Zwei Meter breit sind die Fundamente der Grabkapelle. In der Mitte stand die Doppelgruft für das Fürstenpaar. © Susanne Riese
Spektakulärer Fund

Archäologen graben bei Wilo Kapelle und Gruften derer von Romberg aus

Jahrzehntelang hat ein historischer Schatz unbemerkt direkt neben der B54 gelegen. Jetzt wurden Reste einer Grabkapelle und Gruften der Familie Romberg freigelegt – aber nur vorübergehend.

Eine stattliche Kapelle muss es gewesen sein, die Clemens von Romberg Mitte des 19. Jahrhunderts als Grabkirche für seine Familie errichten ließ, mit einer Doppelgrabstelle für sich und seine Gemahlin unter der zentralen Kuppel. Für rund 15 weitere Mitglieder der Adelsfamilie war außerhalb der Grabkapelle Platz in gemauerten und fein ausgestalteten Gruften.

Als Wilo 1962/63 an der Stelle südlich der Nortkirchenstraße seine Pumpenfabrik errichtete, ahnte niemand etwas von dieser bedeutungsvollen Vergangenheit des Areals. Allerdings hatten große Steinbrocken den Bauleuten bei Wilo schon länger Rätsel aufgeben.

Felsen-Rätsel ist jetzt gelöst

Woher stammten diese Felsen, die kaum auf natürlichem Wege dort hingelangt sein konnten? Ein alteingesessener Hörder habe sich schon aus Zeiten seiner Kindheit an die großen Brocken erinnert, die niemand zuordnen konnte, erzählt Martin Linge-Boom, Leiter der Wilo-Bauabteilung.

Der Blick von oben zeigt das Ausmaß der Anlage.
Der Blick von oben zeigt das Ausmaß der Anlage. © Susanne Riese © Susanne Riese

Nun ist bekannt, woher die Steine stammen. Sie gehörten zu der Grabkapelle derer von Romberg, die bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts an dieser Stelle gestanden hatte, am Rande des romantischen Landschaftsgartens, dem heutigen Rombergpark. Der Standort lag ausgeklügelt am gartenarchitektonischen Achsenkreuz aus Baumalleen, von dem heute lediglich die Lindenallee im Park erhalten ist.

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Alte Grabkapelle auf dem Wilo-Gelände gefunden

Denkmalschützer legten jetzt die Reste der Adels-Kapelle und zugehöriger Gruften frei, die nun als Bodendenkmal verewigt sind. Zu sehen war dieser Schatz allerdings nur kurz. Nach Freilegung, Vermessung und Dokumentation wurde die gesamte Fundstelle eilig wieder verschlossen, auch um die vielen Schaulustigen von dem Baustellengelände fernzuhalten.

Luftaufnahmen waren Grund für Bodenuntersuchungen

Alte Luftaufnahmen hatten Hinweise auf das Bodendenkmal geliefert, als die Pläne für den riesigen neuen Wilo-Park erstellt wurden. Bodenuntersuchungen durch die Denkmalbehörde bestätigten dann 2017/18 die Vermutung.

Mit Aufgabe der alten Pumpenfabrik am Wilo-Stammsitz und Abriss der Bodenplatte in diesem Jahr offenbarte sich der sensationelle Fund nur etwa siebzig Zentimeter unter dem Straßenniveau: Zwei Meter dicke Mauern bilden eine deutlich erkennbare Kleeblattform, das Fundament für die Grabkapelle. In der Mitte steht eine aus Backsteinen gemauerte Doppelgruft.

„Das Kapellenfundament ist sehr gut erhalten“, sagt Ingmar Luther, Stadtarchäologe bei der Denkmalbehörde. 15,90 mal 15 Meter groß war die Kapelle und – wie man von alten Bildern weiß – sieben Meter hoch. Sie wurde 1868 fertiggestellt, gerade rechtzeitig für den 1869 verstorbenen Freiherrn Clemens von Romberg.

Die Gruften sind leer und zum Teil schwer beschädigt.
Die Gruften sind leer und zum Teil schwer beschädigt. © Susanne Riese © Susanne Riese

Umliegend gruppieren sich 15 einzelne Grüfte, verschieden groß und in sehr unterschiedlichem Zustand. Manche sind schwer beschädigt und eingebrochen. Auch die Kapellen-Fundamente zeigen deutliche Risse. Und damit auch das Problem, dass den Untergang der Familien-Kapelle besiegelte: Der oberflächennahe Bergbau der Zeche Felicitas und illegaler Abbau hatten den Boden derart unterhöhlt, dass die Stabilität gefährdet war.

Ab 1912 führte die Familie deshalb einen Rechtsstreit mit dem Zechenbetreiber; aus den Unterlagen dazu stammen die Fotos der Kapelle.

Nachdem die Familie Romberg gegen Ende des 19. Jahrhunderts umzog nach Buldern im Münsterland, wurde die Kapelle an die Stadt veräußert und wegen Einsturzgefahr abgerissen. Die dort bestatteten Familienmitglieder ließen die von Romberg exhumieren und an ihren neuen Wohnort umbetten.

Viele kleine Fundstücke erzählen Geschichten

In Hörde blieben meterdicke Fundamente und leere Grüfte zurück. Sie sind ein bedeutender Schatz für die Denkmalschützer. Denn wenn die Stätte auch von ihren adligen Besitzern längst verlassen war, so gab es dennoch zahlreiche Fundstücke, die über ihre ehemalige Ausstattung Auskunft geben, so Ingmar Luther.

„Wir haben immer wieder Stücke einer Marmorauskleidung gefunden, am Boden und an den Wänden.“ Dazu Keramikkappen, mit denen die Nieten verkleidet waren, und zahlreiche Sarg-Relikte wie feuervergoldete Beschläge und Ähnliches. „All das zeigt, wie pompös und detailliert das Ganze gestaltet war.“

Stadtarchäologe Ingmar Luther beaufsichtigte die Ausgrabung und die Fundstücke der Rombergschen Grabanlage auf dem Wilo-Gelände. © Susanne Riese © Susanne Riese

An dem Belegungsplan des kleinen Privatfriedhofs arbeiten die Denkmalforscher noch. Ein Rätsel haben sie aber bereits weitgehend gelöst: Die Inschrift auf einer an einem Felsen eingelassenen Tafel ordnen sie Friedrich von Romberg, einem Sohn Clemens‘ zu, der mit nur 25 Jahren und damit vor seinem Vater gestorben war. Alten Plänen zufolge war der gesamte Bereich um die Kapelle großzügig bemessen und ursprünglich von einer Mauer eingefasst.

Denkmal mit dem Smartphone erleben

In Zukunft wird dieser historische Ort unter dem zentralen Platz des Wilo-Parks liegen. Die alte Anlage wurde bereits wieder zugeschüttet, sorgfältig mit Sand und einem Vlies als Schutzschicht abgedeckt. „Das ist das Beste, was einem Bodendenkmal passieren kann“, sagt Stadtarchäologe Luther. Der empfindliche Ruhrsandstein sei unter Flur am besten geschützt.

Für Besucher soll das unterirdische Denkmal trotzdem erfahrbar sein. Dazu entsteht zurzeit eine Visualisierung, die mit dem Smartphone abgerufen werden kann. Die digitale Version wird sogar noch weit mehr zeigen, als die im Boden vorhandenen Relikte, unter anderem die städtebaulichen Bezüge und eine komplette Ansicht der Grabkapelle.

2022 zum 150-jährigen Jubiläum von Wilo soll der „Wiloop“-Platz mit Kundenzentrum und mehr als 300 Bäumen fertiggestellt sein.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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