Wie die Busse die Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarf der Werkstätten Gottessegen zur Arbeit bringen, entscheiden der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Kostenträger und die Verantwortlichen der Werkstätten gemeinsam. (Symbolbild) © Archiv
Werkstätten Gottessegen

Bustransport zu Behindertenwerkstätten: Ministerium weist Kritik zurück

Die Werkstätten Gottessegen mussten Kritik für die Regelung des Bustransportes ihrer Mitarbeiter einstecken. Dabei sind dafür zwei NRW-Ministerien zuständig. Eines weist die Kritik nun zurück.

Manche Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarf der Kirchhörder und Mengeder Behindertenwerkstätten kommen mit Linienbussen zur Arbeit, andere werden von Familienmitgliedern gebracht. Viele nehmen jedoch den angebotenen Fahrdienst in Anspruch.

Die Werkstätten Gottessegen organisieren diesen Bustransport ihrer Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarf Hand in Hand mit dem Kostenträger LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe). Zuletzt hatten sie dafür Kritik einstecken müssen. Die Busse seien voll besetzt, die Scheiben teils beschlagen, wenn sie bei den Werkstätten ankommen.

Manche der behinderten Fahrgäste dürfen aus medizinischen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, säßen aber dennoch dicht an dicht mit anderen Mitarbeitern. Kurzum: Die Corona-Hygieneregeln seien nicht ausreichend eingehalten worden, gerade im Hinblick auf die vorerkrankten Fahrgäste.

Werkstätten haben individuelle Lösungen

Aussagen, die die Werkstätten Gottessegen scharf zurückgewiesen haben. „Wir waren nach dem ersten Lockdown bemüht, individuelle Lösungen zu finden“, erklärt Werkstätten-Pressesprecherin Anke Gerwing.

Mitarbeiter, die sonst mit Linienbussen zur Arbeit kommen, konnten teilweise den Fahrdienst nutzen, der zunächst nicht voll ausgelastet gewesen sei. Zudem habe es für Mitarbeiter, die keine Maske tragen, entweder Einzeltransporte gegeben oder sie seien innerhalb des Busses von Mitarbeitern mit Maske getrennt worden.

Die Werkstätten Gottessegen in Kirchhörde (Foto) und Mengede waren vom 9. bis zum 29. November geschlossen.
Die Werkstätten Gottessegen in Kirchhörde (Foto) und Mengede waren vom 9. bis zum 29. November geschlossen. © Archiv © Archiv

Teils habe es sogar Fahrlinien für einzelne Wohnheime und entzerrte Ankunftszeiten an den Werkstätten gegeben, um die Durchmischung der Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten. Auch Hygienemaßnahmen wie das regelmäßige Lüften und Desinfizieren der Busse seien eingehalten worden.

Dennoch konnten die Werkstätten nicht verhindern, dass die Infektionsketten irgendwann nicht mehr nachzuvollziehen waren. Nach 13 Corona-Neuinfektionen Anfang November waren die Werkstätten deshalb im derzeitigen Teil-Lockdown für drei Wochen geschlossen worden.

Werkstätten sind wieder geöffnet

Seit dem 30. November (Montag) dürfen die Mitarbeiter nun wieder zur Arbeit kommen. Die Werkstätten Gottessegen in Kirchhörde und Mengede gehen mit einem neuen Corona-Schnelltest-Konzept und verschärften Hygieneregeln in den Bussen, teils mehr Fahrzeugen sowie der Unterstützung der Familienmitglieder beim Transport an den Start.

Etwas, das sie laut dem NRW-Verkehrsministerium eigentlich nicht tun müssten. Dort wurde entschieden, dass der Linienverkehr nicht anders zu behandeln sei, als der Transport behinderter Menschen. „Die sogenannten Sonderfahrdienste unterliegen […] den gleichen Regelungen wie der ÖPNV“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des LWL.

Heißt: In den Bussen gilt die Maskenpflicht für alle, aber keine Abstandspflicht. Ein Pressesprecher des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales erläutert die geltenden Regeln für den Transport der Gottessegen-Mitarbeiter indes eingängiger.

„Die Corona-Schutzverordnung trifft keine Sonderregelungen für Spezialverkehre, sondern legt abhängig von möglichen Besonderheiten der Fahrgäste Regelungen zu Schutzmaßnahmen, Maskenpflicht und Abständen fest“, erklärt er. „Damit wird den Belangen behinderter Fahrgäste im Spezialverkehr Rechnung getragen.“

Individuelle Lösungen sind wichtig

Die Kritik an den Werkstätten und dem LWL, die zuständigkeitshalber den beiden NRW-Ministerien gegolten hätte, sei also zumindest für den Fahrdienst unbegründet. Zumal der Schutz der Fahrgäste mit Unterstützungsbedarf Dank individueller Lösungen der Auftraggeber und Verkehrsunternehmen gewährleistet sei.

„Die Werkstätten kennen ihre Beschäftigten und ihre räumlichen und sonstigen Gegebenheiten am besten und können daher für den Einzelfall passende Lösungen entwickeln“, erklärt der Pressesprecher. Die Finanzierung individueller Lösungen werde indes in enger Abstimmung mit den Landschaftsverbänden als Kostenträger geregelt.

Da das Infektionsgeschehen sehr dynamisch sei, sei es zudem möglich, dass es immer wieder Änderungen für die Transportregeln gebe, so der Pressesprecher.

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Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West

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