Giovanni Schiattarella, Trainer des SV Brackel. © laryea
Fußball-Landesliga

Wie stellt sich der SV Brackel den Ansagen von Türkspor Dortmund entgegen?

Türkspor Dortmund hat gegen den SV Brackel so ziemlich alle Argumente auf seiner Seite. Wie will Brackel sich dem Favoriten im Landesliga-Derby entgegenstellen?

Ömer Akman, Youssef Yesilmen, Marcel Reichwein, weitere Topspieler, 5:0 gegeneinander, Hecker-Cup-Sieg, Auftakterfolg, Topfavorit – mit diesen, wie die „Knallhart-Ansagen“ könnte Türkspor Dortmund vor dem Landesliga-Derby in Brackel (Sonntag, 15 Uhr, Hallenbad) Angst und Schrecken verbreiten – oder sich, um die Härte aus den Worten herauszunehmen, großen Respekt verschaffen. Aber wer Giovanni Schiattarella kennt, weiß, dass er als Coach für seinen SV Brackel 06 die eine oder andere Idee im Köcher hat.

Zuvor aber setzt er sogar noch eins auf die Türkspor-Argumente drauf: „Das ist keine Landesliga-Mannschaft. Unsere Liga ist für diese Qualität völlig unpassend, viel zu niedrig.“ Aber auch Qualität lässt sich besiegen. Sonst bräuchte Brackel erst gar nicht antreten.

Giovanni Schiattarella hat einen Plan für Türkspor Dortmund

Natürlich möchte Schiattarella seinen Plan nicht öffentlich breittreten. Schließlich liest Türkspor ja mit. Schiattarella ist allerdings eher nicht der Typ Trainer der vergangenen Jahre, der gerne bewusst eine falsche Aufstellung für die Vorschau mitteilt, um den Gegner zu verwirren.

Der Brackel-Coach weiß doch auch, dass in Zeiten von Livestreams, FUSSBALL.DE und Handykameras ohnehin eine größere Transparenz herrscht. Also sagt er eher etwas über Einstellung denn über Aufstellung. Denn Türkspors Trainer Sebastian Tyrala mag sich noch so sehr anstrengen – er könnte zwar Brackeler Ideen vorausahnen, aber die Fähigkeit, in Schiattarellas Kopf zu gucken, hat er nicht.

Am Samstag – wie so oft – nicht zu stoppen: Türkspor Dortmund (M.) © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Also sagt Brackels Coach: „Wir müssen ständig fokussiert sein, deren Spiel so eng wie möglich machen und dürfen nicht groß in Eins-gegen-Eins-Situationen kommen. Da kriegst du sie kaum vom Ball weg.“ Und da sind wir dann bei den Namen wie Ömer Akman, Youssef Yesilmen oder Marcel Reichwein, die mit ihrer Klasse, da gibt der neutrale Beobachter Schiattarella recht, eher in die vierte denn in die siebte Liga passen. Im ersten Spiel gegen Langenbochum spielten sich auch die Torschützen Florian Juka und Justin Braun in den Vordergrund.

Nächste Punkte aus dem Schlag-auf-Schlag-Einstieg sind das 5:0 beim Hecker-Cup von TSD und der spätere Turniersieg. „Da haben wir deren Klasse gespürt“, sagt Schiattarella.

Aber kein Anlass zum Aufgeben: „Das waren ganz andere Voraussetzungen. Wir sind jetzt weiter, haben viel mehr Personal. Und wir spielen das erste Dortmunder Landesliga-Derby seit fast einem Jahr. Für uns ist es das erste Meisterschaftsspiel vor eigenem Publikum nach einer solch langen Zeit. Daher ist das für uns – unabhängig des Gegners – ein besonderes Spiel. Wir sind motiviert.“ Jetzt mal eine Ansage also der Brackeler.

Türkspor Dortmund gewinnt in Langebochum

Das 2:1 von TSD gegen Langenbochum offenbarte dann auch eine Chance, wie es gegen den Favoriten funktionieren kann. Das liest natürlich kaum ein Verfechter der Spielkultur gerne: Aber die Hertener bauten auf dem Mendeplatz ein Bollwerk und ließ die Türkspor-Klasse nur in einigen Situationen – dann aber richtig – zur Geltung kommen.

Schiattarella kehrt zurück zum Fokus. Und er fügt einen Begriff hinzu: „Intensität!“ Heißt, er will als Gegner hochgradig unbequem sein und so den spielfreudigen Türkspor-Akteuren den Spaß nehmen. Die Brackeler, die im Übrigen auch sehr gute Fußballer und Persönlichkeiten wie Kapitän Tobias Hartmann oder den Offensiven Patrick Sacher in ihren Reihen haben, waren im Gegensatz zu ihrem temperamentvollen Trainer in solchen Duellen aber manchmal zu brav.

Der Brackeler Coach glaubt, dass dies nicht mehr passiert: „Wir haben schon Leute, die wissen, worauf es ankommt.“ Und wenn nicht, wird der Trainer die Jungs schon packen.

Er muss das aktuell alleine schaffen. Denn „Co“ Andreas Toetz hat – wie berichtet – aufgehört. „Das ist sehr schade.“ Schiattarella hat immerhin noch Torwart Dennis Wegner im Trainerteam. „Es wäre mir aber lieb, wenn ich wieder noch jemanden an meiner Seite hätte. Nur muss es passen.“

Spieler sollen sich identifizieren mit dem SV Brackel

Dieses Wort – „passen“ – beschreibt dann auch noch einmal die Philosophie der Brackeler für den gesamten Kader. „Wer für uns spielt, soll sich mit dem Verein identifizieren und bereit sein, sich und das Team weiterzuentwickeln.“

Schiattarella will dementsprechend mit Augenmaß zu den wenigen gestandenen Spielern junge Leute aufbauen. Dass zu schaffen, ist eine seiner Qualitäten. Wer den Weg des bereits erwähnten Tobias Hartmann verfolgt oder den schnellen Aufschwung des in Brünninghausen nicht so erfolgreichen William Valenti in der Vorbereitung bestaunt hat, sieht beste Beispiele vor Augen. Das heißt aber auch: Schiattarella und seine Jungs stehen nicht unter Druck, auch nicht in diesem Derby.

Das kann übrigens ein Vorteil sein gegen eine Mannschaft, für die eingangs genannten Namen und Pluspunkte nicht nur positive Argumente, sondern auch Verpflichtung sind.

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Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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