Freunde den Weg in die „Gorilla Bar“ fanden. Nicht nur Redeker hofft, dass das auch in Zukunft wieder so wird.

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