Herbert und Roswitha Klösener in ihrem Garten. © Nicola Schubert

Die Klöseners in der Bittermark: Dankbar für ihr Garten-Paradies

Ein Projekt, das seit 30 Jahren weiter wächst: Der Garten von Roswitha und Herbert Klösener ist nicht nur der ganze Stolz des Paares, sondern auch eine wichtige Kraftquelle.

Wer an der Garage vorbei in den Garten der Klöseners geht, staunt nicht schlecht: wie ein kleiner, reichlich bepflanzter Park wirkt diese Oase. Buchsbaumhecken umrunden abgezirkelte Beete.

Darin finden sich Rosen, Margeriten und allerlei mehr. Jedes Beet ist wie eine kleine, eigene Insel. Neben den Inseln gibt es Rasenstücke, auf denen Stühle zum Verweilen einladen.

Wegesystem zwischen den Beeten

Ein richtiges Wegesystem zwischen den Beet-Inseln hat der 86-jährige Herbert Klösener angelegt. Wie auch alles andere hier. Es führt durch den Garten, teils um ihn herum. Hinter jeder Hecke, hinter jeder Ecke öffnet sich ein neues, verstecktes Plätzchen.

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Wie ein kleiner Park: der Garten von Roswitha und Herbert Klösener in unserer Gartenserie

Der Höhepunkt und gleichzeitig das Zentrum des Gartens ist ein Teich. Mit Schilf darin, wilden Erdbeeren an den Seiten und Fischen im Wasser. Hier ist es lauschig, hier sitzt man gern auf der Bank am Rand unter einem Sonnenschirm und der alten Korkenzieherhasel. Hier erzählen die Klöseners, wie ihr Garten zustande kam.

Als Mieter komplett freie Hand

Als sie einzogen, vor mehr als 30 Jahren, sah der Garten völlig anders aus. Im Gegensatz zu heute könnte man vielleicht sagen: fast unberührt. „Es gab drei Obstbäume, eine Ligusterhecke und ansonsten grüne Wiese“, sagt Herbert Klösener. Das heutige Bild ist ein völlig anderes.

Dafür hat das Paar, das zur Miete wohnt, wie es betont, selbst gesorgt. In der freundlichen Hausgemeinschaft – zwei Parteien – war schon immer gute Stimmung.

Als die Klöseners einzogen lebte und wohnte die damalige Hausbesitzerin noch im Erdgeschoss. Von den Klöseners wird sie liebevoll Klärchen genannt. Sie ließ ihnen völlig freie Hand in der Gestaltung des Gartens.

Sauna in der Garage

Und nicht nur dort: Auch die Garage durften die Klöseners umgestalten. Eine Sauna, eine kleine Küche und eine Dusche hat Herbert Klösener eingebaut. Zu einer richtigen Laube erweiterte er mit einer Holzkonstruktion noch die Garage. Hier haben sich die Klöseners ihren „blauen Salon“, wie sie ihn nennen, eingerichtet.

Der schöne mit Schilf und Seerosen bedeckte Teich der Klöseners. © Nicola Schubert © Nicola Schubert

Mit blauen Holzstühlen, einer blauen Bank, blauen Fensterleisten und blau gerahmten Bildern. „Im Sommer leben wir eigentlich hier unten“, sagt Roswitha Klösener trocken. Sie meint es nicht ganz ernst, aber eigentlich doch. Typisch Ruhrgebiets-Humor eben.

Rosenbogen und Himbeersträuche

Im hinteren Teil des Gartens, wieder über das Wegesystem zu erreichen, ist ein Kompostbereich mit kleinen Gemüsebeeten, von dort links hinter einer Hecke entlang ist die „kleine Werkstatt“, wo ein paar kleinere Gartengeräte liegen. Wieder um die Hecke gelaufen – fast ein Parcours – steht der Gartenfreund vor Himbeersträuchern am Fuße eines Rosenbogens. Romantisch.

Die Klöseners sind keinen ganz geraden Weg gegangen. Sie lernten sich in einer Reha kennen, beide waren verheiratet, beide hatten Kinder. Sie kamen zusammen und ließen ihre Familien zurück.

„Das war sehr schwierig damals, es war ja auch noch eine etwas andere Zeit“, erzählt Roswitha. Heute – 42 Jahre später – hat sich das längst erledigt mit der schwierigen Zeit, alle sind eine Familie.

Und ausschließlich ungern erinnert sich Frau Klösener nicht: „Die ersten neun Jahre in ‚wilder‘ Ehe waren auch eine tolle Zeit, es war spannend“, lässt die 75-Jährige ihren Humor aufblitzen.

Handwerklich geschickt: ausgeklügelte Bewässerung

Roswitha Klösener fing damals wieder an zu arbeiten, nach 16 Jahren als Hausfrau. Zunächst in ihrem alten Beruf als Zahnarzthelferin, dann in der Küche des Casinos an der Syburg. Herbert Klösener war bei Freundlieb Betriebselektriker, engagierte sich im Betriebsrat.

Die “Liebeslaube”. © Nicola Schubert © Nicola Schubert

Sein handwerkliches Geschick hat er auch in seinem Garten spielen lassen: zur Bewässerung des Teichs und der Pflanzen hat er ein ausgeklügeltes Regenauffang- und Bewässerungssystem gebaut, mit Regentonne und Wassertank, Schläuchen, „alles selbst verlegt“. Der Garten scheint nicht nur sein Gesamtkunst-, sondern auch sein Lebenswerk zu sein.

„Liebeslaube“

Ein besonderer Hingucker ist die „Liebeslaube“. Die Klöseners haben für viele Plätzchen ihren eigenen Namen. Die „Liebeslaube“ ist eine große Kirschlorbeerhecke, in die im unteren Bereich eine runde Aussparung geschnitten ist.

Mit dem Gartenstuhl kann man sich so fast unter den Busch setzen, ist dadurch vor Regen oder Sonne geschützt. Ein anderes schattiges Plätzchen an heißen Tagen befindet sich rechts oberhalb der „Liebeslaube“. Auch hier stehen zwei Gartenstühle und ein relativ junger Apfelbaum, denn der Garten wächst immer weiter.

„Ein zweites Leben“

Dass das geht, ist für die Klöseners ein Geschenk: In den vergangenen zwei Jahren war Herbert Klösener viel im Krankenhaus, eine seiner Herzklappen arbeitete nicht richtig.

Die rettende OP war riskant, nach reiflicher Überlegung entschied er sich dafür. Der Mut wurde belohnt: Herbert Klösener erholt sich gut von der Operation im Mai. Wie seine Frau ist er überglücklich, dass alles gut verlaufen ist und er nun wieder seinen Garten genießen kann, „als wäre mir ein zweites Leben geschenkt worden“.

Sie hätten so viel Glück im Leben gehabt, sagen sie. Das Ehepaar Klösener scheint nicht zu Sentimentalitäten zu neigen. Umso bewegender ist es, wenn der Hobbygärtner sagt: „Das Wichtigste ist Dankbarkeit. Dankbar sein hat Heilkraft.“ Ebenso wie sein Garten, das kleine Paradies der Klöseners.

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Ahaus, Heek und Legden am Abend

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