Dieses Gebiet soll bebaut werden. Im Hintergrund steht das ehemalige BVB-Mannschaftshotel Lennhof. © Jörg Bauerfeld
Hinterlandbebauung in Dortmund

Biotop oder doch eine Wohnbebauung? Entscheidung steht kurz bevor

Der Wohnraum ist knapp im Dortmunder Süden. Hinterland wird gesucht, gefunden und bebaut. Das gefällt nicht jedem. Anwohner kämpfen seit Jahren für den Erhalt eines Biotops – mit Erfolg?

Dass die Bezirksvertretung (BV) in Hombruch eine der wenigen ist, die trotz Corona-Pandemie am Dienstag (26.1.) tagt, liegt auch an einem Stück Menglinghausen. Zwischen dem Hotel Lennhof und der Straße Am Spörkel liegt ein Baugebiet, was noch keines ist.

„Am Lennhofe“ soll es heißen. Und wenn es nach den Anwohnern geht, soll das grüne Stückchen Natur diesen Namen niemals bekommen. Die Bezirksvertretung Hombruch wird darüber diskutieren. Entscheiden werden es andere. Und zwar der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen. Der tagt am 3. Februar.

Über 100 Wohneinheiten sollen auf das Grundstück

Inwieweit die Bezirksvertretung in Hombruch in die Entscheidung noch eingreifen kann, ist fraglich. Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet das Lennhof-Biotop“ wollen jedoch nichts unversucht lassen und werden, natürlich Corona-konform, die Sitzung nutzen, um noch ein paar Fragen beantwortet zu bekommen – und um vielleicht die Bebauung noch abwenden zu können.

Dort, wo jetzt noch Grabeland und eine Pferdekoppel sind, sollen mehr als 100 Wohneinheiten entstehen. Seit Beginn der Planungen kommen aus der Bevölkerung immer wieder Zweifel auf, was zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit angeht.

Anwohner befürchten Schäden an ihren Häusern

So sind mehrere Kontroll-Bohrlöcher mit Beton verschlossen worden, der teilweise bis zu zwei Meter abgerutscht ist. Für die Mitglieder der Bürgerinitiative ein deutliches Zeichen, dass der Boden nicht tragfähig ist. Dazu kommt die hohe Feuchtigkeit in dem Gebiet. Grundwasser und der Rüpingsbach drücken. Einige der bestehenden Häuser sind regelrecht in „Betonwannen“ gebaut, um den Wassereintritt zu verhindern.

Wird jetzt, durch eine Bebauung, das Wasser „abgegraben“ vermuten und befürchten die Besitzer große Schäden an ihren Objekten. Dazu kommen mögliche Verkehrsprobleme in dem ohnehin schon dicht besiedelten Bereich.

Die Bürgerinitiative wird also am Dienstag (26.1.) noch einen Versuch zur Rettung des Biotops unternehmen und hat den BV-Mitgliedern vorab schon einmal einen Fragenkatalog zur Verfügung gestellt.

Das sind die Fragen für die Mitglieder der Bezirksvertretung:

  • Wie wollen Sie das Verkehrsaufkommen im Spörkel welches heute bereits eine Katastrophe mit täglichen Beinahe-Unfällen und Blechschäden ist, in Zukunft regeln?
  • Wie wollen Sie die Brücke über den Rüpingsbach im renaturierten Landschaftsschutzgebiet verhindern?
  • Wie wollen Sie den Bürgern von Hombruch erklären, dass eine Grün-Ausgleichsfläche zur lokalen Flächenversiegelung eines artenreichen, Biotop-artigen Unterholzgebietes circa 10 km weiter auf einem Acker als Wiese auf dem Schnee am Waldrand deklariert wird – also eine Fläche, die sowieso nie bebaut würde?
  • Haben Sie die 397 Seiten im Vorfeld lesen können? Wenn nicht, möchten wir Sie auf die zig-fachen Fehler hinweisen, die in diesem Verfahren durch den Investor begangen worden sind – sofern Sie das Bauvorhaben nicht einstimmig ablehnen.
  • Wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Wirtschaftsunternehmen Hotel Lennhof ein, die bis zur Insolvenz durch abnehmende Attraktivität gehen werden?
  • Warum behauptet das Umweltamt, das Wasser aus den Bohrungen habe Grundwasserqualität, während die Emschergenossenschaft das Oberflächenwasser wegen der Kontamination nicht versickern lassen, sondern über die versiegelten Grundstücke ableiten will?
  • Wann wird die Artenschutzprüfung (ASP) III wegen der unbrauchbaren ASP-II in Auftrag gegeben?

Ob die Fragen zugunsten des Biotops beantwortet werden oder ob dann im Rats-Ausschuss im Februar das endgültige Ende kommt, wird sich zeigen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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