Unbekannte haben junge Bäume in der Bittermark abgesägt. © privat
Vandalismus in Dortmund

Bäume abgesägt: Zerstörungswut an einem Gedenkort im Dortmunder Süden

Am Rand der großen Wiese vor dem Mahnmal in der Bittermark sind drei kleine Erdhaufen zu sehen, drumherum frische Sägespäne. Unbekannte Täter haben hier am 6. Januar ihr Unwesen getrieben.

Sie waren noch nicht alt, die drei Stämmchen noch dünn. Und wegen der kalten Jahreszeit waren ihre Kronen kahl. Eigentlich ein harmloses, unattraktives Ziel – könnte man meinen.

Doch ob aus Langeweile oder einfach aus reiner Zerstörungswut: Unbekannte haben vermutlich in der Nacht zu Mittwoch (6. Januar) drei junge Bäume im Bereich des Mahnmals in der Bittermark abgesägt.

Ein Bürger hatte die zerstörten Bäume entdeckt und ein Foto gemacht. Deutlich ist die Schnittfläche zu sehen, die von einer Säge herrührt. Die drei Bäume standen auf der Ostseite der großen Rasenfläche vor dem Mahnmal.

Am Donnerstag sind die Reste der Bäume beseitigt worden

Wer für die Tat verantwortlich ist, ist noch nicht bekannt. Städtische Mitarbeiter entfernten am Donnerstag (7. Januar) die Spuren der Zerstörung. Ob es der Corona-Frust war, der den oder diejenigen dazu getrieben hat, sein oder ihr Mütchen an drei Bäumen zu kühlen, ist fraglich.

Städtische Mitarbeiter haben die Baumreste entfernt. Im Hintergrund ist das Mahnmal zu sehen.
Städtische Mitarbeiter haben die Baumreste entfernt. Im Hintergrund ist das Mahnmal zu sehen. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Die Dortmunder Grünanlagen scheinen während der Corona-Pandemie geradezu magische Anziehungskraft für Menschen mit Zerstörungswut zu haben. Denn beispielsweise auch im Rombergpark gab es im Jahr 2020 zahlreiche Verwüstungen. Unter anderem wurden ganze Bänke in den Teich geworfen. Jetzt also auch die Bittermark.

Das Mahnmal liegt mitten im Wald

Und diejenigen, die hier zugeschlagen haben, haben einen weiten Weg auf sich genommen. Denn das Mahnmal liegt mitten im Wald. Trotz der Entfernung von der nächsten festen Straße ist der Ort aber tagsüber ein beliebter Treffpunkt auch für jüngere Dortmunder.

Denn auf der Südseite der Rasenfläche, gegenüber des Mahnmals, ist ein fester Unterstand, der vor Wind und Regen schützt – auch Sitzgelegenheiten gibt es dort.

Große Infotafeln weisen auf den historischen Ort in der Bittermark und die hier geschehenen Gräueltaten hin.
Große Infotafeln weisen auf den historischen Ort in der Bittermark und die hier geschehenen Gräueltaten hin. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Ein weiterer Hinweis auf gelegentliche Treffen sind die auf der Wiese zusammengestellten tragbaren Bänke. Vermutlich ist die Zerstörung der drei Bäume jedoch in den Abendstunden geschehen. Denn die Wege im Bereich des Mahnmals sind tagsüber stark frequentiert. Jogger, Spaziergänger und Radfahrer nutzen diese rund um das Mahnmal.

Das Mahnmal wurde im Jahr 1960 eingeweiht

Ein Absägen der Bäume hätte also in den „Stoßzeiten“ auffallen müssen. Im Jahr 1960 wurde das Mahnmal in der Bittermark eingeweiht. An einem Karfreitag. Seitdem finden hier regelmäßig Gedenkfeiern statt für die 300 Menschen, die 1945 von den Nazis ermordet wurden.

Im Rombergpark und auf einer Waldlichtung in der Bittermark. Hier steht heute auch das Mahnmal und hier standen auch die drei jungen Bäume, die jetzt Geschichte sind.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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