Birgit Lange-Grieving und Kai Schäder präsentieren „Karl Trenkel: Unter französischen Bajonetten. Eine Denkschrift aus der Zeit der Franzosen-Besetzung vom 16. Januar 1923 bis 22. Oktober 1924". © Alexandra Wachelau
Ruhrbesetzung

Als die Grenzen von Hörde geschlossen waren: Buch über Ruhrbesetzung

Kai Schäder ist nicht nur Fahrlehrer, sondern auch Autor. In seinem neuen Buch geht es um ein Thema, das eng mit Hörde verknüpft ist: die Ruhrbesetzung durch französische Truppen.

Die Vorstellung klingt abwegig: Um von Hörde nach Schwerte zu kommen, müssen Pass und Visum gezeigt werden. Verkehrssperren wurden eingerichtet, in den Straßen marschieren Soldaten und Panzer rollen. Das alltägliche Leben kommt dadurch fast zum Erliegen.

Solche Szenen boten sich den Hördern im Januar 1923, als französische Truppen die damals noch eigenständige Stadt besetzten. Kai Schäder hat sich in seiner Bachelorarbeit an der Fernuniversität Hagen mit dieser Zeit auseinandergesetzt.

Seit Anfang Dezember gibt es die Arbeit als Buch: „Karl Trenkel: Unter französischen Bajonetten. Eine Denkschrift aus der Zeit der Franzosen-Besetzung vom 16. Januar 1923 bis 22. Oktober 1924“.

Die Fassade im Hintergrund steht heute noch. Kai Schäder hat, zusammen mit der Transfer-Buchhandlung, auch eine Tour zum Thema Ruhrbesetzung angeboten. Nach der Pandemie wird diese wahrscheinlich wieder aufgenommen.
Die Fassade im Hintergrund steht heute noch. Kai Schäder hat, zusammen mit der Transfer-Buchhandlung, auch eine Tour zum Thema Ruhrbesetzung angeboten. Nach der Pandemie wird diese wahrscheinlich wieder aufgenommen. © Stadtarchiv Dortmund © Stadtarchiv Dortmund

Grenzproblematik wird im Buch geschildert

Im ersten Teil des Buchs wird die Denkschrift von Karl Trenkel abgedruckt, in der die damaligen Lebensumstände der Hörder geschildert werden. „Wer in Hörde gelebt hat, aber in Schwerte zur Arbeit musste, konnte von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu seinem Arbeitsplatz“, sagt Autor Kai Schäder.

Gleiches galt auch für Urlauber, Familienbesuche oder Einkäufe außerhalb der Stadt. Ohne Papiere ging nichts mehr. „Viele haben versucht, die Grenze zu umgehen und sind beispielsweise heimlich durch den Schwerter Wald“, sagt Kai Schäder.

Die Originalausgabe der Denkschrift. Kai Schäder hat diese in mühevoller Kleinstarbeit handschriftlich in sein Buch übertragen.
Die Originalausgabe der Denkschrift: Kai Schäder hat diese in mühevoller Kleinstarbeit handschriftlich in sein Buch übertragen. © Stadtarchiv Dortmund © Stadtarchiv Dortmund

Auf diese Menschen wurde durchaus auch geschossen. „Es gibt nur wenige Dokumentationen, die zeigen, wie viele Menschen durch diese Grenzproblematik eigentlich gestorben sind“, sagt Schäder. Die Denkschrift von Karl Trenkel, die in seinem Buch behandelt wird, sei eine davon.

Dabei war es Zufall, dass Schäder auf die Schrift gestoßen ist. Es ist bereits das zweite Buch des Autors, das beim Transfer-Verlag erschienen ist – 2015 gab der Verlag „675 Jahre Hörde“ von Kai Schäder heraus.

Autor ist Fahrlehrer und verkauft die „Hörder Fackel“

Dabei ist der 44-Jährige hauptberuflich Fahrlehrer, hat außerdem die Biermarken „Karl Hoesch“ und „Hörder Fackel“ auf den Markt gebracht und ist bereits in einem Ford Fiesta von Dortmund nach China gefahren. Wie passt das mit dem Beruf des Historikers zusammen?

Das Postamt steht heute noch, in der Zeit der Ruhrbesetzung war das Gebäude mit Papier beklebt.
Das Postamt steht heute noch, in der Zeit der Ruhrbesetzung war das Gebäude mit Papier beklebt. © Stadtarchiv Dortmund © Stadtarchiv Dortmund

„Ich habe mich als Kind schon für Historisches interessiert“, sagt Schäder. Die Begegnungen, die Kai Schäder in seinem Beruf als Fahrlehrer macht, seien „universitär beleuchtet“ für ihn aufschlussreich. Momentan arbeitet er an seinem Master in Geschichte. In der Abschlussarbeit wird es wahrscheinlich um Deutsche Brauereien zur Kolonialzeit gehen.

„Ich bin auch total dankbar dafür, dass es so etwas wie die Fernuni gibt. Da muss ich erstmal nicht mein Berufsleben neu ausrichten“, sagt Kai Schäder.

Das Buch ist für 22 Euro in im Webshop des Verlags erhältlich und kann im Lockdown zu den üblichen Öffnungszeiten an einer Abholstation abgeholt werden. Das Buch wurde bei „Druck & Verlag Kettler“ in Bönen gedruckt und damit nicht nur inhaltlich ein regionales Buch.

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