Prof. Hojjat Ahmadzadehfar (l.) und Dr. Christian Bartling schauen sich ein PET/CT der Prostata an. Auf dem linken Bildschirm ist der punktförmige Tumor zu erkennen. © Susanne Riese
Krebsdiagnostik

Am Josefs-Hospital: Neues Verfahren erkennt Tumore lange vor gängigen Methoden

Hörder Ärzte können mit einem innovativen Verfahren selbst winzige Tumore entdecken. Es betrifft die häufigste Krebserkrankung bei Männern und kann einen entscheidenden Zeitvorsprung bieten.

Winzig klein ist der Tumor, der sich in der Prostata des Patienten gebildet hat. Mit herkömmlichen Verfahren wäre er unentdeckt geblieben. Doch dank einer neuen und bislang noch selten angebotenen Methode können Prof. Hojjat Ahmadzadehfar und Dr. Christian Bartling den Tumor auf dem CT-Bild identifizieren. Im rundum dunkel bleibenden Gewebe des Beckenraums bildet er deutlich sichtbar einen erbsengroßen Leuchtpunkt.

Die am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner im Hörder St.-Josefs-Hospital eingesetzte sogenannte PSMA-PET/CT ist das derzeit genauste bildgebende Verfahren in der Prostatadiagnostik. Es ist den Gängigen deutlich überlegen und hilft, Prostatakarzinome früh zu erkennen und damit Leben zu retten.

80.000 Männer pro Jahr erkrankt

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Jedes Jahr erkranken daran in Deutschland rund 80.000 Männer. Bei frühzeitiger Diagnose lässt sich ein Karzinom sehr gut behandeln. Bei rund drei von zehn Patienten aber kommt es in den folgenden Jahren zu einer erneuten Tumorbildung.

Dr. Sonja Liebeskind, Dr. Christian Bartling und Dr. Noémi Horváth (v.l.) arbeiten mit dem innovativen Verfahren am PET/CT.
Dr. Sonja Liebeskind, Dr. Christian Bartling und Dr. Noémi Horváth (v.l.) arbeiten mit dem innovativen Verfahren am PET/CT. © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner

Diese kann entweder an derselben Stelle vorkommen, selbst wenn die Prostata komplett entfernt wurde (sogenanntes „Lokalrezidiv“), oder als Metastase in anderen Körperregionen. Beides kann die PSMA-PET/CT sehr gut erfassen. PSMA (Prostata-spezifisches Membran-Antigen) ist ein körpereigener Stoff, der besonders ausgeprägt in Prostatakrebszellen vorkommt.

Für die Aufnahme wird eine schwach radioaktive Substanz injiziert, die das Antigen erkennbar macht. So kann die PET-(Positronen-Emissions-Tomografen)-Kamera davon ein Bild erstellen. Das wird mit einer klassischen Computertomografie (CT) kombiniert, um die genaue Position des Tumors im Körper zu lokalisieren. Die gespritzte Substanz baut der Körper eigenständig innerhalb kurzer Zeit ab.

Verfahren ist revolutionär

„Das Verfahren hat die Welt der Diagnostik revolutionär verändert“, sagt Prof. Hojjat Ahmadzadehfar. Auch winzige Tumore mit einer Größe von wenigen Millimetern können auf diese Weise exakt diagnostiziert werden. Das macht die Methode vor allem bei wiederkehrendem Prostatakrebs so nützlich.

Wenn nach einer Krebstherapie der Tumormarker erhöht ist, wenn auch minimal, kann die Ursache schnell ermittelt werden. „So kann die Therapie frühzeitig und sehr gezielt beginnen, die Sterblichkeit ist geringer“, so Nuklearmediziner Ahmadzadehfar.

Der Querschnitt zeigt den Tumor als leuchtenden Punkt.
Der Querschnitt zeigt den Tumor als leuchtenden Punkt. © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner

Bei geringen Werten mussten Patienten sonst oftmals eine lange Suche über sich ergehen lassen oder warten, bis der Wert und mit ihm das Tumorwachstum anstieg. „Das ist sehr belastend“, sagt Dr. Christian Bartling, Facharzt für Radiologie und angehender Facharzt für Nuklearmedizin am MVZ.

Auf Verdacht bestrahlen

War der neue Tumor nicht zu ermitteln, so bestrahlte man auf Verdacht den Beckenbereich, obwohl beispielsweise auch Knochenmetastasen an ganz anderer Stelle möglich wären. Die PSMA-Methode kann den Patienten eine solche überflüssige Therapie ersparen. Sie ermöglicht eine optimale und individuelle Anpassung der Behandlung, was auch eine Chemo- oder Hormontherapie sein könnte.

Dr. Christian Bartling und Dr. Noémi Horváth am PSMA-PET/CT am MVZ am Hörder St.-Josefs-Hospital
Dr. Christian Bartling und Dr. Noémi Horváth am PSMA-PET/CT am MVZ am Hörder St.-Josefs-Hospital © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner. © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner.

Die Untersuchung ist aufwendig und kostenintensiv, deshalb wird sie in der Regel nur an Uni-Kliniken und großen Zentren angeboten. Die Kassen übernehmen die Kosten nur in Einzelfällen. In Dortmund ist das MVZ in Hörde der einzige Standort, zuvor mussten Patienten nach Münster oder Aachen reisen. Einmal monatlich gibt es im MVZ am Josefs-Hospital einen festen Termin.

Die Herstellung der benötigten radioaktiven Substanz ist stark reglementiert, teuer und sie zerfällt innerhalb eines Tages. Nach wenigen Stunden ist sie nicht mehr zu gebrauchen. Das MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner bestellt deshalb immer mehrere Patienten für einen Tag. Wegen der starken Nachfrage sollen ab dem kommenden Jahr zwei Termine pro Monat für die spezielle Diagnostik angeboten werden.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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