Spaziergänger entdeckten am Mittwoch (6.1.) die abgesägten Apfelbäume. © privat
Mahnmal in der Bittermark

Attacke mit rechtsradikalem Hintergrund? Drei besondere Bäume abgesägt

Eine Tat, die zunächst nach einem „Dummejungenstreich“ aussah, entpuppt sich immer mehr als eine Aktion mit rechtsradikalem Hintergrund. Und das an einer Gedenkstätte für Nazi-Opfer.

Das Mahnmal in der Bittermark ist ein Ort des Gedenkens an die mehr als 300 Menschen, die von den Nazis in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges ermordet worden sind. Rechtsradikale haben hier schon des Öfteren zugeschlagen und die Gedenkstätte „beschmutzt“.

So wurden beispielsweise schon einmal kurz vor dem Gedenken an Karfreitag Hakenkreuze an das Mahnmal Bittermark geschmiert.

Vermutet wird eine gezielte Attacke

Diesmal scheint es wieder so gewesen zu sein, dass es eine gezielte Attacke war. Das vermutet nicht nur Ernst Söder, langjähriger Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache. Es geht um drei junge Apfelbäume, die vermutlich am Mittwoch (6.1.) umgesägt wurden.

2016 wurde der zweite Apfelbaum in der Nähe des Mahnmals gepflanzt.
2016 wurde der zweite Apfelbaum in der Nähe des Mahnmals gepflanzt. © Archiv Schaper © Archiv Schaper

Drei Bäume, in der Nähe des Mahnmals, die aber eine ganz besondere Bedeutung hatten. „Bei diesen Bäumen handelt es sich nicht um normale Apfelbäume. Sie wurden Karfreitag 2015 erstmalig im Rahmen des Gedenkens an die über dreihundert Ermordeten in der Bittermark gepflanzt“, erklärt Ernst Söder.

Mit den drei Apfelbäumen fielen auch zwei Buchen an der Westseite des Mahnmals den unbekannten Tätern zum Opfer.

Pfarrer Korbinian Aigner züchtete im KZ die jungen Bäume

Die Apfelbäume seien zur Erinnerung an den Häftling und Pfarrer Korbinian Aigner gepflanzt worden, der im Konzentrationslager Dachau junge Pflanzen züchtete und sie 1945 auf der Flucht ins Freie bringen konnte, so Söder.

Nach der Pflanzung 2015 folgte jeweils ein Baum in den Jahren 2016 und 2017. Und die Pflanzungen sollten weiter gehen. „Ich glaube nicht, dass es ein Streich war. Denn die Bäume sind abgesägt worden. Vermutlich ganz gezielt. Denn wer geht schon mit einer Säge durch den Wald?“, fragt sich Ernst Söder.

Aber was jetzt? „Ich denke schon, dass wir einen neuen Versuch starten mit den Apfelbäumen“, sagt Ernst Söder trotz allen Ärgers. „Sonst wäre es sicher das falsche Zeichen.“ So denkt auch die Stadt Dortmund.

Die Stadt Dortmund will neue Bäume pflanzen lassen

„Die Stadt Dortmund verurteilt diesen Vandalismus. Man ist erschüttert bei einem solchen Anblick und fassungslos angesichts dieser Zerstörungswut“, heißt es in einer entsprechenden Stellungnahme.

Speziell die drei Korbinians-Apfelbäume hätten eine besondere symbolische Bedeutung und gehörten zur Erinnerungskultur am Standort des Mahnmals Bittermark, so die Stadt.

Die Stadt Dortmund wird die Bäume im Rahmen der nächsten Gedenkveranstaltung am Karfreitag nachpflanzen. So, wie die beiden Buchen, die ebenfalls am Mahnmal von unbekannten Tätern gefällt wurden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
Zur Autorenseite
Jörg Bauerfeld

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt