Vor diesem Lokal am See wurde Oliver Gilge von den Ordnungskräften angesprochen. © Privat Gilge
Phoenix-See

Ärger um Maskenpflicht: Besucher am Phoenix-See in Handschellen

Ein 12-Jähriger wartet auf dem Spielplatz am Phoenix-See auf seinen Vater, doch der sitzt in der Polizeiwache. Er hatte Ärger mit Ordnungskräften wegen der Maskenpflicht am See.

Zum Jahresende 2020 wollte Oliver Gilge (35) aus Lünen mit seiner Familie einen schönen Ausflug zum Dortmunder Phoenix-See unternehmen. Für ihn endete der aber recht unerfreulich auf der Polizeiwache am See. Schuld war sein Kaffeedurst.

Oliver Gilge ging am 29. Dezember mit seiner Freundin am See spazieren, den 12-jährigen Sohn hatten sie so lange auf dem Jugendspielplatz zurückgelassen. Im Bäckereicafé Grobe holte er sich einen Kaffee und Gebäck.

Auf der Hafenpromenade sei er dann von einer Mitarbeiterin des Ordnungsamts angesprochen worden, weil er die Maske nicht über Mund und Nase trug. „Ich hatte gerade noch einen Schluck getrunken und meine Maske hing aufgrund dessen an meinem Kinn“, sagt Gilge.

Verstoß gegen die Corona-Schutzverordnung?

Das kurzfristige Abnehmen des Mund-Nasen-Schutzes um zu Essen und zu Trinken sieht er durch die Ausnahmen in der Corona-Schutzverordnung gedeckt, nach denen die Alltagsmaske vorübergehend abgelegt werden kann, wenn das „zur notwendigen Einnahme von Speisen und Getränken“ erforderlich sei.

Im Hafenbereich gilt Maskenpflicht.
Im Hafenbereich gilt Maskenpflicht. © Susanne Riese © Susanne Riese

So habe er es auch der Ordnungskraft erklärt. „Das hat sie überhaupt nicht interessiert.“ Er sei „sehr unhöflich und in einem sehr schlechten Ton“ wiederholt aufgefordert worden, sich auszuweisen. Sie selbst habe sich auch auf mehrfache Nachfrage nicht legitimiert.

Im NRW-Ordnungsbehördengesetz heißt es: „Die Dienstkräfte (Anm. d. Red.: der Ordnungsbehörden) müssen einen behördlichen Ausweis bei sich führen und ihn bei Ausübung ihrer Tätigkeit auf Verlangen vorzeigen.“ Ausnahme: „Das gilt nicht, wenn die Umstände es nicht zulassen.“

Die Ordnungskraft habe ihm den Weg versperrt und sei handgreiflich geworden – „vor Zeugen“, so Gilge. Eins kam zum anderen, er habe schließlich ihre Hand weggestoßen.

Polizeibeamte wurden auf den Tumult, wie es der Betroffene nennt, aufmerksam und schritten ein.

„Ich habe den Beamten auch erklärt, dass sich die Mitarbeiterin nicht ausweisen möchte.“ Da könnten sie nichts machen, hätten die gesagt. Er könne sich aber ans Ordnungsamt wenden. „Das war in der aktuellen Situation ein Witz.“

Polizei leistet Amtshilfe

Die Polizei leiste in solchen Fällen Amtshilfe und kann bei der Identitätsfeststellung mitwirken, erklärt Polizeisprecher Peter Bandermann zu dem Vorgang. Es habe sich aber um einen Einsatz der Ordnungsamts gehandelt.

Hier sei er verhaftet worden, sagt Oliver Gilge. Wichtig sei ihm zu erwähnen, dass er sich nicht gewehrt habe.
An dieser Stelle sei er festgenommen worden, sagt Oliver Gilge. Wichtig sei ihm zu erwähnen, dass er sich nicht gewehrt habe. © Pirvat Gilge © Pirvat Gilge

Dessen Mitarbeiterin habe ihm schlussendlich Handschellen angelegt, so Gilge: „Ich wurde vor allen Leuten verhaftet.“ Das war gegen 13.30 Uhr, da sei es recht voll gewesen auf der Uferpromenade.

Auf der Wache wurde der Vorfall aufgenommen. Während der Zeit habe sein Sohn auf dem Spielplatz gewartet und sich gewundert, wo der Papa so lange bleibt.

Oliver Gilge wirft der Mitarbeiterin des Ordnungsamtes unter anderem Nötigung und Körperverletzung vor und hat gegen sie Anzeige erstattet und eine Dienstaufsichtsbeschwerde an das Ordnungsamt geschrieben.

Die Mitarbeiterin habe ihm ihren Namen und Ausweis vorenthalten, habe ihn am Weitergehen gehindert und sei ihn körperlich angegangen. „Weiterhin darf mich diese Person nicht in Handfesseln legen. Dazu bestand nie ein Grund und auch die ganze Situation gab nie Anlass, dass es hier zu einer Auseinandersetzung meinerseits kommen könnte“, schreibt er.

Betroffener kritisiert die Unverhältnismäßigkeit

„Ihre Kollegin ist hier sehr weit über das Ziel hinaus geschossen und hat sich Fehler erlaubt, die absolut unentschuldbar und auch in keinster Weise gerechtfertigt sind. Es ist eine absolute Frechheit, wie man mir gegenüber getreten ist.“

Gilge spricht von „extrem schikanösem Verhalten ihm gegenüber in aller Öffentlichkeit“. „Es war mir auch sehr unangenehm, dass ich vor aller Leute Augen mit Handschellen abgeführt wurde. Man muss sich mal vor Auge halten, dass aufgrund einer nicht richtig sitzenden Maske ein Mensch in Handschellen mitgenommen wird. Das ist unvorstellbar und völlig überzogen.“

Die Stadt Dortmund teilt auf Anfrage mit, die Vorwürfe würden geprüft. „Das Thema Gesundheit, Sicherheit und Vertrauen spielt für die Stadt Dortmund nicht nur in Corona-Zeiten eine wichtige Rolle“, schreibt dazu Stadt-Pressesprecher Christian Schön.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
Zur Autorenseite
Susanne Riese

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt